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Täter. Menschenfänger. Wer war Jeffrey Epstein?
Von Jeffrey Epstein existieren zwei grundlegende Narrative. Das heutige, nach seinem Tod 2019 als Sexualstraftäter in einer engen Gefängniszelle mit allen mittlerweile bekannten Schrecken. Und das der frühen 2000er Jahre, als die New Yorker High Society dem «talentierten Mr. Epstein» zu Füßen lag. Dem «fantastischen Kerl», wie US-Präsident Donald Trump, der sich selbst für einen solchen hält, einst gesagt haben soll.
In den Berichten der damaligen Zeit wird über einen mysteriös-erfolgreichen Mann geschrieben, der Milliardenvermögen für einen auserwählten Kreis verwaltet - und mit Charme und Intelligenz Abhängigkeiten zu seinen Gunsten schafft. Das «New York Magazine» veröffentlichte 2002 eine gut gemeinte Karikatur von Epstein und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton auf Reisen. Wer heute nach dem Sexualstraftäter sucht, findet zuerst ein Polizeifoto. Das ist kein Widerspruch.
Epstein, der Betrüger
Das von Epstein selbst aufgebaute Bild des ewig Unnahbaren mit teuflischen Fähigkeiten für zwischenmenschliche Manipulation wird mittlerweile von Weggefährten zur Verteidigung genutzt. «Er war ein Betrüger. Und obwohl ich betrogen wurde, habe ich nichts Unrechtes getan und nichts zu verbergen», sagte der US-Milliardär Leslie Wexner Medien zufolge zu Kongressmitgliedern.
Er selbst sei «naiv, töricht und leichtgläubig» gewesen, teilte er in einer Stellungnahme an einen Kongressausschuss mit. Der heute 88-Jährige hatte mit seinem Konzern L Brands zahlreiche US-amerikanische Marken groß gemacht, darunter Victoria's Secret, Bath & Body Works und Abercrombie & Fitch. Mit Epstein soll er jahrzehntelang verbunden gewesen sein.
Ähnliche Distanzierungen haben in den vergangenen Tagen und Wochen andere in den Akten erwähnte Persönlichkeiten abgegeben - unter anderem der frühere britische Minister Peter Mandelson und die Ex-Frau des in dem Skandal tief gefallenen Ex-Prinzen Andrew, Sarah Ferguson. Andrew war am Donnerstag für fast zwölf Stunden von der Polizei festgenommen worden, ein Tiefpunkt in der Geschichte der Königsfamilie. Bekannt waren diese Prominenten alle mit Epstein - wirklich gekannt haben will ihn heute niemand mehr. Von einem tieferen Wissen über die Verbrechen ganz zu schweigen.
Epstein, der Manipulator
Im November 2021 - knapp zweieinhalb Jahre nachdem Epstein tot in seiner Zelle aufgefunden worden war - veröffentlichte die «New York Times» einen Bericht über Dokumente des Federal Bureau of Prisons, wonach Epsteins Spiel mit seinen Mitmenschen bis zuletzt angehalten hatte. «Ich habe kein Interesse daran, mich selbst umzubringen», soll der Inhaftierte zu einem Gefängnispsychologen gesagt haben. Er sei schließlich «ein Feigling». Die Zeitung schrieb: «Doch zwei Wochen später tat er genau das.»
Das Ausmaß von Epsteins Verbrechen, das durch die Veröffentlichung der in weiten Teilen allerdings noch geschwärzten Ermittlungsakten weiter offengelegt wird, war da schon in strafrechtlich relevanten Grundzügen bekannt. Der Finanzier betrieb mit seiner Gefährtin Ghislaine Maxwell, die 2022 unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken verurteilt wurde, über Jahre einen professionellen Missbrauchsring mit einer bis heute unbekannten hohen Zahl an Opfern.
Mit seinem Tod in Untersuchungshaft entging Epstein weiteren Gerichtsverfahren. Die heute 64-jährige Maxwell, die im Missbrauchssystem jahrelang als eine Art Zuhälterin agierte, macht in Haft beharrlich von ihrem Recht Gebrauch zu schweigen.
Rechtskräftig verurteilt worden war Epstein nur nach einem umstrittenen Deal samt Geständnis bereits 2008. Damals gestand der Amerikaner die Inanspruchnahme von Prostitution sowie die Beschaffung einer Person unter 18 Jahren zur Prostitution. Er trat eine 18-monatige Haftstrafe an und verbüßte davon weniger als 13 Monate.
Epstein, der Täter
Insbesondere die E-Mail-Verläufe aus den Dokumenten - es sind Tausende, teils einzeln gespeicherte Seiten - zeigen, dass sich viele aus seinem Umfeld nicht an der Strafe störten. Epsteins Verbrechen wurden nicht unter dem Deckmantel seiner erfolgreichen Milliardendeals begangen - sie verhalfen ihm zu seinem Status. Frauen und Mädchen als Objekte für Geschäftstreffen zu vermitteln, schien in Epsteins Welt zum guten Ton zu gehören.
«Wer war Jeffrey Epstein?», fragte die britische Rundfunkanstalt BBC in diesem Februar, nachdem das US-Justizministerium weitere Teile der Akten veröffentlicht hatte. Der Mann, der heute einer der bekanntesten Sexualstraftäter ist, war einst ein Mathematik- und Physiklehrer in New York. Ab Ende der 1970er Jahre machte er Karriere in der Welt des großen Geldes. Kunden mit weniger als einer Milliarde US-Dollar soll sein Unternehmen abgelehnt haben.
Das ihm früher wohlwollend beschiedene Image als Lebemann mit wechselnden Partnerinnen erscheint mit dem Wissen von heute in einem anderen Licht. Im Internet hat sich mittlerweile die Frage, ob der oder die eigene Lieblingsprominente in den Epstein-Akten steht, verselbstständigt. Es gibt etliche Fotos von dem Unternehmer Arm in Arm mit bekannten Persönlichkeiten - unter anderem Trump, der die Vorwürfe, von den kriminellen Machenschaften gewusst zu haben, stets zurückgewiesen hat.