Schwerhörigkeit: Ab wann braucht man ein Hörgerät?

 

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 13 bis 14 Millionen Menschen, die unter einer behandlungsbedürftigen Schwerhörigkeit leiden. Dabei sind nicht nur ältere Menschen davon betroffen, sondern auch jüngere und sogar Neugeborene. Es gibt Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit. Diese können von Dauer oder nur vorübergehend sein. Die Ausprägung kann leicht, stark und sehr einschränkend sein. Hörstörungen können plötzlich auftreten oder sich mit der Zeit einschleichen.

  

Bei Kindern kommt es häufig im Verlauf eines Infekts der oberen Luftwege zu vorübergehenden Hörstörungen, wenn sich beispielsweise Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt. Meistens sind konservative Behandlungsmethoden ausreichend. In seltenen Fällen ist eine Operation notwendig.

Auch das Alter kann einfach die Ursache sein, denn viele Körperfunktionen lassen mit der Zeit nach, so auch das Seh- und Hörvermögen. In diesem Fall ist ein Hörgerät die beste Möglichkeit, wieder gut zu hören.

Wer ein Hörgerät braucht, sollte sich vertrauensvoll an einen Hörgeräteakustiker wenden und sich beraten lassen, empfiehlt der Hörgeräteakustiker GEERS.

 

Woran sind Hörschäden erkennbar?

Hörminderungen sind nicht so einfach zu erkennen. Sie entwickeln sich oft schleichend über einen sehr langen Zeitraum. Oft merken es eher Freunde, Kollegen oder die Familie, wenn mit den Ohren etwas nicht stimmt. Zu den typischen Anzeichen gehört

- ein sehr lauter Fernseher, der andere stört,

- viele Missverständnisse bei Unterhaltungen,

- ein Ohr zu bevorzugen,

- Menschen häufig bitten das Gesagte zu wiederholen

- oder der Rückzug von sozialen Kontakten.

Wer solche Signale bei sich feststellt, sollte direkt zum Hals-Nasen-Ohrenarzt oder zum Hörakustiker gehen. Wer sie bei anderen bemerkt, sollte etwas sagen, damit der andere zum Arzt oder Hörakustiker gehen kann.

 

Was sind häufige Ursachen für eine Schwerhörigkeit?

Wenn Hörstörungen plötzlich auftreten, steckt häufig ein Hörsturz dahinter. Dabei hören die Betroffenen von einem auf den anderen Moment auf einem Ohr nichts mehr. Manchmal sind die Betroffenen nur vorübergehend minimal eingeschränkt. Bei anderen führt der Hörsturz zum vollständigen Hörverlust. Es gibt wirkungsvolle Medikamente zur Behandlung eines Hörsturzes. Bei schwerwiegenden Hörstörungen oder vollständiger Ertaubung kann ein operativer Eingriff notwendig werden.

Der Paukenerguss kommt bei Kindern häufig vor. Grund dafür können vergrößerte Rachenmandeln sein, die die Belüftung des Ohres beeinträchtigen. Auslöser sind dabei nicht nur Infekte, sondern auch Allergien. Zur Behandlung entfernt ein Chirurg meist die Rachenmandeln und saugt das Sekret ab, das die Belüftung behindert. Manchmal ist es notwendig, kurzzeitig ein Belüftungsröhrchen einzusetzen.

Ein verstopfter Gehörgang kann ebenfalls Ursache für schlechtes Hören sein. Dann ist der Schalltransport unterbrochen und es liegt eine Schallleitungsstörung vor. Ein Pfropf Ohrschmalz kann die Ursache für einen plötzlichen Hörverlust sein. Das Problem kann der HNO-Arzt ganz leicht beseitigen, indem er den Pfropf entfernt. Selbst zu versuchen, den Gehörgang wieder freizubekommen, beispielsweise mit einem Wattestäbchen, kann das Problem noch verschlimmern.

Ein lautes Schallereignis kann ebenfalls eine Hörschädigung auslösen. Dann ist die Rede von einem Knalltrauma. In den meisten Fällen kommt es dann zu einer Innenohr-Schwerhörigkeit, beispielsweise nach einem Schuss, einer Explosion oder einem anderen plötzlichen, sehr lauten Knall. Potenziell gefährlich sind auch Lärmereignisse auf einem Konzert, wenn der Betroffene direkt neben oder vor einem Lautsprecher steht.

Verschiedene entzündliche Ohrerkrankungen oder Erkrankungen der Gehörknöchelchen oder des Trommelfells können ebenfalls die Schallübertragung beeinträchtigen. Hier kann ein mikrochirurgischer Eingriff von einem spezialisierten Ohrchirurgen helfen, das Hörvermögen im Mittelohr zu verbessern. Darüber hinaus ist es möglich, kranke Gehörknöchelchen gegen künstliche auszutauschen.

Warum es im Alter zu Hörstörungen kommt, ist noch nicht zu 100 Prozent wissenschaftlich geklärt. Folgende Ursachen sind denkbar:

- Ablagerungen im Ohrbereich

- die Bindegewebsstrukturen haben sich verändert

- Durchblutungsstörungen

- häufig auftretende chronische Entzündungen im Bereich von Hals, Nase und Ohren

- Alterungsprozesse im Gehirn

- schädliche Umwelteinflüsse

- familiäre Veranlagung

- Medikamente

- Umweltgifte

- Lärm

- ungesunde Ernährung

- Alkoholmissbrauch

- Nikotinkonsum

- Bewegungsmangel

- Stress

 

Was hilft den Betroffenen?

Altersschwerhörigkeit lässt sich sehr häufig mit einem Hörgerät beheben. Mehr als der Hälfte der Betroffenen könnte damit geholfen werden. Doch viele wollen kein Hörgerät oder tragen es nicht, obwohl sie eines haben. Grund dafür ist der oft langwierige Prozess, mit einem Hörakustiker das richtige Gerät herauszusuchen. Häufig mangelt es an der notwendigen Ausdauer. Vielen fällt es auch schwer, sich an das Hörgerät zu gewönnen. Alles klingt damit anders und nicht mehr vertraut. Es gibt jedoch noch kein Hörgerät, mit dem Patienten genauso hören wie zuvor mit den gesunden Ohren.

 

Die Ohren vor Lärm schützen

Wenn Lärm zu laut ist oder zu lange auf die Ohren einwirkt, kann sich daraus eine Innenohrschwerhörigkeit entwickeln. Sie nimmt mit der Zeit zu und das Gehör verschlechtert sich spürbar. Wer im Beruf häufig Lärm ausgesetzt ist, sollte sich unbedingt an die Vorschriften der Berufsgenossenschaft zum Lärm- und Gehörschutz halten. So lassen sich beruflich bedingte Hörstörungen vermeiden.

 

Fazit – Hörfähigkeit nimmt im Lauf des Lebens ab

Nicht jeder leidet im Alter unter Schwerhörigkeit. Es gibt viele, die auch mit 70 Jahren noch gut hören, während manche 40-Jährige bereits ein Hörgerät brauchen. Das hängt auch von der individuellen Veranlagung ab. Das Gehör altert, wie viele andere biologische Funktionen auch. Eine Hörminderung wirkt sich häufig auf andere Vorgänge aus, wie das Sprachverstehen und die kognitive Leistungsfähigkeit, also die Fähigkeit des Gehirns, Probleme schnell zu lösen, Zusammenhänge klar zu erkennen und Informationen effektiv zu verarbeiten.