Gratisproben im Internet: Zwischen echten Schnäppchen und Mogelpackungen unterscheiden

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Gratisproben sind ein Marketinginstrument, das vor allem im Einzelhandel schon seit Jahrzehnten Verwendung findet. Mit dem Ausbau des E-Commerce haben sich Gratisproben auch im Internet etabliert. In Form von kostenlosen Mustern oder Gutscheinen werden sie von Unternehmen gerne eingesetzt, um ihre Produkte einer breiten Zielgruppe bekannt zu machen. Inzwischen haben sich ganze Internetplattformen gebildet, die Gratisproben und Testaktionen vermitteln. Doch nicht immer bedeutet kostenlos auch wirklich, dass der Kunde nichts bezahlen muss. Der Verbraucherschutz warnt vor Mogelpackungen, die mit Gratisproben werben, im Zweifelsfall aber zur Kostenfalle werden können.

 

Das Freispiel als Gratisprobe: Casino-Anbieter machen es vor

Sie mögen auf den ersten Blick nicht wie typische Gratisproben aussehen, doch die Freispiele, die vor allem Online-Casinos ihren Kunden anbieten, sind eine sehr klassische Erscheinungsform dieser Marketingstrategie. Freispiele werden von Anbietern gerne genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen und Spielern die Chance zu geben, sich persönlich von den angebotenen Leistungen zu überzeugen, bevor sie Echtgeld investieren. Vor allem Neukunden kommen häufig in den Genuss eines Willkommensbonus, bei dem sie im Casino ohne Einzahlung verschiedene Spiele ausprobieren und dabei auch die Nutzungsbedingungen und den Kundenservice eines Online-Casinos einer ersten Prüfung unterziehen können.

Seriöse Anbieter legen bei dieser Form der Gratisprobe großen Wert auf Transparenz. Das bedeutet, dass die Bedingungen, die an die Nutzung von Freispielen geknüpft werden, auf der Internetpräsenz verständlich erklärt und auch in den AGB noch einmal schriftlich fixiert sind. Dabei kann es sein, dass die Inanspruchnahme von Freispielen an bestimmte

Bedingungen geknüpft ist, wie zum Beispiel einen zuvor erzielten Mindestumsatz oder einen festgelegten zeitlichen Rahmen, indem die Freispiele genutzt werden müssen, bevor sie verfallen. Über diese Voraussetzungen muss der Kunde im Sinne des Spielerschutzes aber ausdrücklich informiert werden. Für seriöse Anbieter, die ihren Service im Rahmen des neuen Glücksspielstaatsvertrages mit einer deutschen Lizenz anbieten möchten, ist die Transparenz von Nutzungsbedingungen eine Grundvoraussetzung.

 

Gratisproben im klassischen E-Commerce

Manche anderen Geschäftsmodelle haben den Verbraucherschutz in der Vergangenheit häufiger beschäftigt, denn hinter vermeintlichen Gratisproben können Kostenfallen lauern, immer dann nämlich, wenn kostenlos nicht wirklich kostenlos ist.

Aufpassen sollte man bei Internetplattformen, die Gratisproben verschiedener Anbieter vermitteln. Klarer umrissen wird diese Leistung in Fällen, wo Nutzer bei diesem Konzept ein Kundenkonto einrichten können und kostenlos oder gegen einen Pauschalbetrag eine große Palette an Produkten als Gratisprobe erhalten. Dieser Betrag und alle Beddingungen sollten genau fetsgelegt sein. Zu den Proben zählen oft auch kostenlose Gutscheine, die einen Rabatt auf Waren oder Dienstleistungen gewähren. Je nach Plattform und Geschäftsmodell können die Produkte einzeln oder nach Produktgruppen und persönlichen Vorlieben zusammengestellt oder per Zufallsauswahl bezogen werden.

Im E-Commerce werben viele Unternehmen mit Gratisproben. Versandkataloge für Handarbeitsbedarf legen ihren Kunden gerne ein Muster neuer Stoffe oder Wollsorten bei oder Kosmetikunternehmen verteilen Proben von Parfums oder Reinigungsprodukten.

Beliebt sind auch Gratisproben für Babyartikel, die zum Beispiel von großen Unternehmen oder Drogeriemärkten ausgegeben werden. In diesem Fall sind die Gratisproben meist an eine kostenlose Mitgliedschaft in einem Club geknüpft, durch die dem Kunden zwar keine ungewollten Kosten entstehen, dafür stellt er seine persönlichen Daten für die regelmäßige Zusendung von Produktinformationen oder Newslettern zur Verfügung.

Daran angelehnt sind Produkttestaktionen, bei denen sich Unternehmen bestimmten Zielgruppen anbieten, neue Produkte kostenlos zu testen. Für die Produkttester entstehen in der Regel keine oder nur geringe Kosten, allerdings verpflichten sie sich im Anschluss an die Testphase, ihre persönlichen Erfahrungen zu veröffentlichen.

