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Zverev vor Wimbledon-Krönung gegen Sinner? - «Auf Augenhöhe»

11.07.2026, 12:07

Sein größter Wimbledon-Tag beginnt für Alexander Zverev im Idealfall nach zehn Stunden Schlaf. Für ihn sei das normal, er versuche immer so lang zu schlafen, sagte der beste deutsche Tennisspieler. So wollte er auch vor dem Endspiel am späten Sonntagnachmittag in London (17.00 Uhr/Prime Video) gegen den Topstar und Titelverteidiger Jannik Sinner daran festhalten. 

«Ich sehe mich mit jedem auf Augenhöhe, das ist das wichtigste», sagte der French-Open-Sieger beim Pay-TV-Sender Prime Video über seine Herangehensweise. Er sehe sich auch auf Augenhöhe mit Sinner. Letztes Jahr sei er zwar weit entfernt vom Südtiroler gewesen, der über zwei Jahre mit dem nun seit Monaten verletzten Spanier Carlos Alcaraz die Grand-Slam-Szene beherrschte. «Aber das kann sich schnell ändern im Sport.»

Endet die Negativserie mit Kanzler Merz auf der Tribüne?

Neunmal nacheinander konnte der Hamburger nicht gegen Sinner gewinnen, in sechs Partien nacheinander entschied er keinen Satz für sich. Kann Zverev dennoch deutsche Tennis-Geschichte schreiben?

Beendet Zverev seine Negativserie, wäre er der erste Wimbledon-Sieger der Männer aus Deutschland seit Michael Stich vor 35 Jahren. Es liegt 31 Jahre zurück, dass Boris Becker als zuvor letzter männlicher deutscher Tennisspieler im Wimbledon-Finale stand. Für diesen außergewöhnlichen Sport-Tag plant sogar der Bundeskanzler Friedrich Merz, nach London zu reisen. «Ein historischer Tag für Sascha Zverev und das deutsche Tennis», kommentierte Becker den Finaleinzug.

Es wäre ein Novum in der Profi-Ära seit 1968, wenn Zverev nach seinem ersten Grand-Slam-Triumph gleich bei der nächsten Gelegenheit seinen zweiten feiern würde. Bei den French Open und in Wimbledon in einer Saison die Titel zu holen, ist ein seltenes Kunststück, das erst sechs Profis gelang.

In Paris war Sinner in der Hitze körperlich eingebrochen und hatte trotz 2:0-Satzführung und 5:1 im dritten Satz dramatisch verloren. Zverev stieg dadurch zum klaren Topfavoriten der French Open auf, hielt dem Druck stand und triumphierte. Nun ist seine Final-Aufgabe nicht mit der von Paris gegen Sinners Landsmann Flavio Cobolli vergleichbar. 

In Wimbledon wirkte Sinner im Viertelfinale auf Jan-Lennard Struff noch ein bisschen verwundbar. Im Halbfinale gegen den serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic zeigte der Italiener wieder jene Dominanz von vor dem Rückschlag in Paris. So heiß wie in Frankreich Ende Mai wird es am Sonntag in Wimbledon bei maximal angekündigten 29 Grad Celsius nicht werden.

Sinner: «ganz anders als alle anderen Spiele»

Das Finale werde «ganz anders als alle anderen Spiele, die wir bisher gespielt haben», sagte Sinner. Zverevs Wandel als Folge des French-Open-Triumphs fiel ihm auf. «Was auch immer in der Vergangenheit zwischen ihm und mir passiert ist, ist passiert. In der Zwischenzeit hat er ein Grand Slam gewonnen, was ihm viel Selbstvertrauen gab», sagte der viermalige Grand-Slam-Champion. «Wir können hier sehen, auf welchem Niveau er spielt. Es wird sehr, sehr schwer.»

Seit den US Open 2023 listen die Statistiken keinen Zverev-Sieg gegen Sinner auf. Nach dem verlorenen Titel-Showdown bei den Australian Open 2025 hatte Zverev sogar einräumen müssen, dass sich Sinner «derzeit in einem anderen Universum als alle anderen» befinde. Zum ersten Mal begegnen sich die beiden jetzt auf Rasen. Es gibt wenig Rhythmus auf dem grünen Untergrund, der Aufschlag prägt das Spielgeschehen ebenso wie kurze Ballwechsel.

Zverev interessiert nichts anderes

Für den finalen Schlussakt des zweiwöchigen Tennis-Highlights schottet sich Zverev ab. Wie bei den Grand-Slam-Turnieren üblich schaltete er sein Handy aus. Auch seine Freundin Sophia Thomalla, die wie in Paris nicht mit in London ist, erreiche ihn nicht, sagte er. Allzu große Freude über seinen erstmaligen Finaleinzug in Wimbledon blockt er ab. Ihn interessiere nur das Finale. 

In der Vergangenheit ist Wimbledon für ihn ein Ort mit Rückschlägen gewesen. Spätestens im Achtelfinale war sonst Schluss. 2024 verletzte er sich in Topform am Knie. Unvergessen sein Erstrunden-Aus 2025, nachdem er über mentale Probleme sprach. Welch ein Unterschied zwölf Monate ausmachen können. 

«Jetzt zurückdenken, wie ich mich letztes Jahr gefühlt habe und was da passiert ist - in diesem Moment interessiert mich das nicht. Ich möchte einfach nur das beste Tennismatch zeigen, was ich zeigen kann», sagte Zverev. 

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