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«Beschissenes Unglück»: Kombinierer erleben Olympia-Drama

19.02.2026, 16:02

Voller Enttäuschung und mit leerem Blick nahm Vinzenz Geiger die Schuld für das Sturz-Drama auf sich. «Es tut mir wahnsinnig leid. So hart gekämpft, so hart gearbeitet die ganzen Monate und dann so ein blöder Fehler. Das ist sehr, sehr bitter», sagte der Nordische Kombinierer. Geiger und sein Kollege Johannes Rydzek lagen im Teamsprit voll im Medaillenrennen, dann stürzte Geiger im Schneetreiben gleich zweimal und es wurde Platz fünf.

Im Ziel pfefferte Geiger seinen Stock wütend weg, fiel erst in den tiefen Schnee und dann in die tröstenden Arme von Rydzek. Das Olympia-Debakel war perfekt. Trotz den nach dem Skispringen noch hervorragenden Medaillen-Aussichten steht nun fest: Erstmals seit 1998 verlässt das deutsche Kombi-Team Winterspiele ohne Edelmetall.

Bundestrainer Frenzel komplett niedergeschlagen

«Die zwei haben heute grandiose Sprünge gemacht, haben sich in eine Ausgangssituation gebracht, die eigentlich ideal war», sagte der sichtlich angefasste Bundestrainer Eric Frenzel. «Dann passiert halt einfach so ein beschissenes Unglück. Ich habe den Vinz noch nie irgendwo im Schnee liegen sehen. Dass es heute bei so einem Rennen passieren muss, ist doppelt ärgerlich.»

Bis zur achten Runde gehörte Deutschland, das mit 13 Sekunden Vorsprung als erstes Team gestartet war, zur Spitzengruppe. Dann stürzte Geiger bei schwierigen Bedingungen und heftigem Schneefall zweimal, kollidierte mit einem Konkurrenten und verlor wichtige Zeit.

Rydzek: «Man gewinnt und man verliert zusammen»

«Ich habe einfach nicht viel gesehen. Meine Brille war zu. Dann bin ich in ein Loch reingefahren. Dann hat es mich rumgedreht, dann bin ich aufgestanden und dann bin ich direkt wieder gelegen. Es ging sehr schnell. Ich bin bis jetzt in noch keinem einzigen Rennen gestürzt», berichtete Geiger.

Am Ende fehlten im Teamsprint 1:06,1 Minuten auf die siegreichen Norweger Andreas Skoglund und Jens Luraas Oftebro, der im dritten Rennen sein drittes Gold dieser Winterspiele gewann. Knapp 44 Sekunden lag Deutschland hinter den Österreichern Stefan Rettenegger und Johannes Lamparter, die hinter den Silbermedaillengewinnern Eero Hirvonen und Ilkka Herola aus Finnland ins Ziel kamen. «Man gewinnt und man verliert zusammen und heute müssen wir leider zusammen verlieren. Wir sind trotzdem ein Team», erklärte Rydzek.

Skispringen weckt Hoffnung auf deutsches Gold

Schon die Einzel-Wettbewerbe auf der Normalschanze und auf der Großschanze in Predazzo waren ganz schlecht gelaufen. Dort hatte das Frenzel-Team vor allem im Skispringen große Probleme gehabt.

Im Teamsprint lagen die beiden Oberstdorfer nach dem Springen dann jedoch überraschend auf Gold-Kurs. Im weißen Flockenwirbel sprang Rydzek am Vormittag 123 Meter weit, Geiger landete nach 122,5 Metern. Eigentlich war alles angerichtet für den Langlauf, doch es wurde nichts mit dem erhofften Podestplatz.

Langlauf-Bronze von Rydzeks Schwester machte Mut

Nach den zuvor schon verkorksten Rennen hatten sich Geiger und Rydzek viel vorgenommen. Man habe sich zusammengesetzt und gesagt: «Das ist nicht das, was in uns steckt. Das wollen wir heute zeigen. Einfach an uns glauben, an unser Können glauben», berichtete Rydzek.

Mut habe auch die überraschende Bronzemedaille seiner Schwester Coletta Rydzek mit Laura Gimmler tags zuvor im Langlauf gemacht. Nach der riesigen Enttäuschung war Coletta Rydzek im Athletenbereich als Trostspenderin gefragt.

Für ihren Bruder, der schon 2010 in Vancouver dabei war, waren es die letzten Winterspiele. Es bleibt bei vier Olympia-Medaillen - zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze. Geigers Sammlung besteht aus dreimal Edelmetall bei Olympia, darunter zweimal Gold.

Olympia-Zukunft der Kombination unklar

Ob noch Medaillen dazukommen können, liegt nicht nur in seiner Hand. Noch ist unklar, ob die Nordische Kombination auch in vier Jahren in Frankreich noch zum Olympia-Programm gehört. Auch ob Geiger überhaupt so lange weitermacht, ließ er in Tesero offen.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry machte sich im Val di Fiemme selbst ein Bild von der traditionsreichen Sportart. Unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund will sich für den Verbleib der Disziplin bei Winterspielen einsetzen.

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees darüber soll im Sommer fallen. Dann geht es auch darum, ob die Kombiniererinnen in Zukunft dabei sind. Ein Verbleib der Kombination im Programm ohne Frauen gilt als ausgeschlossen.

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