Kadercheck der WM-Gegner

Auf diese Spieler muss die Nationalmannschaft achten

Nur noch wenige Wochen bis zum größten Sportereignis des Jahres. Bei der Weltmeisterschaft 2018 trifft die deutsche Nationalmannschaft in der Gruppe F auf die Konkurrenz aus Südkorea, Mexiko und Schweden. Radio Gong beleuchtet die Stärken der einzelnen Teams und zeigt, auf welche Spieler Joachim Löw besonders achten muss.

Die Gruppenauslosung bescherte Deutschland für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland eine bunt gemischte Gruppe, die mit einigen Spitzenspielern aufwartet und Herausforderungen bereithält. Nichtsdestotrotz geht “Die Mannschaft” als Favorit in die Gruppenphase und in das Turnier. Das ist sogar statistisch belegt. Die Bank UBS installierte 18 Analytik-Experten, die die Wahrscheinlichkeit eines Titelgewinns durch Simulationen herausfinden sollte. Die Experten ließen insgesamt 10.000 Wiederholungen des gesamten Turniers durchlaufen und kamen zu einem Ergebnis: Mit großem Abstand wird Deutschland erneut Weltmeister. Die Wahrscheinlichkeit für einen Turniersieg liegt bei 24 Prozent und damit fast fünf Prozent höher als beim Zweitplatzierten, der brasilianischen Nationalmannschaft. Die Chance auf den zweiten Platz beim Turnier liegt für die deutsche Mannschaft sogar bei 36,7 Prozent und eine Halbfinal-Teilnahme wird für Manuel Neuer und Co zu mehr als 50 Prozent erwartet. Dritter Turnierfavorit ist laut UBS die spanische Mannschaft, die immerhin eine 16-prozentige Chance auf den Gewinn der Weltmeisterschaft 2018 in Russland aufweist. Die geringste Chance auf einen Titelgewinn hat die Mannschaft aus Panama. Bei 10.000 Turnier-Wiederholungen kam sie nicht einmal ins Finale und nur mit einer 0,2-prozentigen Wahrscheinlichkeit ins Halbfinale. Doch wie positionieren sich die deutschen Gruppengegner?

Mexiko: Der größte Konkurrent der deutschen Nationalmannschaft

 

Als souveräner Gruppensieger beendete Mexiko die Gruppenphase für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Das Team von Juan Carlos Osorio schoss nicht nur die zweitmeisten Tore in der Qualifikationsgruppe, sondern kassierte in zehn Spielen nur sieben Gegentore. Mit sechs Siegen und nur einer Niederlage standen am Ende der Qualifikation fünf Punkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten aus Costa Rica. Dabei deklassierte Mexiko auf dem Weg nach Russland vor allem die USA, die beim größten Fußballturnier nicht dabei sein werden und nur den fünften Platz belegten. Das mexikanische Team besitzt eine gelungene Mischung aus Souveränität in der Abwehr und einer geradlinigen Offensive. Dabei stechen einige Spieler aus dem Kollektiv heraus. Der aus Leverkusen bekannte Chicharito ist weiterhin einer der Stars des Teams. Als Säule in der Sturmspitze absolvierte er fünf Spiele der Qualifikation als Stammspieler und schoss zwei Tore; zusätzlich gab er eine Vorlage. Es ist zu erwarten, dass Chicharito bei der WM 2018 zu einer der prägenden Figuren der Mexikaner wird. Der Stürmer von West Ham United steht mit 29 Jahren in der Blüte seiner Leistungsfähigkeit und wird auf den Außen von den herausragenden Flügeln Lozano und Vela unterstützt. Das Offensiv-Trio wird die Abwehrreihe um Hummels und Boateng zur Höchstleistung antreiben.

 

Die Abwehr der Mexikaner ist elitär und beginnt bereits im Mittelfeld. Der starke Hector Herrera, der bei Porto zur Stammelf gehört, ist ein Arbeitstier und ist sowohl kreativer Geist als auch Abräumer der Mexikaner - auch wenn er häufig auf den Flügeln zu finden ist. Dahinter postieren sich eine Vierer- oder Fünferkette, die den gegnerischen Angreifern den Raum zum Arbeiten nimmt. Keine Frage, es handelt sich nicht um die stärkste Abwehr des WM-Turniers, dafür sind die einzelnen Spieler nicht herausragend genug. Doch die mexikanische Nationalmannschaft lebt vom Kollektiv und der zielstrebigen Arbeitsweise. Das wird es auch Timo Werner & Co schwierig machen, einfache Tore gegen die Mittelamerikaner zu erzielen. Übrigens: Die Berechnung der Bank UBS sieht Mexiko auf dem elften Platz, wenn es darum geht, den WM-Titel zu erlangen. Die Chance auf ein Halbfinale liegt sogar bei elf Prozent. Also Achtung: Die Mexikaner sind ein geschlossenes Kollektiv mit einer extraordinären Offensive.

