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Berlinale 2026: Auf der Suche nach dem großen «Buzz»

08.02.2026, 09:02

Wenn Wim Wenders ins Kino geht, dann setzt er sich bewusst ganz nach vorne. In die zweite Reihe. Dorthin, wo das Bild «das ganze Gesichtsfeld füllt», wie Wenders sagt, damit ihn der Film im besten Fall umhauen kann. Es ist ein schönes Bild für das, was Filmfestivals im Idealfall leisten sollen: überwältigen, fordern, überraschen.

Auch die Berlinale, die am Donnerstag (12. Februar) beginnt, versteht sich wieder als Ort solcher Erfahrungen - selbst wenn es in diesem Jahr weniger der ganz großen Titel gibt.

Ist Filmeschauen manchmal auch Arbeit?

Regisseur Wenders («Perfect Days», «Paris, Texas») leitet diesmal die Internationale Jury, die entscheidet, welcher der 22 Filme im Wettbewerb den Goldenen Bären bekommen wird. Stundenlang wird Wenders (80) im Kino sitzen, während draußen noch mieser Berliner Winter herrscht.

«Kann manchmal in Arbeit ausarten», schreibt Wenders über das Filmeschauen. «Kann manchmal auch eine Qual sein. Kann aber oft Spaß machen. Und kann hin und wieder das Schönste auf der Welt sein. Und das hoffe ich jedes Mal, wenn das Licht ausgeht und der Film anfängt.»

Worauf fiebern etliche Fans hin?

Für einen Hype könnte diesmal der Auftritt von Popstar Charli xcx (33) sorgen - die britische Musikerin hatte mit ihrem Album «brat» mal einen ganzen Sommer geprägt. Nun spielt sie in der Satire «The Moment» über das Musikgeschäft mit, in der auch Alexander Skarsgård (49) und Kylie Jenner (28) zu sehen sind.

Der Film dürfte auch Teil der Strategie sein, mehr jüngere Menschen fürs Kino zu gewinnen. Festivalleiterin Tricia Tuttle (55) ist das wichtig. Die US-Amerikanerin, die vorher das London Film Festival organisiert hat, leitet die Berlinale zum zweiten Mal. 

Erwartet werden US-Star Pamela Anderson (58), Schauspieler Callum Turner (35) - der Medienberichten zufolge neben einer Reihe anderer Namen als möglicher «James Bond»-Kandidat im Gespräch ist -, Heavy-Metal-Star Rob Halford von Judas Priest und die Schriftstellerin Siri Hustvedt (70), über die ein Dokumentarfilm gedreht wurde. Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh (63) wird mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Wie steht es um die Zukunft des Kinos?

Das Filmfestival steht vor allem fürs Kino - wenn es ganz ruhig wird im Saal, Menschen lachen oder weinen. Mehr als 330.000 Tickets wurden im vergangenen Jahr verkauft, manche Fans nehmen extra Urlaub. Doch im Raum steht auch die Frage, wie es in Zeiten des Ständig-am-Handy-Seins weitergeht mit dem Kino.

Schauspieler Leonardo DiCaprio äußerte kürzlich Sorge um die Zukunft des Kinos. «Leonardo ist da nicht allein», findet Wenders. «Das besorgt viele, aus den verschiedensten Gründen.» Die Vorherrschaft der Streamingdienste bringe irre viele «Produkte» auf den Markt, von denen sehr viele inzwischen mehr von Algorithmen bestimmt seien als von guten und originalen Geschichten.

Und im Kino könnten sich viele gute - und womöglich «kleinere» - Filme nicht mehr durchsetzen, erklärt Wenders. Weil sie die Zeit nicht mehr bekämen, ihr Publikum zu gewinnen. Für so etwas Altmodisches (oder Analoges) wie «Mundpropaganda» sei gar keine Zeit mehr.

Auf der Suche nach dem «Buzz»

Genau das will Festivalchefin Tuttle allerdings versuchen. Sie will einen «Buzz» kreieren, wie sie neulich dem «Tagesspiegel» sagte, also einen Hype und eine große Aufmerksamkeit. Dafür brauche es unzählige Kleinigkeiten. «Man muss die richtigen internationalen Journalisten zum Festival kriegen, die nächste Generation von Bloggern und natürlich die entsprechenden Filme.»

Welche Filme auf einem Festival landen, ist ein monatelanger Verhandlungsprozess. Im Mai und September stehen die Festivals in Cannes und Venedig an, die große Konkurrenz machen. Die Berlinale profitierte öfter davon, dass manche Verleiher ihre Filmstars kurz vor den Oscars im März nach Berlin geschickt haben oder kurz vor einem Kinostart.

Welche Filme fehlen?

Doch einige große Titel, die wegen ihres Kinostarts eigentlich günstig gelegen hätten, sind nicht beim Festival dabei. Der Tischtennisfilm «Marty Supreme» mit Hollywoodstar Timothée Chalamet etwa. Oder «The Bride!» mit Jessie Buckley, «The Drama» mit Zendaya und Robert Pattinson und «Der Astronaut» mit Ryan Gosling und Sandra Hüller.

«Das sind alles Filme, an denen wir grundsätzlich interessiert gewesen wären, aber die Rechteinhaber fanden, dass der Veröffentlichungstermin noch zu weit entfernt liegt – was wir respektieren», sagte Tuttle dem Branchenmedium «The Spot». Das spiegelt einen Trend in der Branche wider, was besonders Studioproduktionen mit hohem Budget betreffe. «Außerhalb der Award-Saison ist man vorsichtiger bei Premieren auf Festivals.»

Wie sieht man auf dem roten Teppich trotz Winter gut aus?

Stattdessen will die Berlinale, die als ein politisches Festival gilt, auch damit punkten, dass sie viele verschiedene Filme zeigt. Sandra Hüller ist im Wettbewerbsfilm «Rose» zu sehen. Darin spielt sie eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt. Im Wettbewerb laufen auch Filme der deutschen Filmschaffenden Ilker Çatak («Gelbe Briefe»), Angela Schanelec («Meine Frau weint») und Eva Trobisch («Etwas ganz Besonderes»).

Gezeigt werden in anderen Reihen etwa «The Testament of Ann Lee» mit Amanda Seyfried, der allerdings schon in Venedig lief, der Vampirfilm «Die Blutgräfin» mit Isabelle Huppert und Lars Eidinger sowie ein neuer Film mit den Schauspielern Ethan Hawke und Russell Crowe («The Weight»). 

Sie dürften wohl mit dem Berliner Winterwetter Bekanntschaft machen. Bei der Eröffnungsgala im vergangenen Jahr liefen Promis bei eisigen Temperaturen über den Teppich. Wie schafft man es, dort in der Kälte gut auszusehen? Jurychef Wenders hat eine Antwort: «Mit einem heißen Herzen».

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