Rag'n'Bone Man: Einheit in der Vielfalt

16.02.2017, 18:04

Berlin (dpa) - Was haben Adele, Sam Smith, James Bay und Rag'n'Bone Man gemeinsam? Sie alle gewannen den Brits Critics' Choice Award - ein ziemlich guter Indikator für eine verheißungsvolle Karriere.

Das Fundament steht auf jeden Fall: Mit seinem Song «Human» stand Rag'n'Bone Man allein zwölf Wochen auf Platz eins der deutschen Single-Charts, heimste längst Platin ein und platzierte sich mit dem «Human»-Clip auf Platz eins der Top-Musikvideos in Deutschland. Mehr geht kaum.

Der Erfolg hat lange auf sich warten lassen. Rory Graham, wie Rag'n'Bone Man in Wirklichkeit heißt, macht zwar schon seit seinen Teenie-Zeiten Musik, aber erst jetzt gelang dem inzwischen 32-Jährigen der Durchbruch.

So eine zupackende und kernige Retro-Nummer wie «Human», die mal nichts mit dem digitalen Plastik-Pop der Charts zu tun hat, muss man erst einmal raushauen. Die Handclaps, der rollende Bass, die Stimme - das nimmt einen von Anfang an gefangen. Und von den hymnischen Passagen lässt man sich gerne forttragen. Dieser Mann ist raumfüllend - nicht nur was seinen Körperstatur angeht.

Auf die Finger seiner Hände hat er Funk und Soul tätowiert - die beiden wichtigsten Quellen seiner Inspiration. Hip-Hop, Blues, Gospel und Pop hätten auch noch drauf gepasst - alles zusammengehalten von dieser kräftigen, von Lebenserfahrung zehrenden Soul-Stimme, die er bei Auftritten mit maximal zwei Tassen heißen Tee mit Rum schmiert.

Und diese Vielfalt spiegelt sich auch auf dem Debütalbum von Rag'n'Bone Man wieder, das ebenfalls «Human» heißt. «Ich möchte, dass die Leute einen Song hören, dann einen anderen und denken, dass beide auf unterschiedlichen Alben sein könnten. Außerdem will ich nicht, dass die Leute sich langweilen und alles gleich klingt», sagte der Brite im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Dafür hat Rag'n'Bone Man auf ein abwechslungsreiches Instrumentarium zurückgegriffen. Da trifft in «Innocent Man» ein einsames Saxophon auf einen fetten Bläsersatz und Highspeed-Handclapping, legt eine Hammondorgel einen weichen Teppich aus («Skin»), flirren Gitarren durch «Bitter End», sorgen Fingerschnips in «Be The Man» für den coolen Moment, schweben die Geigen in «As You Are» und zirpen die Trompeten durch die funkige Nummer «Ego».

Dabei umkreisen die neuen Songs des Knochenmannes durch ihre Rhythmus-Orientierung und die hymnischen Passagen unablässig seinen Hitsong «Human» - und docken immer wieder daran an. Und manch seelenstreichelnde Ballade («Love Yo Any Less», «Grace») öffnet das Herz. Darauf lässt sich aufbauen. Und während in der Welt alles drunter und drüber geht, empfiehlt sich Rag'n'Bone Man als verlässliche Größe.