 

Schweden ohne Ibrahimovic - und doch nicht zu unterschätzen

 

Wer an die schwedische Mannschaft denkt, kommt an Superstar Zlatan Ibrahimovic nicht vorbei. Doch bei der WM 2018 wird der außergewöhnliche Stürmer nicht für die Skandinavier auflaufen. Zwar heizte Ibrahimovic, der mittlerweile in den USA sein Geld verdient, in Talkshows seine mögliche Teilnahme noch einmal an, doch ein Dementi des schwedischen Teammanagers besiegelt das Aus für den extrovertierten Stürmer. Der Qualität der Schweden tut dies jedoch keinen enormen Abbruch, wurde doch bereits die komplette Qualifikation ohne Ibrahimovic überstanden. In zwei spannenden Playoff-Spielen schafften es die Schweden sogar, den 2006er Weltmeister Italien um Superstar Gianluigi Buffon aus der Teilnahme am Turnier in Russland zu verbannen. Das war jedoch nicht der einzige Kracher, dem Schweden die Teilnahme verwehrte. In eine der schwersten Qualifikationsgruppen, mit Frankreich, den Niederlanden und Bulgarien, wurden die Schweden aufgrund der besseren Tordifferenz Zweiter. Die Niederlande um Arjen Robben fährt damit nicht zur Weltmeisterschaft.

 

Der Ersatz für Ibrahimovic heiß Marcus Berg und wird einigen Fans sicher noch von seiner Zeit beim Hamburger SV bekannt sein. Mittlerweile spielt Berg in der Arabian Gulf Leage für den Al-Ain Sport-Club, hat von seiner Klasse jedoch nichts eingebüßt. Mit acht Toren in neun Spielen gehörte Berg zu den elitärsten Stürmern der WM-Qualifikation und musste nur Superstars wie Lewandowski, Ronaldo, Lukaku und André Silva vor sich lassen. Der Rest des schwedischen Teams ist europäisches Mittelmaß. Mit Forsberg und Ekdal finden sich zwei Spieler aus der Bundesliga im Kader der Schweden. Das restliche Team ist über Europa verstreut. Die bekanntesten Spieler sind Mikael Lustig und Marcus Berg. Den Schweden fehlt bei der WM 2018 die absolute Extraklasse, um beim Turnier eine entscheidende Rolle zu spielen. Aufgrund der Historie in der Qualifikation sollte das Team von Joachim Löw jedoch nicht mit zu viel Übermut in die Partie starten. Schweden ist ein unangenehmer Gegner, der andere Mannschaften auf das eigene Niveau zieht und über Leidenschaft ins Spiel kommt. Die Chance auf einen WM-Gewinn sehen die Analytiker der UBs bei 0,4 Prozent und selbst die Wahrscheinlichkeit, Gruppenzweiter zu werden, beläuft sich in allen Simulationen nur auf 23,7 Prozent. Schweden sollte für Deutschland kein Hindernis darstellen.

 

Südkorea: Erinnerungen an 2002 und eine veränderte Mannschaft

 

Deutschland gegen Südkorea - das war einmal ein Halbfinale. Am 25.06.2002 standen sich die Mannschaften bei der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan gegenüber. Deutschland behielt gegen die laufstarken Koreaner dank eines Tores von Michael Ballack die Überhand und zog ins Finale ein, das im Anschluss gegen Brasilien verloren wurde. 16 Jahre später kommt es nun zum Wiedersehen während der Gruppenphase. Und während bei Deutschland vom 2002er Rumpelfußball kaum noch etwas übrig geblieben ist, verlassen sich die Südkoreaner weiterhin auf ihre Laufstärke, die sie seit jeher prägen. In Asien ist die Mannschaft um Superstar Heung-Min Son damit die mit Abstand stärkste Mannschaft. Die Qualifikation war ein Kinderspiel: Aus acht Spielen holten die Koreaner acht Siege. Mit einem Torverhältnis von 27:0 zeigte sich, dass es in der WM-Qualifikations-Gruppe mit Libanon, Kuwait, Myanmar und Laos keine echten Gegner gab.

 

Dennoch werden die Asiaten bei der WM 2018 in Russland Probleme bekommen. Die körperliche Überlegenheit der Schweden und Deutschen wird vor allem die Defensive vor eine Herausforderung stellen. Diese sieht Nationaltrainer Shin als Achillesferse: “Für mich ist im Moment unsere Verteidigung der schwierigste Teil”, sagte er bei der Berufung des Kaders. Für Südkorea gilt, dass sie immer für ein Tor gut sind. Die quirligen Stürmer um Superstar Son bringen mit ihrem Tempo Abwehrspieler in die Bredouille. Sobald es jedoch um Taktik oder Körperlichkeit geht, werden die Südkoreaner von den meisten Mannschaften überholt. Aus diesem Grund gilt Südkorea als schwächste Mannschaft der deutschen Gruppe F. Das sieht auch die Statistik so: Die Chance auf den Gruppensieg liegt bei 5,4 Prozent, die Wahrscheinlichkeit für den zweiten Platz in der Gruppe mit 17,7 Prozent ebenfalls besonders gering.

 

Fazit

Deutschland bleibt auch nach der Analyse der einzelnen Teams Favorit auf den Gruppensieg. Keine andere Mannschaft kann mehr Erfahrung bei großen Turnieren vorweisen, ist Weltmeister und kennt vor allem die Neuerung des Videobeweises bereits aus erster Hand. Unangenehmster Gegner der Gruppe F wird wohl Mexiko, das sich auf eine hervorragende Offensive und eine geschlossene Defensive verlassen kann. Im Zweikampf mit den Schweden wird es darum gehen, wer den zweiten Platz in der Gruppe belegt. Für Südkorea bleibt das mulmige Gefühl, in Asien das Maß aller Dinge zu sein; im Weltfußball jedoch keine entscheidende Rolle zu spielen.

 

 

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