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«Big Nick» war einmal: Woltemade sucht die Wende in Turin
Jetzt also Juventus Turin. Mit ernster Miene präsentiert Nick Woltemade das Trikot seines neuen Clubs. Die Farben und das Muster sind die gleichen wie bei Newcastle United: Schwarz-weiß-gestreift, so wie zuletzt vieles war beim deutschen Fußball-Nationalspieler.
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wechselte Woltemade unter großem Getöse vom VfB Stuttgart auf die Insel. Die Ablöse: angeblich bis zu 90 Millionen Euro. In England als «Big Nick» gefeiert, knallte er die Elfer anfangs in den Winkel. Woltemade, der Kult-Stürmer! Bei der WM schob er seinen Versuch dem Torhüter an den Arm. Versager, ätzten Menschen in sozialen Medien. Bankdrücker. Folgt nun der Neuanfang in Italien?
Für Woltemade beginnt das «nächste Kapitel»
Zumindest beginnt das «nächste Kapitel», wie Woltemade in den sozialen Medien unter sein Bild mit dem Juve-Trikot in den Händen schrieb. Er könne es kaum erwarten, loszulegen, sagte der 24-Jährige auf einem Vorstellungsvideo auf der Website des Traditionsvereins, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Er sei glücklich, in Turin zu sein, und wolle dem Team zum Sieg verhelfen, mit Toren, Vorlagen und letzten Pässen für seine Mitspieler.
Dieses nächste Kapitel findet eine Ebene unter dem vorherigen in Newcastle statt. Dort hatte er sich im Sommer 2025 noch darauf gefreut, in der Champions League und in der Premier League, «der besten Liga der Welt» zu spielen. Nicht nur gefühlt ist jetzt alles anders. Juve ist selbst in Italien, wo zuletzt Inter und Neapel dominierten, nicht mehr erste Wahl.
Der Club spielt auch nicht in der Champions League, und der englischen Premier League hinkt die italienische Serie A sportlich wie finanziell weit hinterher. Aber das dürfte Woltemade erst einmal egal sein. Er hofft vor allem auf mehr Tore, mehr Spiele und neues Selbstvertrauen. Damit die Elfer wieder in den Winkel fliegen und der neue Bundestrainer Jürgen Klopp ihn zurück in die Startelf holt.
Hamann: «Der Wechsel gefällt mir nicht wirklich»
Bis zum kommenden Sommer ist der 24 Jahre alte Woltemade für die kolportierte Gebühr von vier bis fünf Millionen Euro nach Turin verliehen, was in seinem Heimatland auch auf Kritik stößt. «Ich wäre in Newcastle geblieben. Ich hätte es lieber gesehen, wenn er zum BVB gewechselt wäre. Der Wechsel gefällt mir nicht wirklich», mäkelte Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann in seiner Rolle als Sky-Experte. Letztlich blieb es bei Spekulationen über ein Interesse der Dortmunder.
In Newcastle, das sich für keinen internationalen Wettbewerb qualifizierte, hätte Woltemade wohl auch unter dem neuen deutschen Trainer Matthias Jaissle einen schweren Stand gehabt. An den ersten beiden Liga-Spieltagen stand er nur 19 Minuten auf dem Platz. Die Gesamtbilanz mit 53 Pflichtspielen, davon die meisten in Teilzeit, und elf Toren ist für seine Ansprüche mau. Bis 2031 läuft der Vertrag des 1,98 Meter großen Stürmers bei den Magpies noch.
Rummenigge könnte sich bestätigt fühlen
Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge fühlt sich nachträglich vielleicht bestätigt: «Ich kann denen in Stuttgart nur gratulieren, dass sie einen - ich sage jetzt mal in Anführungszeichen - Idioten gefunden haben, der so viel Geld bezahlt hat - weil das hätten wir in München gesichert nicht gemacht», sagte der frühere Bayern-Boss im vergangenen Sommer.
In dem damaligen Transferpoker galten die Münchner lange als Favorit, auch bei Woltemade selbst. Der VfB blockte, forderte eine höhere Ablöse, erklärte den Stürmer für unverkäuflich, ehe Newcastle einige Scheine mehr als die Bayern auf den Tisch warf. Nun soll Juve-Trainer Luciano Spalletti dafür sorgen, dass Woltemade im kommenden Sommer in alter Topform nach Newcastle zurückkehrt, vielleicht ja als «Grande Nick».