Viel Hochzeit für wenig Geld: So wird die Trauung trotz knappem Budget erinnerungswürdig

Barfuß oder Lackschuh? Hochzeiten werden nicht automatisch besser, nur weil sie teurer sind. Und auch mit geringem Budget sind tolle Feiern drin. stock.adobe.com © Halfpoint

 

Mit Hochzeiten ist es ein bisschen wie mit dem Autokauf: Selbst kleinste Extras können üppige Aufpreise bedeuten. Und auch wenn es natürlich stimmt, dass eine Trauung für 15 Plus X tausend Euro keinerlei Wünsche offenlässt, so gibt es doch genügend Paare, die derartige Summen nicht aufbringen können oder es auch schlicht nicht möchten – denn so schön der Tag dann auch war, danach bleiben nur eine hohe Rechnung, Fotos und Erinnerungen. Zudem ist München sowieso eines der teuersten Hochzeits-Pflaster der Republik.

Dabei bedeutet ein geringes Budget keineswegs, eine Spar-Hochzeit zu bekommen, über die die Gäste hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Denn mit den richtigen Kniffen wirkt selbst eine günstige Trauung für nur wenige tausend Euro dennoch sensationell und bleibt allen Beteiligten in positiver Erinnerung.

1. Antizyklisch heiraten

Ganz eindeutig: Deutschlands Hochzeitspaare sind Sommerfans. Mai, Juni, Juli, August und September sind die mit Abstand stärksten Monate. Einmal als Vergleich, 2019 heirateten in Bayern 8518 Paare im September, aber nur 1670 im Januar.

Natürlich, Hauptgrund ist das Wetter. Aber werfen wir mal einen Blick auf die Realitäten:

  • In den Sommermonaten gibt es nicht nur Chancen auf „gutes“ Wetter, sondern auch „viel zu gutes“. Gerade dann besteht die Gefahr, während einer Hitzewelle zu heiraten. Und das fühlt sich bei 30+X Grad weder für das voll aufgestylte Brautpaar noch seine Gäste angenehm an.

  •  Alle Locations und dergleichen sind eng gebucht. Nicht nur die Suche wird schwieriger, viele nehmen in diesen Monaten auch kräftige Aufpreise.

  • Wenn die Hochzeit nicht gerade konsequent im Freien stattfinden soll (was auch mitten im Sommer immer von Regen-/Gewitterrisiko begleitet wird), findet sowieso ein Großteil der Veranstaltung in Räumen statt; da ist es ziemlich gleich, wie sonnig es ist.

Bedeutet, wer im November, im Januar, Februar oder März den Bund fürs Leben schließt, hat nicht nur mehr Wahlfreiheit auch für Münchens ausgefallenere Hochzeitslocations, sondern spart teils sehr viel Geld. Und einmal Hand aufs Herz: Eine Hochzeit im Schnee wirkt kaum weniger märchenhaft als eine bei gleißendem Sommersonnenschein.

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2. Jenseits der Stadtgrenzen heiraten

München ist immer etwas teurer. Sowohl was die Trauung wie die Feier anbelangt. Aber München ist verkehrstechnisch auch gut angebunden. Im Klartext: Nur wenige dutzend Kilometer jenseits der Stadtgrenzen gibt es alles einige Prozent günstiger und vielleicht sogar in ländlicher Idylle.

Tipp: Eine passende Location findet sich nicht nur, indem Google mit „Hochzeit Location“ gefüttert wird. Vielfach haben Vereine, Landwirte und Pfarreien etwas an der Hand, das nicht weit vorn in den Suchergebnissen auftaucht – und vielleicht weit günstiger und obendrein einzigartig ist.

 

3. Auf ein automobiles Highlight jenseits der Stretch-Limo setzen

Zugegeben, wer mit dem eigenen Auto fährt, spart viel Geld. Allerdings ist das auch alles andere als prestigeträchtig. Umgekehrt ist es jedoch in aller Regel die teuerste Option, auf den Hochzeitsklassiker namens Stretch-Limousine zu setzen; einmal abgesehen davon, dass der mittlerweile jeglicher Wow-Effekt fehlt, weil sie so inflationär eingesetzt wird.