 

Verbraucherschutz warnt: Diese Risiken können Gratisproben bergen

Die Risiken, die sich für Kunden hinter dem Geschäft mit den Gratisproben verbergen können, sind vielfältig. Der Verbraucherschutz warnt vor Geschäftsmodellen, bei denen die Tücke im Detail steckt.

So berichten Nutzer von Gratisprobenplattformen zum Beispiel häufig, dass sie nach ihrer Registrierung zwar innerhalb kurzer Zeit ihren Unkostenbeitrag einbezahlt haben, die versprochenen Gratisproben haben sie allerdings nie erhalten. Häufig treffen nur vereinzelte Proben ein, die nicht mit dem versprochenen Umfang übereinstimmen.

Auch die mangelnde Qualität der Produkte war ein häufiger Kritikpunkt der Kunden, ebenso die fehlende Relevanz für die persönlichen Bedürfnisse. Nicht selten scheinen Produktproben willkürlich und ohne Bezug zu einer bestimmten Zielgruppe versendet zu werden.

Besonders ärgerlich wird es allerdings, wenn sich die Einmalzahlung als Abofalle entpuppt und Kunden plötzlich wiederholt zur Kasse gebeten werden. Nicht selten werden dem

Verbraucherschutz auch Fälle gemeldet, bei dem kostenlose Gratisproben vermittelt wurden und dem Kunden anschließend hohe Rechnungen ins Haus flattern, begleitet von scharfen Mahnschreiben eines Inkassounternehmens, oder die Gratisproben an eine anschließende Kaufverpflichtung gebunden sind. Hier empfiehlt der Verbraucherschutz, vor der Anforderung von Gratisproben die Geschäftsbedingungen genau zu prüfen und gezielt nach Hinweisen auf Zusatzkosten oder eine Abnahmeverpflichtung zu suchen. Für den Fall einer rechtlichen Auseinandersetzung kann es sinnvoll sein, jeglichen Schriftverkehr mit dem Anbieter zu dokumentieren und gegebenenfalls auch einen Screenshot von der Eingabemaske im Anmeldeprozess zu machen, um nachweisen zu können, dass auf eventuelle Folgekosten nicht ausreichend hingewiesen wurde.

 

Der Fall Probenheld.de

Ein Fall, der in der Vergangenheit in den Medien große Präsenz erfahren hat, ist die Website Probenheld.de. Das Portal bot Kunden Gratisproben zu Waren und Dienstleistungen. Im späteren Verlauf wurden viele Verbraucher allerdings mit hohen Geldforderungen für Abonnements konfrontiert, die sie im Rahmen der Probenanforderung abgeschlossen haben sollten. Besonders häufig traten Rechnungen im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft bei einem Seitensprungportal auf.

Hierzu informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

 

„Nur wenn Internetsurfer auf eindeutig beschriftete Schaltflächen klicken, kommen kostenpflichtige Verträge zustande. Eindeutig ist beispielsweise eine Beschriftung, wie „Jetzt kostenpflichtig bestellen“.“ (Quelle: https://www.test.de)

 

Kunden, die über Probenheld.de in die Abofalle gelockt wurden, kann trotzdem eine rechtliche Auseinandersetzung bevorstehen. Aktuell ist die Website nicht erreichbar. Informationen des Landeskriminalamtes Niedersachsen zufolge wird gegen den Betreiber wegen Betruges ermittelt.

 

Gar keine Mogelpackung: München ist das Mekka der Gratisproben

Gratisproben können nicht nur in Form von Waren zur Verfügung gestellt werden. In München kommen Einheimische und Besucher vor allem in den Genuss kostenloser Freizeitmöglichkeiten.

Die Sternwarte im Deutschen Museum bietet beispielsweise jeden Dienstag- und Freitagabend einen kostenlosen Blick in den Sternenhimmel an. Durch das 40cm-Cassegrain-Spiegelteleskop dürfen Museumsbesucher unter Anleitung das Weltall ganz nah genießen.

Insgesamt sind Münchens Museen spendabel, was den Eintritt angeht. Das Geologische Museum, die Rathausgalerie und das Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke dürfen Besucher jeden Alters ohne Eintritt besuchen. In anderen Häusern, wie den Staatlichen Antikensammlungen oder der Schatzkammer der Residenz zahlen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keinen Eintritt.

Wer mehr Lust auf Natur hat, ist im Walderlebniszentrum des Grünwalds und im Hirschgarten bestens aufgehoben, und komplett kostenlos noch dazu.

In München kommen Sparfüchse also ganz ohne Abofalle auf ihre Kosten, und natürlich steht einem weiteren Besuch der Lieblingsstationen nichts im Wege.

09.11.2021