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«Noch ein Mensch»: Designierter Tournee-Champ Prevc besiegt

04.01.2026, 16:01

Der erstmals geschlagene Domen Prevc klatschte der japanischen Skisprung-Sensation Ren Nikaido anerkennend Beifall, Bundestrainer Stefan Horngacher ärgerte sich über die Jury. Mit seinem Sieg beim spektakulären Bergiselspringen in Innsbruck verdarb Nikaido dem in der Gesamtwertung weiter souverän führenden Prevc die Chancen auf den Vierfach-Sieg bei der Vierschanzentournee. Den deutschen Springern blieben erneut nur Nebenrollen.

Mit einem Satz auf 130,5 Meter im zweiten Durchgang hatte Felix Hoffmann kurz Hoffnungen auf einen Platz auf dem Podium geweckt. Und das, obwohl er beim Abstoßen oben auf der Schanze kurz am Startbalken hängengeblieben war.

Horngacher: Podest wäre vielleicht drin gewesen

«Aber er ist cool geblieben, hat das durchgezogen», lobte Horngacher im ZDF. «Leider hat die Jury dann nochmal eingegriffen mit der Anlaufverkürzung. Das war jetzt nicht unbedingt notwendig aus meiner Sicht.» Der 56-Jährige ergänzte: «Das Podest wäre vielleicht drin gewesen.»

So durfte sich neben Nikaido sowie dem zweitplatzierten Prevc der Österreicher Stephan Embacher über Rang drei und die Teilnahme an der Siegerehrung freuen.

Die Laune verderben ließ sich Hoffmann trotzdem nicht. Der 28-Jährige genoss wie sein zwölftplatzierter Teamkollege Philipp Raimund, der sich nach dem Wettkampf als Animateur am Rande des Auslaufs probierte, die prächtige Atmosphäre. Im Tournee-Ranking ist Hoffmann Fünfter und damit bester Deutscher. Sein Rückstand auf den drittplatzierten Embacher beträgt 13,7 Punkte. Das sind umgerechnet gut siebeneinhalb Meter.

Prevc gewann beide Stationen in Deutschland

Bei eisiger Kälte und strahlendem Sonnenschein waren 21.125 Zuschauer auf den Bergisel gepilgert. Im ausverkauften Stadionkessel hoch über der Innsbrucker Innenstadt und gegenüber der mächtigen Nordkette feierten sie ein großes Skisprung-Fest.

Vor dem großen Finale in Bischofshofen führt Prevc mit 41,4 Punkten vor seinem ersten Verfolger Jan Hörl. Mehr als 40 Punkte Vorsprung zu diesem Zeitpunkt hatte zuletzt der Japaner Ryoyu Kobayashi 2019. Er gewann dann auch den goldenen Adler. «Domen macht es tatsächlich saumäßig gut, aber es ist gut zu sehen, dass er immer noch ein Mensch ist», sagte Raimund.

Prevc sprang 129,5 und 128 Meter weit. Sieger Nikaido landete nach 131 und 128 Metern. Auch wenn Prevc nun nicht mehr als vierter Sportler nach Sven Hannawald, Kamil Stoch und Kobayashi alle vier Springen bei einer Tournee gewinnen kann: Er prägt die 74. Ausgabe seit dem ersten Tag.

Schwäche wiederholt sich nicht

In Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann der «verrückte Vogel», wie ihn Ex-Springer und Eurosport-Experte Markus Eisenbichler nannte, mit großem Vorsprung.

In der Qualifikation am Bergisel zeigte der 26-Jährige erstmals eine Schwäche. Bei komplizierten Bedingungen mit Rückenwind sprang der Mann, der mit einem Flug auf 254,5 Meter den Weiten-Weltrekord hält, nur 112 Meter weit. Damit belegte Prevc den 30. Platz. Als es im Wettkampf darauf ankam, lieferte Prevc dann aber wieder wie gewohnt.

Wellinger und Geiger weiter in der Krise

Während Hoffmann und Raimund auf einem sehr guten Weg sind, ihr bestes Tournee-Ergebnis zu erzielen, kämpfen die deutschen Erfolgsgaranten früherer Tage weiter mit ihrer Form. Von der Weltspitze sind Andreas Wellinger und Karl Geiger derzeit extrem weit entfernt. Beide schieden bereits im ersten Durchgang aus. Geiger wurde 31., Wellinger belegte den 37. Platz. Pius Paschke sprang auf den 28. Rang.

Wie schlecht es gerade läuft, verdeutlichte Geiger mit seiner Reaktion. Mit seinem Sprung auf 121 Meter war der Oberstdorfer gar nicht mal unzufrieden. «Ich hoffe, dass die Richtung die richtige ist und dann wird es auch irgendwann wieder besser werden», sagte der 32-Jährige im ZDF.

Für die Springer geht es schon an diesem Montag weiter. Um 16.30 Uhr (ARD und Eurosport) steht in Bischofshofen die Qualifikation an. Einen deutschen Einzelsieg zum Tournee-Abschluss gab es seit Sven Hannawald im Jahr 2002 nicht mehr.

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