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Emil und die vielen Filme

27.09.2026, 08:09

Erich Kästner («Das fliegende Klassenzimmer», «Das doppelte Lottchen») schrieb für junge Leserinnen und Leser auf Augenhöhe. Der Durchbruch gelang Kästner (1899 in Dresden geboren, 1974 in München gestorben) im Jahr 1929 mit dem Kinderkrimi «Emil und die Detektive». Von dem sozialrealistischen Abenteuerroman gibt es einige Filmversionen. 

Beim Vergleich allein der vier deutschen Filme (1931, 1954, 2001, 2026) gewinnt man einige Erkenntnisse über den jeweiligen Zustand von Berlin und den Zeitgeist. Die neueste Emil-Verfilmung von David Dietl läuft jetzt neu im Kino. 

Die wichtigsten «Emil»-Verfilmungen im Überblick mit ihren Besonderheiten - und wo man sie gucken kann. Und vorab ein Blick in den Roman:

Der Roman «Emil und die Detektive» (1929)

Der zwölfjährige Emil Tischbein fährt allein mit dem Zug aus der Kleinstadt Neustadt nach Berlin. Seine Mutter hat ihm 140 Mark mitgegeben, die die Oma als Unterstützung bekommen soll. Das Geld wird ihm im Schlaf im Eisenbahnabteil von einem Mann, der sich Grundeis nennt, gestohlen. Da Emil zu Hause etwas ausgefressen hat, traut er sich nicht, zur Polizei zu gehen. 

Emil verfolgt den Dieb vom Bahnhof Zoo aus auf eigene Faust. Er wird von einem aufgeweckten Berliner Jungen angesprochen: Gustav mit der Hupe. Der gleichaltrige Gustav trommelt Freunde zusammen, sammelt Geld und organisiert einen Nachrichtendienst mit dem kleinen Dienstag, einem Kind mit Eltern, die Festnetz im Haus haben, als Telefonzentrale.

Als Codewort und Erkennungszeichen wählen die Kinder «Parole Emil!». Den Kindern gelingt es, den Dieb quer durch Berlin zu beschatten - etwa an einem Restaurant und an seinem Hotel - und Indizien zu sammeln. Da Emil nicht zur wartenden Oma kommen kann, schickt er einen Boten zu den Verwandten und so gesellt sich auch seine Cousine Pony Hütchen zu den Kinderdetektiven.

Als der von der Verfolgung nervös gewordene Dieb (der allerhand falsche Namen hat) die geklauten Geldscheine in einer Bankfiliale umtauschen will, stellen ihn die Kinder und können ihn der Polizei übergeben. Es fliegt auf, dass er ein gesuchter Bankräuber ist. Emil bekommt 1.000 Mark Belohnung.

Emils Geldscheine werden durch kleine Löchlein identifiziert, weil der Junge das Geld im Zug mit einer Nadel in seiner Jackentasche festgesteckt hatte.