Nein, wer ein automobiles Statement setzen möchte, sollte das anders angehen. Vielleicht darf es eines der schillerndsten Zeugnisse britischer Autobauerkunst in Form eines Rolls Royce sein? Vielleicht auch viel spartanischer, aber nicht minder auffällig in Form des ungeschlachten Militärtrucks namens Hummer H1? Oder vielleicht tut es auch ein Auto, dass allein deshalb ein Eyecatcher ist, weil es seit vielen Jahren völlig aus dem Straßenbild verschwunden ist?

Aus dieser Sicht werden auch ein alter Opel Ascona aus den 70ern oder ein Ford Taunus aus den 60ern zu perfekten Hochzeitsautos – denn letztlich ist alles erlaubt, in das die Braut den voluminösen Reifrock ohne Schäden hineinzwängen kann. Und vor allem: Meist sind solche Fahrzeuge ungleich günstiger anzumieten als eine Stretch-Limousine.

 

 

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4. Nur mit Menschen feiern, die einem wichtig sind

Was macht eine Hochzeit teuer? Nicht zuletzt die Tatsache, dass jeder Gast rasch dreistellige Kosten verursacht. Genau das ist aber auch ein vielfältiges Problem: Hochzeiten sind einer derjenigen Termine, zu denen vielfach Menschen nur deshalb eingeladen werden, „weil man die einfach einladen muss“.

Auch hier sollten Brautpaare Mut zur Lücke zeigen. An diesem Tag sollten nur diejenigen dabei sein, die Braut und Bräutigam wirklich etwas bedeuten. Das gilt vor allem für die Feier.

  • Entfernte Verwandte,

  • Bekannte, die man nur einlädt, weil man auch auf deren Hochzeit war,

  • eigentlich ungeliebte Nachbarn…

es gibt viele Personen, die nicht nur aus Kostengründen nichts auf einer Hochzeit verloren haben. Paare sollten hier kräftig die Sparschere ansetzen – zudem können solche Personen ja ohne Brüskierung der Trauungszeremonie beiwohnen; bloß kosten sie auf der Feier dann kein Geld.

5. Second-Hand Brautkleid

Es dürfte mit Sicherheit der kontroverseste Punkt dieser Liste sein: Ein Brautkleid, das schon einmal getragen wurde. Aber wie so häufig handelt es sich hierbei um einen Punkt, der eigentlich nur in den Köpfen dramatisch ist – in der Realität ist es völlig normal, dass Brautkleider auf Kleinanzeigenportalen veräußert werden, dass es sogar ein richtiggehendes Businessmodell darum gibt. Denn gebraucht bedeutet, dass hier ein Produkt, das statistisch zwischen 800 und 1100 Euro kostet, für einen Bruchteil davon erstanden werden kann.

Und allen, die sich um die dahinterstehende Symbolik sorgen, sei Folgendes erklärt:

  • In einem Kleid, in dem eine nach wie vor glückliche Ehe geschlossen wurde, steckt auch das Zeug, eine weitere glückliche Ehe zu begründen.

  • Das Kleid einer mittlerweile geschiedenen Ehe kann auf diese Weise wieder zu einem positiven Symbol gemacht werden.

Natürlich, viele Leser werden sagen, dass es so oder so nur Stoff sei, der keinerlei Auswirkungen auf die künftige Ehe habe; aber für viele Brautpaare besitzen derartige Symboliken einen hohen Stellenwert. Und immer bedeutet der Gebrauchtkauf schnell einige hundert Euro Ersparnis, ohne jeglichen Abzug von Qualität oder Status – es muss ja nicht einmal die Brautmutter erfahren.

