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Wahnsinn mit 75: Wolfgang Petry singt übers Alter

25.09.2026, 06:09

Wolfgang Petry ist vor ein paar Tagen 75 geworden und das ist ein Alter, in dem man auch mal über Aufzüge singen kann. Der Großmeister des deutschen Rockschlagers beginnt sein neues Album mit einer Art gesundheitlicher Bestandsaufnahme: «100 Stufen durch das Treppenhaus, früher war das kein Problem!», singt er. «Ich geb' zu: Heute bin ich froh, wenn ich da 'nen Aufzug seh.» 

Hui, was ist denn mit «Wolle» los, denkt man so bei sich, während schon die nächste Zeile heranfliegt: «Und zwischendurch – wer kennt es nicht? – tut auch der Rücken weh. Schuld ist wieder mal das Wetter - mal der Regen, mal die Sonne, mal der Schnee.» 

Wolfgang Petry, so scheint es, kann nicht nur Rockschlager. Sondern neuerdings auch Rückenschlager.

«Ein Leben lang» heißt das neue Petry-Album, das am Freitag (25.9) erschienen ist. Wer es durchhört, bekommt schnell eine Ahnung davon, was den Mann, dessen Frisur einst den Begriff «Zottelmähne» beispielgebend illustrierte, heute so beschäftigt. 

Vorweg sei gesagt: Es ist keine vertonte Senioren-Zeitschrift geworden, sondern ein ziemlich munteres Spätwerk mit einiger Selbstironie - und der Bereitschaft, etwas preiszugeben. Über das Leben, die Liebe und, ja, die Veränderungen, die das Alter auch für eine Schlagerkoryphäe mit sich bringt.

Auf einen Hit brauche er jedenfalls nicht mehr schielen, sagt Petry der Deutschen Presse-Agentur. «Ich schreibe einfach, was mir gefällt und mich beschäftigt.»

Petry bleibt lieber im Hintergrund

Interessant ist das vor allem deshalb, weil sich der Musiker seit Jahren extrem rar macht. Er veröffentlicht zwar immer noch Musik, große Konzerte oder Homestorys sucht man aber vergeblich. Der dpa bestätigt er erneut unmissverständlich: «Es gibt keine neue Tour mehr von mir. Das bleibt nur noch in der Erinnerung.»

Es ist also ein wenig wie beim - Achtung, Griff ins hohe Regal - mysteriösen Street-Art-Superstar Banksy: Wer Wolfgang Petrys Gedankenwelt deuten will, muss vor allem sein Werk studieren. Was allerdings gar nicht so leicht ist, weil seine Ohrwürmer wie «Wahnsinn» oder «Verlieben, verloren, vergessen, verzeih'n» das Bewusstsein derart in Beschlag nehmen, dass man schneller mitsingt, als irgendeine weitere Frage zu stellen.

Das neue Album aber ist bewusst als ein Guckloch in die «Wolle»-Welt und als Retrospektive angelegt. Petry ist am 22. September 75 Jahre alt geworden, zudem feiert er sein 50. Bühnenjubiläum. Die beiden Daten rahmen das Album ein. Seine einstige Debütsingle «Sommer in der Stadt» von 1976 hat er für die Platte zum Beispiel als Jubiläumsversion neu aufgenommen. 

Noch interessanter sind aber die ganz neuen Lieder. Dazu zählt etwa das Liebeslied «Wegen dir» oder das Klavier-Stück «Ich hab ein Leben lang gewartet», in dem der Schlagersänger über Liebe, Vertrauen und Freundschaft im Verlauf der Jahrzehnte singt. 

Der Song «Morgen Gold» ist eine Art Selbstbespiegelung. «Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold!», singt Petry dort, was andeutet, dass er für sich - trotz der Sache mit dem Rücken - noch eine güldene Zukunft erwartet. Fans können den Text aber auch als Weitererzählung seines einstigen Megahits «Bronze, Silber und Gold» verstehen.

Besonders viel gibt Petry mit dem Lied «Weiter immer weiter» preis - nämlich seine Familienverhältnisse. Neben ihm selbst sind auf der Aufnahme auch sein Sohn Achim - ebenfalls Schlagersänger - sowie sein Enkel Giorgio zu hören. Der ist laut Begleitmaterial noch Student. 

Die Familie singt mit

Petry wirkt geradezu begeistert von dem Nachkommen. Giorgio habe noch nie vorher vor einem Mikro gestanden. «Völlig ohne Nervosität sang er nach kurzer Anleitung seine Strophen und dann den Refrain ein», erzählt Petry. «Ich hatte eine Gänsehaut. Kann nur sagen: ein Naturtalent!» 

Auffällig auch, wie wenig Scheu Franz Hubert Wolfgang Remling - so der bürgerliche Name - hat, ein gewisses Hadern mit der Moderne zu vertonen. Im Lied «Zehn Mark» besingt er die Sehnsucht nach einer vermeintlich übersichtlicheren Welt. Der Supermarkt etwa sei «megakompliziert». «Die Kasse streikt, weil der Code nicht funktioniert. Suche meine Butter, doch hier steht nur: vegan. Was ist passiert? Was haben wir nur getan?», singt Petry. Inhaltlich liegt das sehr nah an der oft belächelten Generationenklage älterer Männer.

Petry aber beschwichtigt: Das sei natürlich alles mit einem Augenzwinkern gemeint. Aber, nun, es stecke auch «'ne Menge Wahrheit» drin. «Ein Beispiel, ich habe gar keine Kreditkarte, auch kein Handy und man wollte mich gar nicht aus dem Parkhaus lassen», berichtet er. «Jetzt muss meine Frau immer mitfahren, damit ich mich befreien kann.»

Kurzum: Für den Weg aus dem Parkhaus braucht Wolfgang Petry also inzwischen seine Frau. Den Weg zu einem guten Refrain findet er aber nach wie vor allein. Das erklärt er an anderer Stelle des Albums sogar selbst: «Junge, häng dich rein. Alles, was du brauchst, ist ein geiler Reim.» 

Und vielleicht ist das alles, was man über Wolfgang Petry wissen muss.

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