Der Film «Emil und die Detektive» von 1931

  • Circa 70 Minuten - gratis beim Streamingdienst Joyn
  • Regie: Gerhard Lamprecht; das Drehbuch stammt von dem später mit «Manche mögen's heiß», «Das Appartement», «Zeugin der Anklage» weltberühmt gewordenen Billy Wilder (noch mit der Schreibweise Billie)
  • Die Außenaufnahmen von «Neustadt» entstanden in Werder (Havel)
  • In die Filmgeschichte ging vor allem die expressionistisch beeinflusste Halluzinationsszene im Zug ein, nachdem Emil ein von Grundeis mit Drogen versetztes Bonbon gegessen hat und gruselig fantasiert - davon soll sich Filmhistorikern zufolge sogar Alfred Hitchcock inspiriert haben lassen
  • Es gibt den heute wohl eher undenkbaren Dialog zwischen Grundeis und Emil (12): «Rauchen Sie, junger Mann?» - «Nein, noch nicht.»
  • Grundeis kehrt im «Café Josty» ein, ein im Berlin der Weimarer Republik bekanntes Kaffeehaus, das am Potsdamer Platz war, aber auch eine Filiale in Wilmersdorf hatte, in der Kaiserallee (heute: Bundesallee) - in deren Nähe lebte damals Kästner und schrieb dort auch Teile des Romans
  • Autor Erich Kästner hat einen Cameo-Auftritt - er liest Zeitung in der Straßenbahn, in die Emil steigt, als er in Berlin ankommt und Grundeis folgt
  • Wie im Roman wird auch im Film ein damals wohl angesagtes Jugendwort für «cool», «geil», «mega», «slay» verwendet: Es lautet «kolossal»
  • Der Film ist ästhetisch noch nah am Stummfilm, ist jedoch ein wichtiges Werk des frühen Tonfilms und gilt vielen als beste Verfilmung des Romans
  • Hauptdarsteller Rolf Wenkhaus starb 1942 mit nur 24 Jahren als Soldat im Zweiten Weltkrieg - auch andere Kinderdarsteller kamen im Krieg ums Leben, etwa Hans Schaufuß (Gustav) und Hans Albrecht Löhr (Dienstag)

Der Film «Emil und die Detektive» von 1954

  • Circa 90 Minuten - gratis bei Joyn
  • Regie: Robert A. Stemmle; diese Nachkriegsverfilmung verwendet Teile des Billy-Wilder-Drehbuchs von 1931 wieder, einige Dialoge sind identisch
  • Emils Lehrer Bremser wird von Günter Pfitzmann dargestellt
  • «Neustadt» liegt hier an der Nordseeküste, gedreht wurde unter anderem in Husum und Glückstadt
  • Emil benutzt einen sogenannten Interzonenzug, um nach Berlin zu fahren
  • Der «Schweinehund» (O-Ton Emil) Herr Grundeis (Kurt Meisel) verspeist in einem Café genüsslich drei Eier im Glas
  • Erich Kästner hat erneut einen Cameo-Auftritt - als die Kinder in Massen Grundeis verfolgen, wirft er von einem Balkon Blumentöpfe hinunter
  • Emils Oma wird von Margarete Haagen gespielt, die danach in den 50er Jahren noch als Oma Jantzen in der «Immenhof»-Trilogie berühmter wurde
  • Zum Hauptquartier von Emil und den Kinderdetektiven wird zwischendurch die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mitten in Berlin - damals stehen aber noch Teile des alten Kirchenschiffs und noch lange nicht der heute mit der Turmruine kombinierte Neubau (1959-1963) von Egon Eiermann
  • Am Ende bekommt Emil bei der Oma sein Lieblingsessen: «Makkaroni mit Schinken und Parmesankäse»

Der Film «Emil und die Detektive» von 1964 

  • Circa 99 Minuten - leihbar bei Prime, MagentaTV, Apple TV, YouTube
  • Regie: Peter Tewksbury, Drehbuch: A. J. Carothers
  • Es handelt sich um einen Film aus dem Hause Disney, der an einigen Stellen arg amerikanisiert wirkt - mit erwachsen agierenden Kindern sowie Action- und Explosionsszenen
  • Die kriminalistischen Aspekte der Handlung sind erweitert worden
  • Emil (Bryan Russell) hat es mit drei Gangstern zu tun, die ihn zwischendurch als Geisel nehmen
  • Die Außenaufnahmen von «Neustadt» entstanden im hessischen Alsfeld
  • Emil reist mit dem Omnibus statt mit der Eisenbahn nach Berlin
  • Gustav (Roger Mobley) trägt so was wie Tracht und einen albernen Federhut - offenbar muss man das damals als Deutscher in einem US-Film
  • Der deutsche Schauspieler Wolfgang Völz ist als Polizist (Wachtmeister Stucke) zu sehen und Grundeis wird von dem in den 70ern als Ekel Alfred («Ein Herz und eine Seele») berühmt gewordenen Heinz Schubert gespielt

