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Traumberuf? Der Trend geht zur Tierärztinnenserie
Uschi Glas hat einen Vogel – also in der Serie «Die Maiwald». Die neue ZDF-Reihe gehört zu einem Boom, der diesen Monat im Fernsehen auffällt. Der Trend bei den Öffentlich-Rechtlichen geht zur Tierärztinnenserie. Doch der Reihe nach.
Serien mit Tieren gehören zu den Klassikern der Fernsehgeschichte – man denke an «Fury», «Flipper», «Lassie» oder auch «Mr. Ed», die seit den 50er und 60er Jahren ganze Generationen prägten. Arzt- und Krankenhausserien sind ebenfalls TV-Standard und weltweit populär, die Beispiele sind unzählig. Beides zu kombinieren scheint besonders erfolgversprechend. Womit man beim Format der Tierarztserie ankäme – im weitesten Sinne.
Doch so wie es früher in Krimis vor allem Kommissare gab – also meist nur männliche Ermittler im TV –, so waren auch Arztserien und Tierarztserien mit männlichen Hauptfiguren ausgestattet. Man denke an «Daktari», «Unser Charly», «Der Doktor und das liebe Vieh» oder «Tiere bis unters Dach».
Doch so wie es seit Jahren zum Glück mehr Frauenrollen im Fernsehen gibt, so gibt es jetzt auch einen verstärkten Trend zu Veterinärinnen statt Veterinären. Vorreiterin war «Tierärztin Dr. Mertens», gespielt von Elisabeth Lanz. Die ARD-Serie spielt rund um den Leipziger Zoo und ist seit fast 20 Jahren auf Sendung.
Die Öffentlich-Rechtlichen haben jetzt außerdem zwei neue Formate im Programm. Seit 2025 gibt es die ARD-Reihe «Zwei Frauen für alle Felle». Und ganz neu nimmt das ZDF jetzt eine Serie namens «Die Maiwald» ins Programm, in deren zweiter Episode etwa (Titel: «Beziehungsweise») Uschi Glas mitspielt.
«Die Maiwald»
Das ZDF beschreibt seine Reihe «Die Maiwald» wie folgt: «Johanna Maiwald ist Tierärztin, ihre Praxis im idyllischen Maria Alm im Salzburgerland weit und breit die einzige. Die energiegeladene Frau kümmert sich engagiert um alle Tiere, die ihr Umfeld und das Landleben zu bieten haben – von der magenkranken Kuh, einer vergifteten Katze, einem depressiven Hund bis hin zu einem verletzten Kalb.»
Die ersten beiden Filme der neuen Reihe stehen seit dem 5. März im ZDF-Streamingportal und kommen ein paar Wochen später an Donnerstagen im linearen Fernsehen (26. März und 2. April).
Die Titelfigur, die gern Single ist und ab und zu ein «Pantscherl» hat (so kann man in Österreich eine Liebschaft nennen), wird von Doris Schretzmayer gespielt. Die Schauspielerin wuchs selbst auf einem Bauernhof auf («Eine gewisse Unerschrockenheit vor Tieren wurde mir buchstäblich in die Wiege gelegt»).
Bei ihrer Recherche habe sie zwei Ärztinnen in der Nähe des Drehorts aufgesucht, sagte die Österreicherin in einem ZDF-Interview: «Die beiden Frauen führen gemeinsam eine Praxis, wobei die eine für die Kleintiere in der Praxis zuständig ist und die andere zu den Bauern auf den umliegenden Höfen fährt und Kühe, Pferde, Schweine versorgt. Mit der Rolle Johanna habe ich im Prinzip beide Frauentypen in einer vereint.»
In die Serienpraxis kommen nicht nur Hunde, Katzen, Hasen, Schildkröten oder Hamster vor, sondern natürlich auch deren Menschen. Schretzmayer: «Es geht nicht nur um das Tier, sondern auch immer um die Besitzerinnen und Besitzer der Tiere, die ja oft Co-krank sind, wenn dem liebsten Vierbeiner etwas fehlt.»
«Zwei Frauen für alle Felle»
Die ARD beschreibt ihre Reihe «Zwei Frauen für alle Felle» wie folgt: «Zwei leidenschaftliche Tierärztinnen, ein idyllisches Naumburger Praxisleben und packende tierärztliche Fälle.»
Die Spielfilmreihe «Zwei Frauen für alle Felle» ist im Herbst 2025 mit zwei Filmen im Ersten gestartet und wird nun mit zwei weiteren Filmen fortgesetzt (lineare Ausstrahlung am 6. und am 13. März; in der ARD-Mediathek seit 5. März).
Die Hauptfigur Maja Freydank wird von Bettina Zimmermann gespielt, sie wird von der ambitionierten Kollegin Julia Kramer (Meriel Hinsching) unterstützt.
In der dritten Episode («Pferdeliebe») gibt es beispielsweise einen besonderen Fokus auf Pferde, Turnierreiten und Kindheitsträume. Außerdem geht es in der Reihe auch um Herausforderungen von Trennung und Patchworkfamilien. Schauspielerin Zimmermann hat nach eigenem Bekunden eine enge Beziehung zu Tieren, weil sie mit der NABU-Station ihrer Mutter aufgewachsen ist.
Realitätscheck
Die Heimatfilmidylle der neuen Tierärztinnenserien hat wohl nur bedingt mit der Realität im echten Praxisalltag zu tun.
Die Tendenz zu Frauen in den Hauptrollen ist durchaus realistisch. Die Tiermedizin ist in Deutschland mit einem überwältigenden Studentinnenanteil und etwa 66 Prozent Anteil an praktizierenden Tierärzten fest in weiblicher Hand.
Traumberuf?
In wohl keinem anderen Beruf müssen Menschen allerdings so rasch und oft über Leben und Tod entscheiden wie als Tierarzt. Außerdem ist es eine enorme psychische Herausforderung, mit den schnell mal heftigen Emotionen der Tierhalter oder deren Unverständnis für Kosten klarzukommen.
Nur knapp die Hälfte der Veterinäre empfindet ihren Beruf im Allgemeinen als wertgeschätzt. Das fand eine 2024 veröffentlichte Studie von Boehringer Ingelheim in sechs Ländern, darunter Deutschland, heraus.
In einer anderen Studie von der FU Berlin und der Universität Leipzig wurde einst die Häufigkeit von Depressionen bei Tiermedizinerinnen und -medizinern untersucht. Die Ergebnisse zeigten: Von den mehr als 3.000 Teilnehmenden hatte rund ein Fünftel aktuell Suizidgedanken und mehr als ein Viertel klinisch auffällige Werte in Sachen Depressivität. Diese Werte sind vier- bis sechsmal höher als in der deutschen Gesamtbevölkerung.