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Alles nur geklaut? - Komödie mit Paul Rudd und Nick Jonas
Mit Musikfilmen wie «Once» oder «Sing Street» hat sich der ehemalige Bassist der irischen Band The Frames, John Carney, als Regisseur und Drehbuchautor etabliert. In seinen Filmen, die häufig in Dublin spielen, geht es in erster Linie um zwischenmenschliche Beziehungen und die verbindende Kraft von Musik. So auch in seiner neuen Komödie «Power Ballad», in der Marvel-Star Paul Rudd («Ant-Man») und Nick Jonas von den Jonas Brothers («Sucker») die Hauptrollen spielen.
Hochzeitssänger trifft Ex-Boygroup-Star
Rudd spielt den abgehalfterten US-Sänger Rick Power. Den Traum von einer großen Karriere mit seiner Band hat er für seine Familie aufgegeben. Seit Jahren lebt er mit seiner Frau, die er einst auf Tournee kennenlernte, und der gemeinsamen Tochter in Dublin. Sein Geld verdient er als Sänger und Gitarrist einer Hochzeitsband. Statt bekannter Hits würde er lieber eigene Songs spielen.
Bei einem Auftritt lernt er den ehemaligen Boygroup-Star Danny Wilson (Jonas) kennen, der versucht, sein altes Image loszuwerden und sich als Solostar zu etablieren. Nach einer gemeinsamen Jam-Session lädt Danny Rick in sein Hotelzimmer ein, um ihm ein paar Songs von seinem kommenden Album vorzustellen und sich Anregungen zu holen. Nach vielen Drinks spielt Rick noch eine Eigenkomposition vor, die Danny begeistert. Dann gehen die beiden getrennte Wege.
Einige Monate hört Rick sein Lied im Radio - gesungen von Danny. Dass «How to Write a Song (Without You)» von ihm stammt, kann er nicht beweisen. Nicht mal seine Familie will ihm anfangs glauben, zumal er keine Aufnahme davon finden kann. Seine Anrufe bei Dannys Management bleiben zunächst unbeantwortet. Als ihm rechtliche Schritte angedroht werden, macht sich Rick mit seinem besten Kumpel auf den Weg nach Los Angeles, um Danny persönlich zur Rede zu stellen.
Robbie Williams als Inspiration
Auf jeden erfolgreichen Musiker kommen unzählige, denen der große Durchbruch verwehrt geblieben ist. Und selbst unter denjenigen, die es ganz nach oben geschafft haben, finden sich viele, denen vorgeworfen wird, bei ihren größten Hits abgekupfert zu haben. Coldplays «Viva la Vida», Ed Sheerans «Thinking Out Loud» und sogar Led Zeppelins «Stairway to Heaven» sind prominente Beispiele.
Solche Vorwürfe münden nicht selten in millionenschweren Gerichtsprozessen. Manchmal lässt sich allerdings nicht genau feststellen, wer nun wie viel dazu beigetragen hat. Klar ist aber: Ein einziger Song kann ein Leben oder zumindest eine Karriere verändern.
Für Robbie Williams war es die Single «Angels». Das Lied lieferte die Inspiration für «Power Ballad». Als Songwriter sind Williams und Guy Chambers registriert. Doch die Idee stammt vom irischen Musiker Ray Heffernan. Laut Williams hat Heffernan seine Rechte verkauft. Fast 30 Jahre später wird noch immer darüber diskutiert, wer welchen Anteil an dem Lied hatte.
Bei «Power Ballad» ist die Frage nach Urheberrechten sekundär. Stattdessen geht es um künstlerische Anerkennung, verpasste Chancen und die persönliche Bedeutung, die ein Song für seinen Schöpfer haben kann. Der Film fragt, was musikalische Authentizität ausmacht, wie sie vom Publikum wahrgenommen wird und wie weit Künstler für Erfolg und Anerkennung zu gehen bereit sind.
Überzeugende Performance von Paul Rudd
Multitalent Paul Rudd zeigt in «Power Ballad» erneut, dass er sehr viel mehr zu bieten hat als sein komödiantisches Talent. Natürlich liefert er zahlreiche amüsante Momente. Gleichzeitig überzeugt er als tragische Figur. Man leidet wirklich mit ihm, wenn er verzweifelt versucht, sein Umfeld von seiner Urheberschaft an dem Song zu überzeugen und dabei langsam die Kontrolle über sein Leben verliert.
Zwar ist Danny Wilson der Antagonist dieser Geschichte. Aber Nick Jonas spielt ihn als einen von Selbstzweifeln geplagten Mann, der mit seinem Gewissen hadert. In gewisser Weise ist er selbst ein Opfer der Mechanismen einer Musikindustrie, in der Schubladendenken und Ausbeutung oft wichtiger sind als Authentizität und künstlerische Integrität.
Gute Musik, interessante Charaktere
«Power Ballad» ist mit guter Musik und zahlreichen Insider-Gags gespickt. So ist zum Beispiel Danny Wilson der Name einer schottischen Band um den Songwriter Gary Clark. Der komponierte wie schon bei «Sing Street» die Originalsongs für den Film. Der 80er-Jahre-Hit «Mary's Prayer» von der Band Danny Wilson ist in einer Szene im Pub zu hören.
Die Story ist ergreifend und kurzweilig erzählt. Das liegt auch an den Figuren, die erfrischend vielschichtig sind. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern viele Graustufen. Carney kostet die musikalischen Momente, darunter die gemeinsame Songwriting-Session voll aus, ohne dass es irgendwelche Längen gibt.
Ein Manko ist allerdings, dass das Finale etwas knapp geraten ist und deshalb nicht ausgereift wirkt. In Zeiten, in denen Filme immer länger zu werden scheinen, ist «Power Ballad» mit knapp 100 Minuten zu kurz geraten. Unterhaltsam ist die originelle Komödie allemal. Und sie vermittelt eine schöne Botschaft: Womöglich liegt das Glück gar nicht in dem Erfolg, den wir anstreben, sondern in dem, was wir bereits haben.