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«Die Laura fehlt uns allen» - Stilles Gedenken zum Todestag

27.07.2026, 04:07

Blumen, Kerzen und immer wieder Menschen, die einen Moment stehenbleiben: Im Laura-Dahlmeier-Park in Garmisch-Partenkirchen ist die Erinnerung an die Biathlon-Olympiasiegerin lebendig. 

Ein Jahr nach ihrem tödlichen Bergunfall am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ist der öffentliche Trubel verklungen. Geblieben ist eine stille Form des Gedenkens – und die Erinnerung an eine Frau, die für viele mehr war als eine erfolgreiche Profisportlerin.

Für die Angehörigen von Laura Dahlmeier ist der Jahrestag vor allem eine private Angelegenheit. «Die Familie hält sich still. Wir sind froh, dass der Hype nach unten gegangen ist, dass ein bisschen Ruhe eingekehrt ist», sagt Vater Andreas Dahlmeier der dpa. «Wir sind müde.» Den Todestag werde die Familie im kleinen Kreis begehen. «Es ist Familiensache», sagt er. Eine öffentliche Gedenkveranstaltung ist nicht geplant.

Ein Ort zum Erinnern und Innehalten

Ein Foto und eine an einem Felsen angebrachte Tafel erinnern im Laura-Dahlmeier-Park an die begeisterte Bergsteigerin. Den Felsen hat ihre Mutter Susi Dahlmeier ausgesucht. Er stammt aus dem Ferchenbach unweit der Partnachklamm, in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. 

Kerzen und immer wieder frische Blumen zeugen dort von der ungebrochenen Anteilnahme. Wegen der vielen Kerzen kam es während der Hitzewelle dort sogar zu einem kleinen Brand, der jedoch ohne Schäden blieb. «Es ist eine richtige Pilgerstätte geworden», sagt Andreas Dahlmeier. Es sei ein Ort, um innezuhalten.

Der Park direkt neben dem Skiclub Partenkirchen - Dahlmeiers sportliche Heimat - war im Februar offiziell nach der Ausnahmesportlerin benannt worden. Hunderte Kerzen bildeten damals eine symbolische Loipe im Schnee: Eine Erinnerung an die sportlichen Erfolge der zweifachen Biathlon-Olympiasiegerin und siebenmaligen Weltmeisterin. 

Einmalig war die WM 2017 im österreichischen Hochfilzen. Dort sollte Dahlmeier nach dem Rat ihrer Betreuer aus gesundheitlichen Gründen zum Schluss nicht mehr starten. Sie trat trotzdem an - und holte ihr fünftes Gold dieser WM. Gerade diese Erfahrung hat sie stark geprägt - sie stärkte ihr Vertrauen in ihren Körper und ihre Selbsteinschätzung. 

Bergsteigen war ihre Leidenschaft

2019 beendete sie ihre aktive Laufbahn, blieb der Biathlon-Welt aber als ZDF-Expertin im Fernsehen treu. Zugleich wandte sie sich noch mehr dem Bergsteigen zu. 

Am 28. Juli vergangenen Jahres war die 31-Jährige mit ihrer Seilpartnerin am knapp 6.100 Meter hohen Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge unterwegs, als sie beim Abseilen auf einer Höhe von 5.700 Metern von Steinschlag getroffen wurde. Wahrscheinlich war Dahlmeier, die ausgebildete Bergführerin und Mitglied der Bergwacht war, sofort tot. Die beiden Frauen waren wegen schwieriger Verhältnisse noch vor dem Gipfel umgekehrt. 

Rettungs- und später Bergungsversuche, an denen unter anderem der mit Dahlmeier befreundete Extremkletterer Thomas Huber beteiligt war, scheiterten.

Auch in Pakistan erinnern sich noch manche an Dahlmeier. In dem Land sterben jedes Jahr Touristen in den Bergen - erst Anfang Juli starb ein Tscheche im Karakorum. Der Gepäckträger Baqir Ali war an einer Bergungsaktion nach Dahlmeiers Absturz beteiligt. «Es war eine der Rettungsaktionen in meinem Leben, die erfolglos geblieben ist. Selbst jetzt denke ich manchmal an sie und es läuft mir ein Schauer über den Rücken», sagt er der dpa.

Versöhnt mit ihrer letzten Ruhestätte

Dahlmeiers Eltern haben Frieden damit geschlossen, dass der Leichnam ihrer Tochter in den Bergen in Pakistan fernab der Heimat bleibt. «Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie», sagte Susi Dahlmeier Ende Februar bei der Feier zur Benennung des Laura-Dahlmeier-Parks.

Ein Echo, das nachhallt

«Es fühlt sich manchmal an, als wäre es erst gestern gewesen, und sie ist immer noch in unserem Leben, so präsent», sagte Thomas Huber der dpa. «Es ist wie so ein Echo, das nachhallt, ihre Stimme und das, was sie gesagt hat. Das sollte allen eigentlich Mut geben, das Leben zu leben.» Sie habe die Natur mit großer Demut erlebt und stets gewusst, dass zum Alpinismus auch Risiken gehören. 

Die Berge, so sagen Weggefährten, waren für Dahlmeier nie Kulisse, sondern Leidenschaft und Lebenselixier. Sie wünschen sich, dass sie nicht allein mit ihrem tragischen Tod in Erinnerung bleibt, sondern vielmehr mit ihrer Lebensfreude, ihrer Entschlossenheit und ihrer Begeisterung für die Berge. 

Die Familie drückte es in einer Stellungnahme vor einem Jahr so aus: «Laura hat mit ihrer herzlichen und geradlinigen Art unser Leben und das Leben vieler bereichert. Sie hat uns vorgelebt, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und Ziele einzustehen und sich dabei immer treu zu bleiben.»

Rettungsversuch im Karakorum

Huber ist gerade wieder aufgebrochen und - wie vor einem Jahr - erneut im pakistanischen Choktoi-Gebiet unterwegs, Luftlinie vielleicht hundert Kilometer vom Laila Peak entfernt. Auch damals war er dort unterwegs und eilte zum Unglücksort. Doch es gab keine Hilfe mehr. 

«Die Laura fehlt uns allen», sagt Huber. «An dem Tag, als Laura diesen Unfall hatte, werden wir mit Sicherheit nicht versuchen, auf den Berg zu gehen, sondern innehalten und ihrer gedenken.» Und daran erinnern, was Dahlmeier vermittelt habe: «Hey, das Leben ist so fragil.» Das Leben sei ein Geschenk - und das solle man «wirklich feiern, zelebrieren». Dazu gehörten für ihn wie auch für Laura Dahlmeier die Berge.

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