Skateboarding: Alle Informationen für den Einstieg in eine der ältesten Funsportarten

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Überall rollen die Bretter mit den kleinen Rollen durch die Städte. Mal sieht man Jugendliche lässig ihre Runden drehen, mal staunt man über atemberaubende Tricks bereits erwachsener Fahrer. Treppen, Geländer oder leere Pools werden dabei zu der Bühne der Skateboarder. Skateboarding ist allerdings mehr als nur ein Funsport, er kann zum Lifestyle und mittlerweile sogar zur olympischen Disziplin werden.

Erklärung von Funsportarten

Skateboarding ist eine der ältesten Funsportarten. Hiermit werden Sportarten bezeichnet, die auf das (gemeinsame) Erleben und Spaß statt auf Leistung und Erfolg abzielen. Dies zeigt auch der Name, der aus dem Englischen “fun”, also Spaß und Sport zusammensetzt. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff übrigens nicht verwendet.

In der Regel sind Funsportarten sportliche Betätigungen, die als Individuum innerhalb einer Gruppe ausgeübt werden und keine Mannschaftssportarten. Bekannte Beispiele sind neben Skateboarding, Snowboarden, Laser Tag oder Paintball in einem weiteren Sinn Frisbee, Wakeboarden oder Kite-Surfen. Typischer sind aber kuriose Sportarten wie die Wok-WM, Bobby-Car-Rennen oder ein Gummistiefelweitwurf.

Durch den Spaß und das Zusammengehörigkeitsgefühl ohne Leistungsdruck schafft Funsport einen guten Ausgleich zum Schul- oder Arbeitstag.

Geschichtlicher Hintergrund des Skateboarding

Bereits Ende der 1950er-Jahre erschienen die ersten Skateboards in Kalifornien. Jene waren technisch noch nicht ausgeklügelt und stießen dementsprechend auf wenig Anklang. Etwa ein Jahrzehnt später ändert sich dies durch industriell gefertigte Skateboards, die sich schnell verbreiteten. Nach und nach kamen technische Entwicklungen wie beispielsweise die Erfindung des Kicktails, der Bau von verschiedenen Rampen oder neue Rollentechnologien auf den Markt, welche das Interesse weiter steigerten und die sportlichen Möglichkeiten vergrößerten.

In den 1970er-Jahren brachten skatende Soldaten aus den USA den Trend nach Europa. Besonders in München, wo viele der Kalifornier stationiert waren, verbreitete sich der Funsport. Auf die Initiative von Lulu Magnus hin entstand dort der erste Skate-Park in Deutschland. Anfang der 1980er brachte Titus Dittmann das Skateboardsetup sowie Wissen aus seinem Aufenthalt in den USA mit in seine Heimatstadt Münster und trug zu dessen Popularität bei.

Die Ausstrahlung der sogenannten Extreme Games, auch als X-Games bekannt, förderte die Bekanntheit und Beliebtheit des Skateboarding ebenfalls. Als wohl prägendstes Ereignis erinnern sich viele an den sogenannten 900er des professionellen Skaters Tony Hawk im Jahre 1999. Hierbei handelt es sich um eine zweieinhalbfache Drehung des Körpers um die eigene Achse in einer Halfpipe.

Skateboarding als Lifestyle

Das Hauptziel beim Skateboarding besteht darin, unterschiedliche schwere Tricks an diversen Stellen umzusetzen. Diese sogenannten Spots können sich im öffentlichen Raum oder in speziellen Anlagen wie Skate-Hallen oder Skate-Parks befinden.

Wie andere Funsportarten auch, richtet sich Skateboarding vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene. Zum Lifestyle wird das Ganze durch eine Kombination aus dem Kleidungsstil, Marken, Aktivität und Musik, die neben dem Sport auch das restliche Leben der Skateboarder prägt. Neben der sportlichen Herausforderung ist der kreative Umgang mit dem Board und der Umwelt wichtig. So wird beispielsweise Architektur mit dem Ziel betrachtet, sich diese sportlich anzueignen und mit dem Skateboard zu nutzen. Objekte wie Geländer, Bänke oder Treppenstufen werden ebenso in Beschlag genommen, wie passende Räume mit einem ebenen Untergrund.

Setup fürs Skateboarding

Um den Einstieg in den Szenesport zu erleichtern, folgen nun ein paar grundlegende Informationen zu dem benötigten Setup. Dieser Begriff fasst die verschiedenen Einzelteile eines Skateboards zusammen. Hierzu gehören unter anderem das Deck, auf dem man steht. Jenes besteht in der Regel aus sieben Lagen und hat einen vorderen gebogenen Teil, der als Nose bezeichnet wird und einen etwas kürzeren Hinteren, das Tail. Dazwischen befindet sich die Wheelbase.

Beim Kauf bietet es sich an, den eigenen Lernstand sowie das Fahrverhalten mit einfließen zu lassen. Für ein stabiles Fahrverhalten sind Low-Boards mit 46–49 mm gut geeignet. Ist das Fahrverhalten eher instabil, dann sind High-Boards mit 53,5 bis 58 mm empfehlenswerter. Die goldene Mitte ist das Mid-Board mit 50–53 mm, welches als Allrounder gilt.

