Holz, Stroh und Lehm: Ökologischer Hausbau mit alternativen Materialien

Klimawandel, Umweltschutz – immer mehr Bauherrn suchen nach alternativen Bauweisen.
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Einige von ihnen sind besonders erfindungsreich und setzen auf Grasdächer, Lehm, Stroh und andere ökologische Materialien wie Holz zum Bau oder zur Dämmung von Häusern. Solche Häuser werden gern Öko- oder Biohaus genannt.

Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Themen dieser Zeit. Auf der ganzen Welt werden Schadstoffe in die Luft gegeben, die CO2-Emmissionen sind viel zu hoch, nationale Klimaziele werden deshalb nicht erreicht. Auch daran mag es liegen, dass die Nachfrage nach ökologischem Wohnen steigt.

Wer vorhat, ein Ökohaus zu bauen hat unterschiedliche Möglichkeiten. Vorher sollte sich jeder Bauherr klar machen, welche Merkmale sein künftiges Domizil erfüllen soll und welche Vor- und Nachteile die jeweilige Bauweise mit sich bringt. Auf der Hand liegt natürlich, dass für ein Bio-Haus nur so wenig künstliche Baustoffe wie möglich eingeplant werden. Denn ökologische Baustoffe atmen, außerdem sind sie durchlässig und sorgen für ein sehr viel gesünderes Raumklima als Beton & Co.

Der Bau von Häusern mit herkömmlichen Materialien kostet Energie und Ressourcen, zwei Dinge, an denen in Zeiten des Klimawandels gespart werden sollte. Nicht nur, dass konventionelle Baustoffe wie Beton, Mineralwolle und Kunststoffe mit großem energetischem Aufwand hergestellt werden – viele von ihnen gelten bei der späteren Entsorgung auch als Sondermüll.

Die Materialfrage

Doch welche Materialien eignen sich? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst zwischen Baustoffen und Dämmstoffen unterschieden werden:

  • Biologische Baustoffe dienen dazu, ein Haus zu errichten.

  • Dämmstoffe sind – wie der Name sagt – Materialien, die für ein konstantes Raumklima sorgen.

Die bekanntesten Materialien sind neben Holz auch Stroh oder Lehmplatten. Bei der Dachisolierung können Bauherren als ökologische Variante auch Gras in Betracht ziehen.

Beliebtes Holz

Wer ökologisch bauen möchte, legt im allgemeinen Wert darauf, dass die verwendeten Materialien frei von Schadstoffen und Allergenen sind. Holz zum Beispiel erfreut sich wachsender Beliebtheit – und ist außerdem umweltschonend und nachhaltig.

Die ersten Häuser, die etwa von amerikanischen Siedlern gebaut wurden, waren aus Holz gefertigt, und das über Jahrhunderte. Holz ist auch deshalb so beliebt, weil es sich gut verbauen lässt und die Dämmeigenschaften ausgezeichnet sind. Das betrifft nicht nur das Raumklima, sondern auch die Lärmdämmung. Und: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff.  

Flachs und Stroh: Revival eines uralten Baustoffs

Auch Flachs und Stroh wird beim Bau von Ökohäusern immer beliebter und steht allein als natürliche Ressource hoch im Kurs. Wenn Stroh sehr stark gepresst wird, weist es ähnliche Eigenschaften wie Holz auf. Gerade Bauherren mit hohen ökologischen Ansprüchen setzen auf diese Variante.

Mittlerweile gibt es Strohballenhäuser oder solche, die komplett mit Stroh gedämmt werden. Dabei ist Flachs und Stroh ebenso wie Holz ein Baumaterial, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Wer mit Stroh baut, verhält sich in jedem Maße umweltgerecht.

Auch Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff. Anders als bei herkömmlichen Baustoffen mit schlechter Energie- und CO2-Bilanz allein schon durch Herstellung und Transport, kann Stroh als Baustoff durchaus überzeugen – Bauherrn müssen nur wissen, worauf zu achten ist. Stroh ist regional lieferbar, hat ausgezeichnete Dämmeigenschaften und bindet sogar Kohlendioxid.

