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Keine Zeit zum Wunden lecken: BVB empfängt die Bayern
Der Schock über das ebenso dramatische wie teure Aus in der Champions League war noch gar nicht richtig verdaut, da nahm Sebastian Kehl die konsternierten Profis von Borussia Dortmund vor dem Klassiker gegen Bayern München schon in die Pflicht.
«Wir wissen um die Bedeutung des Spiels für die Bundesliga. Wir werden alles versuchen, so nah wie möglich dranzubleiben. Das ist die Aufgabe der Mannschaft», sagte der BVB-Sportdirektor nach dem bitteren 1:4 (0:2) bei Atalanta Bergamo.
Im Klassiker zählt nur ein Sieg
Nach dem frühen Scheitern in der Königsklasse muss sich der BVB, der auch im DFB-Pokal nicht mehr dabei ist, jetzt ganz auf die Liga konzentrieren. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf den Branchenprimus von der Isar. Wollen die Dortmunder noch einmal etwas Spannung in das Titelrennen bringen, müssen sie die Bayern am Samstag (18.30 Uhr/Sky) vor heimischer Kulisse schlagen.
«Wir wissen, dass jetzt der deutsche Meister kommt. Das macht die Sache nicht leichter. Wir müssen die Kräfte bündeln, um eine gute Performance abzuliefern», forderte BVB-Trainer Niko Kovac eine deutliche Steigerung gegenüber dem Auftritt in Bergamo.
Dortmunder Defensivprobleme
Der sorgte für tiefe Enttäuschung bei dem 54-Jährigen. «Wir haben kein gutes Spiel gemacht und waren nicht richtig da. Das darf natürlich nicht passieren, dass wir das hier noch aus der Hand geben», kritisierte Kovac und legte den Finger in die Wunde: «Auf diesem Niveau musst du die Mentalität haben, vieles weg zu verteidigen. Du musst bereit sein, über den Punkt zu gehen und dem Gegner den Schneid abzukaufen. Das ist uns nicht gelungen.»
Will der Tabellenzweite dem deutschen Rekord-Champion ernsthaft Paroli bieten, muss er vor allem in der Defensive deutlich zulegen. «Wir müssen uns schleunigst darauf konzentrieren, dass wir gut verteidigen. Dann gewinnen wir auch Spiele», sagte Kovac.
In Bergamo gelang das nicht. «Vier Gegentore zu kassieren, darf uns nicht passieren. Wir haben zu viele Fehler gemacht», stellte Kehl fest. Und Kovac räumte ein: «Wir hatten das Weiterkommen nicht verdient.»
Kobel-Blackout hat fatale Konsequenzen
Auf der Rückreise aus Norditalien war noch Wunden lecken angesagt. Spätestens ab Freitag gilt der volle Fokus dann dem Bundesliga-Gipfel. «Jetzt geht es darum, dass wir uns schnell sammeln und den Bayern einen geilen Fight liefern», sagte Torwart Gregor Kobel.
Der Schweizer hatte mit einem bösen Patzer kurz vor Schluss das Aus eingeleitet. «Es ist bitter. Fußball kann sehr hart sein. Ich habe in dieser Sekunde die falsche Entscheidung getroffen und nehme das auf meine Kappe», sagte Kobel und schickte gleich noch eine Entschuldigung hinterher: «Es tut mir leid für die Jungs.»
Die Nachspielzeit war schon fast abgelaufen, als Kobel weit außerhalb des eigenen Strafraums völlig unbedrängt ein verheerender Fehlpass unterlief. Daraus entstand der Elfmeter für Bergamo, der zum entscheidenden vierten Tor für die Italiener führte.
«Es war mein Fehler. Ich wollte ihn weghauen, aber der Ball lag nicht richtig, um ihn sauber zu schlagen. Aber am Ende musst du den Ball natürlich klären, scheißegal wie. Es ist super hart für die Mannschaft», sagte Kobel. Schon in den Stadion-Katakomben richtete der 28-Jährige den Blick aber nach vorn. «Jetzt heißt es Mund abputzen und weitermachen. Wir haben ein geiles Spiel vor der Brust. Da gilt es, die volle Energie auf den Platz zu bringen», sagte Kobel.
Wohin führt der Weg des BVB?
Ob das gelingt? Das frühzeitige Scheitern in der Königsklasse dürfte den Dortmundern noch einige Zeit zu schaffen machen - tut es dem Verein doch nicht nur sportlich, sondern auch finanziell weh. Allein für das Erreichen des Achtelfinales hätte es von der UEFA elf Millionen Euro gegeben. «Wir hatten diese Einnahmen eingeplant», räumte Kehl ein.
Der börsennotierte Verein musste daher sein Ergebnisziel für die Spielzeit 2025/26 erheblich senken. Statt eines Gewinns von bis zu fünf Millionen Euro rechnet der BVB jetzt mit einem Minus zwischen 12 und 22 Millionen Euro.
Welche sportlichen Auswirkungen das «Drama von Bergamo» haben wird, ist offen. Oberste Priorität hat das erneute Erreichen der lukrativen Champions League. Die Chancen stehen gut, beträgt das Polster der Dortmunder zum fünften Platz elf Spieltage vor dem Ende doch satte elf Punkte. Verspielt der BVB auch dieses Ziel, wird es ungemütlich. Kehl versprach daher für das Kräftemessen mit den Bayern: «Wir werden alles geben und versuchen, sie zu schlagen.»