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Vom Wiener zum Seemann: Freddy Quinn feiert 95. Geburtstag
Er sang von der Sehnsucht nach der Ferne, aber auch von der Heimat und vor allem vom Meer. Er war der Seemann, der im wahren Leben gar kein Seemann war, sondern ein gebürtiger Wiener. Am Sonntag feiert Freddy Quinn einen besonderen Geburtstag: Der Sänger und Schauspieler, geboren am 27. September 1931 in der Hauptstadt der Alpenrepublik, wird 95 Jahre alt.
«Heimweh» (erschienen 1956), seine Interpretation des Hans-Albers-Klassikers «La Paloma» (1961) und natürlich der Nummer-eins-Hit «Junge, komm bald wieder» aus dem Jahr 1962 sind die größten Erfolge Quinns, der seit einiger Zeit zurückgezogen in Schleswig-Holstein lebt.
«Der Seemann wurde mir übergestülpt wie ein Kostüm»
Auch als Schauspieler verkörperte er seine auf den Leib geschneiderte Rolle. «Freddy, die Gitarre und das Meer» mit seinem bekannten Titelsong (1959), «Heimweh nach St. Pauli» (1963), «Freddy und das Lied der Prärie» (1964) zeichneten das Bild eines herzensguten Menschen auf der Suche nach seiner Erfüllung.
Freddy Quinn war jedoch eine Illusion eines Deutschlands, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerrüttet war und nach seiner Identität suchte. In seiner im Mai 2025 erschienenen Autobiografie schrieb er: «Der Seemann wurde mir übergestülpt wie ein Kostüm, das nicht richtig passte. Aber, und das muss ich zugeben, ich habe es auch eine Zeit lang gern getragen.» Ob Unterhaltung in einem Mexikaner-Kostüm oder Sehnsüchte im Matrosen-Outfit: Sein Management kreierte das Image, Freddy Quinn lieferte die Klischees.
In einem Atemzug mit Peter Alexander, Harald Juhnke und Udo Jürgens
Freddy Quinns Name fiel in einem Atemzug wie die der Unterhaltungslegenden Peter Alexander, Harald Juhnke und Udo Jürgens. Mit seiner tiefen Baritonstimme und seinem sehnsuchtsvollen Blick kam er an: an den Kassen der Läden und bei den Frauen. Bis zur Jahrtausendwende hatte er mehr als 60 Millionen Schallplatten verkauft.
Schon im Alter von 16 Jahren verließ er die Schule und führte fortan ein Wanderleben, war zeitweise Musiker und Akrobat im Zirkus und reiste in der Welt herum. Seine Affinität zum Zirkusleben zeigte Quinn auch später, als er bei der Fernsehsendung «Stars in der Manege» auftrat. Anfang der 1950er-Jahre verschlug es ihn nach Hamburg, wo ihn Regielegende Jürgen Roland («Großstadtrevier») auf St. Pauli entdeckte.
Den Vater nicht gekannt
In seiner Autobiografie räumte Freddy Quinn ein, dass er seinen Vater nicht gekannt habe - über den es bis dahin verschiedene Angaben gab. In seiner Kindheit habe er über seinen Vater nur gewusst, «dass er eine Affäre mit meiner Mutter hatte und abgehauen ist, als sie schwanger war.» Sein wahrer Vater sei wahrscheinlich 1965 von dessen Sohn - Quinns Halbbruder - umgebracht worden, vermutet Quinn. Er kenne jedoch keine Beweise, sondern nur Indizien.
Nach dem Tod seiner ersten Frau Lilli Blessmann im Jahr 2008 heiratete er Anfang Mai 2023 seine langjährige Freundin Rosi. Im Sommer 2024 zogen die beiden auf einen Bauernhof in Schleswig-Holstein. Zwischen den Meeren hat der ewige Seemann seine neue Heimat gefunden.