Öko-Kombi: Stroh und Fachwerk

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In den meisten Fällen kommt der Baustoff in  Fachwerkhäusern zum Einsatz – das heißt, dass  der Raum zwischen den Balken mit Stroh  ausgefüllt wird. Anschließend wird die  Strohschicht mit Lehm verputzt. Dieser Methode  wird eine ausgezeichnete Dämmeigenschaft  bescheinigt – die noch besser als bei  Ziegelwänden mit synthetischer Dämmung sein  soll. Außerdem kann der Bauherr auch bei einem  Abriss eines ausgedienten Strohhauses ein gutes  Gewissen haben, ganz einfach schon deshalb,   weil hier kein Sondermüll anfällt.  

Wer mit Stroh als Baustoff liebäugelt, muss natürlich auf einige Dinge besonders achten. Fragen, wie das Haus vor Insekten und Nagetieren, Feuer und Nässe optimal geschützt werden kann, können Experten beantworten, die sich mit alternativen Bauweisen beschäftigen. Viele Befürchtungen, was den Rohstoff als Baumaterial angeht, sind außerdem überholt und gehören in das Reich der Vorurteile.

Nachhaltig und effizient: Lehm

Lehm ist als Baumaterial ökologisch, nachhaltig und durchaus effizient. Lehm als Bausubstanz sorgt für ein wohngesundes und angenehmes Raumklima. Dabei muss ein Haus aus Lehm nicht kostspieliger sein als ein konventionelles Haus aus Stein.

Der Bau eines Lehmhauses erfordert allerdings viel Wissen durch geeignete Fachhandwerker. Er ist unter anderem dafür zuständig, den Lehm so zu verbauen, dass er Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Ziel ist, eine stabile Raumfeuchte zu erreichen, die optimal auf die Bedürfnisse des Menschen und seiner Gesundheit angepasst ist.

Alleskönner

Lehm kann unglaublich viel: Er kann Strahlung abschirmen, Schadstoffe aus der Raumluft filtern, Gerüche eliminieren und mehr. Eingesetzt wird er zum Beispiel als Lehmstein, Mörtel oder Putz. Mit Lehm können Wände errichtet und sogar Öfen gebaut werden.

Bauherren haben im Grunde zwei Möglichkeiten, um ihren Traum vom Lehmhaus wahrwerden zu lassen:

  1. Entweder planen sie ein massives Gebäude mit tragenden Wänden aus Lehm oder

  2. entscheiden sich für ein Fachwerk, dessen Fächer, ähnlich wie bei einem Strohhaus, mit Lehm gefüllt werden.

Ökologisches Innenleben

Steht das Haus – egal, ob aus Holz, Stroh oder Lehm – sind die Installationen an der Reihe. Wer den ökologischen Gedanken in sich trägt, wird in ein Bio-Haus vermutlich keine klassische Heizung einbauen, sondern sich auch hier nach Alternativen umsehen. Das kann auf eine Wärmepumpe hinauslaufen oder auf Solarenergie, Windkraft und andere ressourcenschonende Möglichkeiten zur Energiegewinnung.

Gras aufs Dach

Auch Grünpflanzen statt Dachpfannen werden in Deutschland immer beliebter, die Nachfrage nach Grasdächern wächst. Diese stammen ursprünglich aus Skandinavien. Ein Grund sind die vielen Niederschläge, die dafür sorgen, dass die Pflanzen gut gedeihen. Grassodendächer können eine wahre Augenweide sein, wenn sie fachmännisch angelegt und gepflegt werden.

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Solche grünen Dächer tragen einen großen Teil zu  einem ausgewogenen Wohnklima bei. Im Winter  dämmen die Pflanzen gegen Kälte, im Sommer  schützen sie gegen Hitze. Außerdem entweicht  deutlich weniger Wärme. Darüber hinaus binden  Gründächer Feinstaub, schützen vor starker Kälte  und heftigen Niederschlägen sowie UV-Strahlung.  Bauherren tun gleichzeitig etwas für die  Artenvielfalt. Wichtig bei einer Dachbegrünung ist  vor allem ein perfekter Aufbau, damit keine   Flüssigkeit in das Haus eindringen kann.

