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Scherhants «Riesenspiel» und das Warten auf ein Stürmer-Tor

05.10.2026, 11:10

Derry Scherhant sprach am Kellerausgang des Toumba Stadions voller Glück über seine unverhoffte Länderspielkarriere, da bog Rudi Völler in seinem Rücken links Richtung Mannschaftsbus ab. Ein Lächeln auf dem Gesicht des DFB-Sportdirektors war zu erahnen. Schließlich hatte der einstige Weltklasse-Stürmer dem jungen Angreifer einen wichtigen Tipp gegeben.

«Gas geben, sich nicht verstecken», habe Völler ihm geraten, erzählte Scherhant - und hielt sich genau daran. Der Berliner, der erst am anderen Ende der Republik beim SC Freiburg sein Fußball-Glück fand, ist nach zwei Spielen im Kloppschen Heavy-Metal-Rhythmus ein absoluter Gewinner des Neustarts der Fußball-Nationalmannschaft. Er ist ein Mutmacher in der Abteilung Attacke, die noch auf Zählbares wartet. 

Nach dem 0:0 in Griechenland war es auch Scherhants Tempo-Auftritt zu verdanken, dass eine kritische Analyse des Stürmerspiels nicht in Scherhant-Geschwindigkeit an Fahrt gewann. Denn der Output der Offensivabteilung ist unter Klopp noch unzureichend. Vier Spiele, zehn verschiedene Kandidaten in der vordersten Dreierreihe - null Tore. Die drei Treffer steuerten Felix Nmecha, Tom Bischof und Florian Wirtz aus dem Mittelfeld bei. 

Klopp wollte bei diesem Lamento nicht mitmachen. «In der Laune bin ich nicht», sagte der Bundestrainer. «Alle Stürmer haben das auf ihre Art sehr ordentlich gemacht», referierte er explizit über die in den ersten vier Spielen eingesetzten vier zentralen Angreifer. 

Stammkraft Kai Havertz lief außer Konkurrenz. Er verletzte sich früh gegen Holland. Debütant Younes Ebnoutalib überraschte den Bundestrainer «mit vielen Dingen» positiv. Nick Woltemade «passt super dazu, wie wir spielen wollen». Und Jonathan Burkardt traf gegen Griechenland nach sehenswerter Scherhant-Vorlage, bevor der VAR wegen eines Handspiels in der Entstehung des Tores einschritt. 

Die schlechte Stürmerquote ist kein genuines Klopp-Ding. Sie war auch in der jüngeren Vergangenheit problematisch. Die WM-Qualifikation sicherte Woltemade mit vier Toren weitgehend als Alleinunterhalter. In diesem Jahr ist er noch ohne DFB-Tor. 

Was macht Klopp mit Undav?

Bei der WM war Deniz Undav als Top-Joker und drei Toren der Lichtblick. Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann arbeitete sich dennoch öffentlich an dem Stuttgarter ab. Der neue Bundestrainer verzichtet ganz auf den 30-Jährigen. Undav passt nicht in sein 4-3-3-System, das für Flitzer-Typen wie Karim Adeyemi oder Scherhant perfekt ist. 

«Wir werden mit den Jungs weiterarbeiten, in dem Sinne, sie zu unterstützen», sagte Klopp. Das gilt auch für Scherhant und die weiteren fünf Außenstürmer. Neben Adeyemi im ersten Nations-Leauge-Turn war es Scherhant, der die Klopp-Ideen des Überfallspiels am eindrucksvollsten umsetzte. 

Rekordnationalspieler ist beeindruckt

Serge Gnabry, Lennart Karl, Kevin Schade und Said El Mala fielen dagegen aus unterschiedlichen Gründen (noch) ab. Geht es nach Lothar Matthäus, dann ist Scherhant bei der DFB-Elf weiter dabei. «Er ist ganz sicher für mich ein Kandidat auch für den kleineren Kader im November», sagte der schwer beeindruckte Rekordnationalspieler als RTL-Experte in Thessaloniki. Scherhant habe ein «Riesenspiel» gemacht. 

Scherhant musste sich sammeln, um das alles zu begreifen. Sein Weg in den Profifußball war nicht einfach. «Für meinen Teil bin ich dankbar, dass ich dabei sein durfte. Es ist mehr als ein Traum für mich, wenn ich realisiere, wo ich herkomme», sagte der 23-Jährige.

Er legte in der Hauptstadt keine Bilderbuchkarriere hin, war in der Jugend bei Viktoria Berlin und Tennis Borussia Berlin oft nur Ersatzspieler. Der Wechsel zu Hertha BSC klappte nur, weil wegen der Corona-Pandemie das Transferfenster verlängert wurde. Jetzt ist er Nationalspieler. «Die Trikots werden eingerahmt», kündigte Scherhant an.

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