Turn-Star Biles erneut Mehrkampf-Weltmeisterin

10.10.2019, 19:37

Stuttgart (dpa) - Turn-Königin Simone Biles ist bei der WM in Stuttgart nicht zu stoppen und hat sich zum fünften Mal in ihrer jungen Karriere die Mehrkampf-Krone aufgesetzt.

Mit 58,999 Punkten distanzierte die 22 Jahre alte Alleskönnerin die versammelte Konkurrenz um Längen und ist nur noch eine WM-Medaille vom Rekord des Weißrussen Witali Scherbo entfernt, der 23 WM-Plaketten holte. Ihre nun insgesamt 16 WM-Goldmedaillen sind schon jetzt einmalig. Die Silbermedaille schnappte sich die Chinesin Tang Xijing (56,899) vor Angelina Melnikowa (56,399) aus Russland.

Einen herausragenden Wettkampf zeigte auch das deutsche Top-Duo Elisabeth Seitz und WM-Debütantin Sarah Voss. Lokalmatadorin Seitz holte als Sechste mit 55,999 Punkten die beste Mehrkampf-Platzierung ihrer Karriere. Die erst 19 Jahre alte Kölnerin Voss belegte mit 54,898 Zählern in dem Weltklassefeld einen ebenfalls ganz starken zehnten Rang. «Beide haben eine super Vorstellung gezeigt. Ich bin sehr zufrieden, das ist top und lässt für die Zukunft hoffen», sagte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam der Deutschen Presse-Agentur.

Die Turnerinnen freuten sich überschwänglich. «Ich bin sehr glücklich und extrem stolz auf mich», meinte Voss nach ihrer beeindruckenden WM-Premiere: «Es war schon eine Ehre, hier mitturnen zu dürfen. Und dann gleich unter die besten zehn zu kommen, ist unglaublich.» Sie sei «selbst überrascht über meine Platzierung», sagte Seitz strahlend. «Es war ein perfekter Wettkampf für mich. Und es hat mir einen Riesenspaß gemacht, vor diesem tollen Publikum zu turnen.»

Die 25-Jährige aus Stuttgart stand bei ihrer achten WM-Teilnahme zum siebten Mal im Einzel-Finale und legte unter dem Jubel der 7500 Fans an ihrem Lieblingsgerät Stufenbarren einen furiosen Start hin. 14,866 Punkte waren der verdiente Lohn für ihre einwandfreie Übung, noch mehr als im Team-Wettkampf. Damit lag Seitz nach dem ersten Durchgang gar auf Platz drei hinter Superstar Biles und der belgischen Barren-Spezialistin Nina Derwael. Am Samstag im Gerätefinale will sie nochmal alles geben und dann erneut ihre höchst schwierige Verbindung zwischen den Holmen zeigen, die ihr am Donnerstag schon gelang und ihre Übung weiter aufwertet. «Das war der Plan. Ich bin sehr zufrieden mit der Verbindung, und es war ein optimaler Einstieg in den Wettkampf», sagte Seitz.

Auch die coole Kölnerin Voss begann in ihrer Paradedisziplin am Schwebebalken. Die 19-Jährige bewies erneut Nervenstärke, leistete sich keinen einzigen Wackler und erhielt mit 13,866 Punkten am Ende die siebtbeste Wertung an dem nur zehn Zentimeter breiten Gerät, an dem sie am Sonntag im Gerätefinale steht. «Dann geht es bei null los. Mal sehen, was am Ende herauskommt», sagte Voss.

Die Bodenfläche war ein wenig zu kurz für Voss, die drei Zehntel Punkte Abzug kassierte, weil sie nach einer Akrobatik einmal mit den Füßen draußen stand. Gleichwohl war sie mit 12,866 Zählern absolut zufrieden. Seitz kam bestens durch ihre Balken-Übung (13,233).

Im Vergleich zum Team-Event steigerte sich Voss auch im dritten Durchgang am Sprung (14,500) und lag richtig gut im Rennen. Seitz riss mit ihrer Ausstrahlung ihr Heimpublikum auch am Boden (13,300) mit, während ihre Mutter und ihr kleiner Bruder auf der Tribüne mitfieberten. Als Achte ging Seitz ans letzte Gerät und brachte ihren Sprung mit Doppelschraube in den sicheren Stand (14,600). Voss beendete den besten Wettkampf ihrer Karriere mit 13,666 Zählern am Barren und war ebenfalls glücklich. «Jetzt werden wir ein bisschen feiern, und dann geht es früh ins Bett.»