Generell sollte man sich auf dem Brett wohlfühlen. Ist das Deck zu schmal, ist es instabiler. Neben der Breite ist der Wölbungsgrad, Concave genannt, entscheidend. Je weniger Wölbung das Skateboard hat, desto stabiler ist es, aber desto geringer ist seine Wendigkeit.

Das Deck ist mit einem Griptape überzogen, das durch seine raue Oberfläche für Halt sorgt. Griptape ähnelt Schleifpapier. Wie dieses nutzt es sich mit der Zeit ab und wird glatter. Darüber hinaus sammelt sich Schmutz zwischen den Erhöhungen an. Jenen kann man vorbeugen, indem man seine Schuhsohlen regelmäßig kontrolliert, bevor man aufs Brett steigt. Wenn das Griptape nicht mehr gut haftet, sollte es ausgewechselt werden, um die Haftung und damit Sicherheit und Präzision wiederzuerlangen.

An dem Deck sind Skateboard Achsen montiert. Jene stellen den komplexesten Teil des Boards dar. Unterscheiden lässt sich meist zwischen einem niedrigen oder hohen Abstand zwischen Rolle und Deck. Je größer dieser ist, desto engere Kurven lassen sich fahren und desto weicher kann man die Achsen einstellen. An den Achsen können unterschiedliche Rollen und Kugellager, auch Bearings genannt, montiert werden, um das Fahrgefühl und die Beweglichkeit zu beeinflussen. Welche Rolle man nutzt, hängt vom Einsatz des Skateboards und dem Untergrund ab. Bei rauem unebenem Boden eignet sich weicheres Material, bei glattem Boden hartes. Größere Rollen sind ideal, wenn man schnell fahren möchte.

Kleidung, Schutz und Zubehör

Neben diesen Basics gehören die passenden Skateschuhe zur Ausrüstung. Diese haben eine flache Sohle aus Gummi, die für einen guten Halt sorgt. Wichtig ist es, die Balance zwischen einem guten Gefühl für das Skateboard und einer ausreichenden Dämpfung zu erhalten. Da die Schuhe starken Belastungen und Abrieb durch das raue Griptape ausgesetzt sind, ist eine hohe Haltbarkeit ebenfalls entscheidend.

Als Einsteiger wie Fortgeschrittener ist ein guter Schutz ratsam, um sich vor dem harten Untergrund und dem Skateboard selbst zu schützen. Darüber hinaus wagen viele Einsteiger durch passende Schoner für Ellbogen, Knie oder das Handgelenk sowie einen Helm mehr und verringern das Risiko einer Verletzung. Passendes Zubehör wie Riserpads vergrößern den Abstand zwischen dem Deck des Skateboards und den Rollen. Somit werden Berührungen beim Lenken verhindert. Shockpads sind wie Stoßdämpfer fürs Auto und federn Vibrationen und Erschütterungen ab.

Neben dem Skateboarding wird auch das Longboard immer beliebter. Statt für Tricks dient dieses lange Brett mit den großen Rollen auch der schnellen Fortbewegung. So lässt sich beispielsweise eine Stadtbesichtigung von Münchens schönsten Routen mit einem Skate- oder Longboard erleben.

Stance, Push und Bremsen für Einsteiger

Tricks lassen sich auf diversen Untergründen vollführen. Als Einsteiger ist das Üben auf flachem ebenem Boden am leichtesten. Später können Hindernisse, sogenannte Obstacles, wie Bänke, Treppen, Geländer, Minirampen, Halfpipes, Flatrails, Pyramiden oder Hausdächer für Tricks genutzt werden, insofern dies erlaubt ist.

Zuerst ist ein sicheres Stehen, der sogenannte Stance wichtig. Hierzu entscheidet man sich durch Ausprobieren für einen vorderen und hinteren Fuß auf dem Skateboard. Steht man links vorne, und stößt sich mit rechts ab, wird dies als regular bezeichnet. Ist der rechte Fuß vorne und der linke dient der Bewegung, ist man ein goofy-Fahrer. Beim sogenannten Pushen drückt man sich mit einem Fuß am Boden ab, um Geschwindigkeit zu erzeugen.

Zum Bremsen können Einsteiger den hinteren Fuß seitlich auf den Asphalt stellen und hierdurch abbremsen. Einen Schritt weiter geht man, indem man mit der Ferse auf das Tail des Skateboards drückt, bis dieses auf dem Boden schleift. Allerdings wird nun statt der Schuhe das Brett in Mitleidenschaft gezogen. Die dritte Möglichkeit des Bremsens besteht durch einen sogenannten Front- oder Backside Powerslide, der bei schnellem Fahren umsetzbar ist. Hierbei bremsen die seitlich rutschenden Rollen des Boards die Geschwindigkeit ab.

Grundsätzlich spricht man bei Tricks von Frontside, wen man mit dem Oberkörper voraus in die Bewegung geht. Backside bedeutet, dass der Rücken die Richtung des Tricks angibt. Nimmt man Hindernisse, sogenannte Obstacles hinzu, wird der Trick danach bezeichnet, ob sich der Gegenstand vor einem (Frontside) oder im Rücken (Backside) befindet.

Ein fakie bedeutet, wenn man bei einem Trick in der normalen Fußstellung bleibt, aber in die andere Richtung rollt. Tauscht man die Beinstellung, wird dies als switch bezeichnet.

11.10.2021