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Retter in Kolumbien suchen nach Überlebenden des Erdbebens
Das ganze Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Kolumbien mit mindestens 111 Toten zeigt sich erst langsam. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief den Notstand aus. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden. Befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigt. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,4 lag nahe San José del Palmar im Westen des Landes.
Alleine in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, würden 188 Menschen vermisst, sagte der kürzlich vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella auf einer Pressekonferenz vor Ort. «Darauf werden sich jetzt all unsere Kräfte konzentrieren.» Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte er weiter. Zu den bereits 600 Soldaten vor Ort sollen demnach 400 weitere hinzukommen und bei den Such- und Bergungsarbeiten helfen.
Die Zahl der Opfer in Cali bezifferte er mit 35 Toten und etwa 700 Verletzten. Drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude stürzten völlig ein. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Cali selbst ist für die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch für Touristen aus Europa.
Beben auch in Nachbarländern zu spüren
Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilte. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.
Tausende Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten im Umkreis des Epizentrums schwer beschädigt, neben Cali unter anderem auch in Pereira und Manizales. Allein in Pereira starben nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung 60 Menschen, wie es in einem Post auf der Plattform X hieß. Elf weitere würden vermisst. 58 Gebäude seien komplett eingestürzt.
Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden
«Wir haben hier ein vierstöckiges Gebäude, das vollständig eingestürzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können», sagte in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenüber dem Sender «Caracol». Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den Trümmern.
Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt.
«So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt»
In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. «Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben», schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender «La FM» den Moment des Bebens.
«Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig», erzählt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá war die Erschütterung noch deutlich zu spüren: «Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt», berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).
Experten: Kein Zusammenhang mit starken Beben in Venezuela
Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.
Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.
Frühere Erdbeben in Kolumbien
Das zuvor heftigste Erdbeben ereignete sich 1958 vor der Küste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer Stärke von 7,6. Dabei kamen laut Geologischem Dienst nur 15 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 wiederum waren in der Stadt Armenia und nahe gelegenen Gemeinden bei einem Erdbeben der Stärke 6,1 mehr als Tausend Menschen ums Leben gekommen.