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6. Gästehandys statt Fotografenkamera

Es gibt in der Hochzeitsszene die Regel, dass an allem gespart werden dürfe, bloß nicht am Fotografen. Wer allerdings einen Profi für den ganzen Tag engagiert, zahlt grundsätzlich vierstellig. Dabei geht es viel günstiger:

  • Überhaupt wird ein Fachmann nur für die Trauungszeremonie und die gestellten Fotos im Studio benötigt.

  •  Es muss nicht zwingend ein Profifotograf sein. Durch den Siegeszug der Digitalfotografie gibt es heute auch Unzählige, die mit großer Fertigkeit nur als Hobby fotografieren – wahrscheinlich sogar im Kreis des Brautpaares.

  • Den ganzen Tag werden die Hochzeitsgäste tausende hochwertige Fotos mit ihren Handys schießen. Brautpaare müssen nur noch eine kostenlose E-Mail-Adresse, Cloud-Ordner oder Messenger-Gruppe einrichten und alle Gäste (schon in der Einladung) bitten, ihre Fotos und Videos dorthin zu senden.

Auf diese Weise gibt es tausende Fotos für umsonst – was dank der Leistungsfähigkeit heutiger Handykameras definitiv kein Nachteil sein muss. Und wenn die „Nachlese“ ansteht, kann die Bilderflut sogar mit diversen Web-Tools zu einem großen Fotomosaik gemacht werden.

Tipp: Die gestellten Studiofotos können auch Tage nach der Hochzeit entstehen. Das ist mitunter terminlich und preislich günstiger. Außerdem ist es die Gelegenheit, sich nochmals in Schale zu werfen und das gute Gefühl ohne die Aufregung dieses besonderen Tages auskosten zu können.

 

7. Deko doppelt nutzen

Es mag für manche wünschenswert sein, dass in der Kirche andere Blumen verwendet werden als auf der Feier. Nur warum? Erstens ist es teuer und zweitens sind die meist mit viel Kunst angefertigten Gestecke viel zu schade, um sie nur bei jeweils einer Gelegenheit zu nutzen.

Übrigens: Im Netz finden sich auch zahllose Anleitungen für Origami-Blumen. Sie mit Hilfe von Freunden und Verwandten vor der Hochzeit zu falten kostet nur Zeit und Papier.

 

8. Doppelfeiern vermeiden

Nur rund ein Viertel aller Paare heiratet überhaupt noch kirchlich. Diejenigen, die es tun, sollten jedoch versuchen, beide Termine so dicht wie möglich beieinander zu legen. Denn es ist klar, dass nach der standesamtlichen Trauung zumindest eine kleine Feier mit den engsten Angehörigen ansteht. Auch die kostet Geld. Und natürlich muss von den Kleidern bis zum Styling alles doppelt vorhanden sein.  

Besser ist es, nach Möglichkeit zu versuchen, beide Ja-Worte auf den gleichen Tag zu legen. Das benötigt zwar etwas mehr Planungsarbeit und eine Portion Glück, aber es reduziert die Kosten erheblich und ist in der Praxis bei guter Planung längst nicht so stressig wie es zunächst klingt.

 

9. Bekannte einspannen

Bereits bei den Fotos wurde es kurz angeschnitten: Die Chance, dass heute jemand etwas machen kann, das für eine Hochzeit unschätzbar wertvoll ist, ist hoch.

  • Die Gestaltung von Einladungen, Gesangsheften für die Kirche und Speisekarten;

  • Das Herstellen von Snacks, Drinks oder der ganzen Hochzeitstorte;

  • Das Erstellen von Playlists bzw. der Besitz der musikalischen Hardware oder gar einer Band;

  • Das theoretische und praktische Dekorieren aller Locations.

Für all das dürften die meisten in ihrem Umfeld die richtigen Leute bereits kennen. Sie zu bitten, bei der Hochzeit behilflich zu sein, kostet lediglich etwas Überwindung, spart aber hunderte bis tausende Euros an Kosten – und ist vielfach qualitativ mindestens ebenbürtig.

Übrigens: Livemusik wird sowieso nur für den „Partyteil“ der Feier nach dem Essen benötigt. Zuvor genügt tatsächlich eine stimmige Playlist.