Der Film «Emil und die Detektive» von 2001

  • Circa 111 Minuten - in Flatrate von Prime Video, Filmfriend (Video-on-Demand-Portal der öffentlichen Bibliotheken)
  • Regie und Drehbuch: Franziska Buch
  • Emil (Tobias Retzlaff) lebt bei seinem Vater Knut (Kai Wiesinger), der nach der Wende arbeitslos geworden ist, in der fiktiven Ostsee-Kleinstadt Streiglitz
  • Die Mutter ist abgehauen und lebt mit neuem Mann in Kanada, sie schickt nur gelegentlich Briefe, ansonsten hat der Junge keinen Kontakt zu ihr 
  • Emil besucht in Berlin nicht seine Oma, sondern die Schwester seines Lehrers, eine Pastorin namens Hummel (Maria Schrader) - Sie hat einen altklugen Sohn namens Gustav (David Klock), der auch mal Game Boy spielt
  • Das Geld hat Emil nicht für seine Oma mit, sondern er hat Gespartes eingepackt
  • Im Zug bekommt Emil keine Schokolade von Grundeis, sondern trinkt aus einem Fläschchen mit bitterer Flüssigkeit
  • Grundeis (Jürgen Vogel) geht in Berlin im «Oberbaum-Eck» am U-Bahnhof Schlesisches Tor essen - die Kinder nennen ihn öfter «Vampirgesicht»
  • Pony Hütchen (Anja Sommavilla) nennt Emil leicht mobbend «Landei» und «Ossi», eines der Kinder, die Emil helfen, heißt Gypsie
  • Wichtige Szenen des Films spielen in und um das «Hotel Adlon», direkt am Brandenburger Tor, das 2001 erst seit vier Jahren wiedereröffnet ist
  • Im Film ist zu sehen, dass Autos durch das Brandenburger Tor fahren, was nach der Wende nur einige Jahre möglich war und im Herbst 2002 endete
  • Grundeis ist ein Hoteldieb, der mit entwendeten Schlüsseln in die Zimmer von Gästen eindringt und Schmuck stiehlt
  • Die Schauspielerin Anne Ratte-Polle ist gegen Ende in der Rolle einer ZDF-Reporterin zu sehen

Der Film «Emil und die Detektive» von 2026

  • Circa 100 Minuten - jetzt im Kino
  • Regie: David Dietl, Sohn des 2015 mit 70 gestorbenen Helmut Dietl («Monaco Franze», «Kir Royal», «Schtonk!»); Drehbuch: Antonia Scheurlen
  • Emil (Nicholas Jonah Peter) kommt aus Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt
  • Die Mutter will Emil eigentlich zur Oma begleiten, muss dann aber wieder vom Bahnhof weg, weil es einen Wasserschaden in ihrem Frisiersalon gibt
  • Ging es im Film von 2001 noch um 1.500 Mark Bargeld sind es hier «über 1.000 Euro» (also mehr als 1.955 D-Mark, wenn es sie denn noch gäbe)
  • Im Zug bekommt Emil Gummibärchen statt Schokolade von Grundeis
  • Emil hat nur ein Handy ohne Internet, die Mutter will ihm bis 14 kein Handy mit WhatsApp und Co geben und kann es sich auch nicht leisten
  • Der kleine Dienstag ist hier ein technisch schlaues Kind - weder klar Mädchen noch klar Junge - mit Smartphone, das sich Dienstag nennen lässt und das an einer Stelle mit «Downtime» kämpft, also dem Ende seiner Online-Zeit
  • Wichtige Szenen spielen in und um das «Hotel Das Stue», direkt am Zoo und Tiergarten, im Berliner Botschaftsviertel
  • Einen Cameo-Auftritt im Film hat die bei Teenagern beliebte Rapperin und TikTok-Prominente Zah1de (Zahide Kayaci aus Berlin-Kreuzberg)
  • Grundeis ist kein Bankräuber, sondern ein Immobilienbetrüger

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