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Wieder Preuß-Drama: Biathletinnen verpassen Staffelmedaille
Tief enttäuscht und mit Tränen in den Augen wollte Franziska Preuß einfach nur noch weg. Nach einem erneuten Fehlschuss-Drama und nur Rang vier in der Olympia-Staffel verließ die Biathletin kommentarlos den Ort ihrer nächsten bitteren Niederlage. Zu groß war die Ernüchterung, als dass Deutschlands Sportlerin des Jahres dafür kurz nach dem Rennen hätte Worte finden können.
«Sie war jetzt einfach nicht in der Verfassung, irgendwie groß was sagen zu können und sagen zu wollen», sagte Sportdirektor Felix Bitterling: «Ich glaube, das ist jetzt einfach mehr eine mentale Geschichte, als dass es ihr körperlich wahnsinnig schlecht geht.»
Der nächste Patzer von Preuß hatte sie, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und der neuen Schlussläuferin Vanessa Voigt in Antholz eine mögliche olympische Staffelmedaille gekostet. Nachdem Preuß bereits in zwei Einzelrennen am Schießstand eine Olympia-Plakette aus der Hand gegeben hatte, bekam sie auch im Team ihre Nerven nicht in den Griff. «Sie hat sich schon ein paar Mal ausgegraben aus so einem kleinen Loch», sagte Bitterling: «Ich hoffe, das gelingt ihr auch noch mal.»
Trainer Mehringer: «Ich möchte ihr die Schuld nicht zuweisen»
Ein Arzt kam nach dem Rennen kurz zu Preuß in die Umkleide, um nach ihr zu sehen. Kurz darauf konnte sie aber wieder gehen. «Natürlich ist sie fertig, aber ich möchte ihr die Schuld nicht zuweisen», sagte Trainer Kristian Mehringer: «Wir können nur als Team gewinnen oder verlieren. Uns ist wichtig, dass sie jetzt wieder den Reset-Knopf drückt.» Am Samstag steht zum Abschluss der Winterspiele noch der Massenstart auf dem Programm.
Während der souveräne Olympiasieger Frankreich ausgelassen feierte, weinte Preuß nach ihrer entscheidenden Strafrunde erneut bittere Tränen. Nicht nur Youngster Tannheimer versuchte, Preuß zu trösten. «Es schmerzt sehr, dass wir heute leer ausgehen», sagte Schlussläuferin Voigt.
Erstmals keine Staffelmedaille für deutsche Teams
Nach 4 x 6 Kilometern und einer Strafrunde durch Preuß sowie neun Nachladern hatte das Quartett in Antholz 1:29,1 Minuten Rückstand auf die Spitze. Silber holte Schweden vor Norwegen. Anders als Preuß & Co. kompensierten Frankreich und Schweden eine Strafrunde.
Damit sind erstmals in der Olympia-Geschichte nach den deutschen Männern, die am Dienstag ebenfalls Vierte geworden waren, auch die Frauen in der Staffel ohne Medaille geblieben. Seitdem Frauen und Männer im Biathlon 1992 ihre Wettbewerbe bei Olympia gemeinsam austragen, hatte zuvor mindestens immer eine der beiden deutschen Staffeln auf dem Podest gestanden.
Damit haben die deutschen Skijäger vor dem großen Finale nach neun von elf Wettbewerben nur Bronze vom Auftakt in der Mixed-Staffel auf dem Konto. In den bisher sechs Einzelrennen gab es keine Medaillen. Es droht ein historisch schlechtes Gesamtergebnis.
Preuß versagen wieder die Nerven
Für Preuß geht damit ihre überwiegend unglückliche Olympia-Geschichte weiter. Bereits bei ihren drei Spielen zuvor erlebte sie einige Dramen. Dabei hatte man Preuß im Team den Druck nehmen wollen, indem sie erstmals seit langer Zeit nicht mehr auf der Schlussposition eingesetzt wurde.
«Platz zwei taugt mir ganz gut», hatte sie noch vor dem Rennen gesagt. Liegend ging alles gut, aber im Stehendschießen bekam die 31-Jährige erneut ihre Nerven nicht in den Griff. Bereits beim Bronzegewinn in der Mixed-Staffel zum Olympia-Auftakt hatte Preuß eine Strafrunde geschossen. Da hatte sie Glück gehabt, dass Norwegens Maren Kirkeeide zwei Scheiben stehen ließ.
Youngster Tannheimer liefert ab
Vor den Augen von Fußball-Trainerlegende Jürgen Klopp, der schon wie tags zuvor bei den Männern vor Ort die Daumen drückte, hatte die erst 20-jährige Tannheimer in ihrem ersten Staffelrennen auf der größten Sportbühne eine ganz starke Leistung. Läuferisch spielte sie ihre Stärke aus und schickte nach nur zwei Nachladern im Stehendschießen Preuß als Zweite nur 5,1 Sekunden hinter Schweden ins Rennen.
Doch dann zeigte ausgerechnet die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison im entscheidenden Moment Schwäche. Selbst die drei Nachlader brachte Preuß nicht ins Ziel. So fiel das DSV-Quartett auf Rang elf zurück, der Vorsprung auf die Spitze betrug 47,4 Sekunden.
Fehlerfreie Voigt kann nichts ausrichten
Anschließend versuchte Hettich-Walz, in ihrer ersten Olympia-Staffel zwar Boden gutzumachen. Sie ging Risiko, aber brauchte im Stehendanschlag ebenfalls zwei Nachlader und verlor so weitere Sekunden, während die Konkurrenz nicht patzte.
Hettich-Walz übergab auf Rang fünf mit einem Rückstand von 1:22,3 Minuten auf Voigt. Die Thüringerin sollte mit ihrer Schießstärke im Optimalfall in den Medaillenkampf eingreifen. Weil aber vorn keine der Konkurrentinnen Nerven zeigte, nutzten auch ihre beiden schnellen fehlerfreien Einlagen nichts mehr.