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Preuß beendet Karriere: «Nicht die leichteste Phase»
Das Ende ihrer herausragenden Biathlon-Karriere verkündete Franziska Preuß ohne große Show. «Nach der Saison wird Schluss sein bei mir», sagte Deutschlands Sportlerin des Jahres in einer virtuellen Interviewrunde fast schon beiläufig. Für die Olympischen Winterspiele, die in einer Woche in Italien beginnen, ist die 31-Jährige aus Ruhpolding noch voll motiviert, es soll aber auch der letzte Höhepunkt sein. «Es hat sich die letzten Wochen so entwickelt, dass ich damit jetzt fein bin», sagte Verfolgungsweltmeisterin Preuß.
Ob sie nach den Olympia-Rennen im Biathlon-Mekka Antholz noch die verbleibenden drei Weltcups in Kontiolahti, Otepää und Oslo bestreitet, ließ sie offen. «Ich weiß selbst noch nicht, wohin die Reise geht», sagte Preuß und erklärte: «Es gehören zu dem Ganzen einfach 110 Prozent Einsatz dazu.»
Sie werde auf ihr Gefühl hören, ob sie nach den Spielen direkt Schluss macht. Es sei möglich, dass ihr Auftritt in der Vorwoche im tschechischen Nove Mesto der letzte im Weltcup war. «Es kann aber auch sein, dass ich das ganze Trimester noch laufe», sagte Preuß, die in Südtirol ihre erste olympische Einzelmedaille gewinnen will. Dazu brauche man aber «einfach einen perfekten Tag», sagte sie.
Preuß zur deutschen Biathlon-Zukunft: «Keine Sorgen machen»
Die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison wird im deutschen Frauenteam nicht so schnell zu ersetzen sein. Die elfmalige WM-Medaillengewinnerin ist die erfahrenste Athletin im Team von Bundestrainer Kristian Mehringer. Schon 2013 feierte sie ihr Debüt im Weltcup, nachdem sie im Jahr zuvor vier Goldmedaillen bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck gewonnen hatte.
«Es geht immer weiter», sagte Preuß zu der Lücke, die sie hinterlassen wird: «Ich bin ja nicht die Erste, die aufhört. Es gibt junge Mädels, die haben wahnsinnig viel Potenzial. Da braucht man sich jetzt keine Sorgen machen.» Und trotzdem: Preuß' Rücktritt trifft das Team schwer, aktuell ist trotz vielversprechender Talente wie Selina Grotian (21) oder Julia Tannheimer (20) außer ihr niemand in der Lage, konstant an der Weltspitze mitzulaufen.
«Die Gelassenheit ist nicht da»
Nach ihrer herausragenden Vorsaison hatte Preuß in diesem Winter auch wieder gesundheitliche Probleme. Sie musste nach einer Corona- und Grippeinfektion Rennen auslassen. Bisher holte sie nur einen Podestplatz als Dritte im verkürzten Einzel von Nove Mesto. «Ich tue mich nicht mehr so leicht, in diesen Flow zu kommen. Es ist gerade definitiv nicht die leichteste Phase. Ich gebe nicht auf», sagte die fünfmalige Weltcupsiegerin.
Olympia ist dabei die große Motivation, Pläne für die Zeit nach dem Sport hat sie bislang noch keine. «Ich werde jeden Tag das Beste geben, was geht. Das steht außer Frage», sagte Preuß: «Aber es ist wahnsinnig schwer. Man braucht wahnsinnig viel Glück.» Selbst eine Topleistung ist keine Garantie mehr für einen Podestplatz.
«Die Gelassenheit ist nicht ganz so da, wie ich das gerne hätte», sagte Preuß. Dafür gebe es mehrere Gründe. Zum einen seien es körperliche Probleme, zum anderen hat sie wohl auch überrascht, dass sie zuletzt in Ruhpolding trotz eines «perfekten Rennens», wie sie es selbst nannte, nur Fünfte im Sprint wurde. «Ich habe mir nichts vorwerfen können», betonte sie: «Also es geht ganz schnell, dass man neben dem Treppchen steht.»
WM-Titel mit zehn Jahren Abstand
In diesem Winter ist die Spitze bei den Frauen enger zusammengerückt. Die beste Saison ihrer Karriere absolvierte die Bayerin erst im vergangenen Winter. Sie gewann nicht nur erstmals den Gesamtweltcup und erfüllte sich damit ihren größten sportlichen Traum, sondern krönte sich dank des Rennens ihres Lebens in Lenzerheide auch überlegen zur Weltmeisterin im Jagdrennen. Im Frühjahr 2025 gewann Preuß in der Schweiz insgesamt sogar vier Medaillen und war die überragende deutsche Frau. Schon zehn Jahre zuvor hatte sie im finnischen Kontiolahti mit der Staffel ihren ersten WM-Titel gefeiert und holte in jungen Jahren sensationell Silber im Massenstart.
Eine Karriere mit vielen Rückschlägen
Die Geschichte von Franziska Preuß ist allerdings auch eine von unzähligen gesundheitlichen Rückschlägen. Sie hatte immer wieder Saison-Höhepunkte zumindest teilweise verpasst, weil sie krank war und der Körper nicht richtig mitspielte. Auch Partner Simon Schempp, selbst Ex-Weltmeister, musste sie immer wieder emotional auffangen. Weder bei Olympia 2022 noch bei den anschließenden Weltmeisterschaften 2023 in Oberhof war sie topfit und dachte schon früher ans Aufhören.
In Antholz wird Preuß nun zum vierten und letzten Mal bei Olympia an den Start gehen. Vor allem ihre Winterspiel-Premiere im russischen Sotschi war 2014 ein Desaster. «Das war die härteste Zeit als Sportlerin», sagte Preuß, die mit 19 Jahren als deutsche Startläuferin stürzte und Tränen am Schießstand vergoss. «Aber ja, man hat auch da wahnsinnig viel gelernt, man hat sich weiterentwickelt», sagte Preuß, die nun gerne einen goldenen Abschluss vor täglich knapp 20.000 Fans schaffen würde: «Ich will das aufsaugen und hoffe, dass wir dann wieder in diesen positiven Flow kommen.»