Alternativ: Hanf und Bambus

Zum guten Schluss sollen noch zwei Baumaterialien genannt werde, die garantiert ökologisch und ressourcenschonend sind, auch wenn sie verhältnismäßig selten verwendet werden:  Bambus und Hanfbeton. Bambus zum Beispiel wächst schnell und gilt als CO2-Binder.

Als Baumaterial ist Bambus vielseitig einsetzbar, denn er ist leicht, aber trotzdem biegsam und beständig. Wer Bambus als Bausubstanz ins Kalkül zieht, sollte jedoch bedenken, dass die Pflanzen in großer Menge importiert werden müssen, was aus ökologischer Sicht eher ungünstig ist. Hanfbeton ist ein gutes Baumaterial, weil es sehr leicht, aber so fest wie herkömmlicher Beton ist, jedoch aus ressourcenschonenden Materialen besteht: Bei der Herstellung werden Hanffasern mit Kalk vermengt. Ihm wird eine ausgezeichnete Dämmfähigkeit nachgesagt, und er besitzt auch viele weitere gute Eigenschaften.

Strom aus der Natur

Der Vorteil regenerativer Energien liegt auf der Hand: Sie stehen praktisch uneingeschränkt und – abgesehen von den Investitionsaufwendung – kostenlos zur Verfügung. Sollten von den häuslichen Anlagen mehr regenerative Energie produziert werden als verbraucht wird, kann der Überschuss ins öffentliche Energienetz eingespeist werden. Hier sind die Möglichkeiten:

Beliebt: Solaranlagen

Die Photovoltaikanlage setzt die Sonnenenergie in elektrischen Strom um. Ein zusätzlicher Solarstromspeicher ist sinnvoll, damit auf diese Energie auch nachts zugegriffen werden kann. Die Sonne kann über entsprechende Kollektoren darüber hinaus für warmes Wasser sorgen – mit einem Pufferspeicher auch dann, wenn die Sonne nicht jeden Tag scheint.

Auf dem Vormarsch: Wärmepumpen

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Diese Anlagen machen die Umgebungs- und  Erdwärme bis zur Tiefe von 400 Metern für die  häusliche Heizung nutzbar. Die Anlagen erfreuen  sich den Absatzzahlen der Anbieter nach zu  urteilen steigender Beliebtheit. 

Luft-Wasser-Wärmepumpen eignen sich  besonders  für Neubauten und sorgen für niedrige  Heizkosten – vor allem auf lange Sicht. Effizient  sind sie vor allem in Kombination mit einer  Solaranlage und einer guten Gebäudedämmung.  Hier kommt es also auf mehrere Faktoren an, wie wirtschaftlich der Betrieb ist. Die individuellen Umstände sollten deshalb bei der Planung berücksichtigt werden, um das Optimale aus einer Wärmepumpe herauszuholen.

Weit verbreitet: Windkraftanlagen

Der Wind bietet eine zusätzliche Möglichkeit, Energie ins Haus zu holen. Dabei müssen es allerdings keine riesigen Windmühlen sein, wie sie inzwischen zahlreich im Land verteilt sind. Für den Hausgebrauch reicht eine kleine Anlage und – das ist wichtig – der richtige Standort, an dem der Wind möglichst freie Fahrt hat. Von den erneuerbaren Energiequellen hält die Windenergie mit einem Anteil von über 26 Prozent inzwischen die Spitzenposition der gesamten Nettostromerzeugung in Deutschland.

Eher selten: Die Wasserkraft

Ein Klein-Wasserkraftwerk zu installieren, ist vergleichsweise aufwändig und erfordert besondere Standortbedingungen. Voraussetzung ist, dass ein ausreichend großer Bach oder sogar ein Fluss durch das eigene Grundstück fließt. Zu den nicht geringen Baukosten kommt der finanzielle Aufwand für eine vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung und die entsprechende Genehmigung, da es sich hier um einen Eingriff in die Natur handelt.