Glasflaschen, Plastikverpackungen und Co - wie sieht die Ökobilanz einzelner Verpackungen aus?

Trotz der Nachhaltigkeits-Welle und Fridays For Future scheint die Notwendigkeit zur Müllvermeidung zugunsten des Klimas noch nicht beim Durchschnittshaushalt angekommen zu sein. Das Umweltbundesamt konstatiert aktuell, dass deutsche Verbraucher heute rund 23 Prozent mehr Verpackungen wegwerfen als noch im Jahr 2000. Insgesamt ergibt das einen Müllberg von 226,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Angesichts dieser Menge wird es höchste Zeit, sich die Ökobilanz der unterschiedlichen Verpackungsmaterialien anzuschauen. Wer nicht unverpackt einkaufen will, kann dann in puncto Nachhaltigkeit zumindest die günstigste Wahl treffen

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Was heißt Ökobilanz bei Verpackungen?

Wenn Studien verschiedene Verpackungen anhand ihrer Ökobilanz vergleichen, beziehen sie verschiedene Faktoren mit ein: Den Ressourcen- und Energieverbrauch bei der Herstellung von Rohstoffen und Verpackungsmaterial, die Auswirkungen auf Luft und Gewässer, die Recyclingquote und auch die nötige Transportenergie im Falle von Mehrwegverpackungen. Daraus ergeben sich die folgenden Beurteilungen:

Die Mehrweg-Glasflasche – uneingeschränkt nachhaltig?

Sein liebstes Getränk genießt der Deutsche meist aus der Mehrwegverpackung: Rund 80 Prozent der Biere hierzulande werden in der wiederverwendbaren Glasflasche angeboten. Generell schonen die Flaschen das Klima, da sie bis zu 50-mal wiederbefüllt werden können und auf diese Weise nur 50 Prozent der Kohlendioxidemissionen verursachen wie Einwegverpackungen aus Kunststoff. Allerdings wird das Potenzial der Glasflasche nur dann optimal genutzt, wenn der Weg vom Einzelhandel zum wiederbefüllenden Betrieb relativ kurz ist. Deutschlands hohe Brauereien-Dichte garantiert dies vor allem

für den Gerstensaft. Im Falle von Fruchtsaft schneidet die gläserne Mehrwegflasche nicht ganz so gut ab, liegt aber laut Ökobilanz 2018 mit dem Getränkekarton gleichauf.

Es kommt auf den Inhalt an

Muss die Mehrwegglasflasche zur Wiederbefüllung weite Strecken reisen, fällt ihre Klimabilanz im Vergleich zu anderen Verpackungsarten eher negativ aus. Bei Frischmilch wird die Glasflasche während ihrer Lebensdauer etwa 1231 Kilometer transportiert – das sind 779 mehr als ein Einwegkarton. Dazu kommt, dass die Glasflasche pro Verpackungseinheit schwerer ist als der Karton und beim Transport höhere CO2-Emissionen erzeugt. Daher gilt die Grundregel: Milch in der Mehrwegflasche ist dann eine gute Wahl in puncto Nachhaltigkeit, wenn sie direkt aus der Region stammt.

Einweg-Gläser und -flaschen – besser als ihr Ruf

Glas ist ein dankbarer Rohstoff im Recycling: Er kann beliebig oft wieder eingeschmolzen und neu verwendet werden, allerdings verbindet sich die Prozedur mit einem relativ hohen energetischen Aufwand. Die Scherben müssen sortiert, gewaschen und auf 1600 Grad Celsius erhitzt werden, um neue Verpackungen und andere Produkte daraus herstellen zu können. Immerhin senkt die Nutzung von Altglas den Verbrauch von neuen Rohstoffen. Laut Umweltbundesamt liegt die Recyclingquote in der Glasproduktion durchschnittlich bei 62,7 Prozent.

Getränkedosen – die Büchsen verbessern ihre Ökobilanz

Die Herstellung von Aluminium verursacht hohe CO2-Emissionen, weil sie viel Energie benötigt. Zusätzlich fallen dem Abbau von Bauxit immer wieder Regenwald-Gebiete zum Opfer. Beide Gründe sorgen dafür, dass Aluminiumdosen üblicherweise neben der Einweg-Glasverpackung als unökologischste Variante genannt werden. Doch einige Vorteile kann die Dose doch ausspielen: Aufgrund ihrer dünnen Wand ist sie leicht und verursacht wenig Transportenergie.

Darüber hinaus konnten Getränkedosen ihren CO2-Fußabdruck im vergangenen Jahrzehnt um 31 Prozent reduzieren. Die entscheidenden Faktoren dafür sind ein 12 Prozent geringerer Aluminiumverbrauch pro Dose und eine Senkung des Strom- und Wasserverbrauchs in der Herstellung um 35 Prozent. Schließlich erreicht Aluminium eine der höchsten Recycling-Quoten aller Rohstoffe: 73 Prozent recyceltes Metall stecken in jeder Alu-Verpackung.

PET-Flaschen – Einweg oder Mehrweg?

Laut Studien zeichnen sich PET-Mehrwegflaschen für Getränke mit der günstigsten Ökobilanz aus. Die Kunststoff-Flaschen lassen sich 25-mal neu befüllen und bringen weniger Gewicht mit als die Mehrweg-Glasflasche. Daher erzeugt ihr Transport weniger Kohlendioxid. Allerdings sollten auch PET-Mehrwegflaschen zur Wiederbefüllung nicht zu weit reisen: Nur bei weniger als 600 Kilometern Wegstrecke lohnt sich die Wiederverwendung ökologisch, urteilen Experten. Möglich wird dies in erster Linie durch den Standardflaschenpool, den mehrere Getränkehersteller der Genossenschaft Deutscher Brunnen nutzen, was die Transportwege verringert.

Die PET-Einwegflasche wird zwar häufig als Pfandflasche verkauft, liegt in ihrer Ökobilanz jedoch weit hinter der Mehrwegflasche zurück. Nur ein einziges Mal dient sie als Getränkebehälter; anschließend werden zurückgegebene PET-Einwegflaschen zu Kunststoffgranulat verarbeitet. In neu hergestellten Flaschen findet sich dieser Rohstoff maximal zu 28 Prozent wieder. Stattdessen wird ein Großteil zu Fasern

und Folien verarbeitet. Problematisch ist der Anteil von PET-Einwegflaschen hierzulande, da die großen Discounter mit einem Marktanteil von über 50 Prozent ihr Mineralwasser ausschließlich in Einwegflaschen anbieten.

Papier- und Kartonverpackungen

Papier- und Kartonverpackungen bestehen zu etwa 70 Prozent aus Zellstoff. Wird dieser aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen, verbraucht die Kartonverpackung deutlich weniger fossile Ressourcen als Metall, Glas oder Kunststoff. Darüber hinaus haben Papierverpackungen eine hohe Recyclingquote: Durchschnittlich 68 Prozent Altpapier stecken in den gängigen Ausführungen. Schließlich überzeugt das geringe Gewicht der Kartonage. Frischmilch im Getränkekarton hat daher sogar die bessere Ökobilanz als Milch in der Mehrwegglasflasche.

Calciumcarbonat – Verpackungen aus Kreide

Durch den Zusatz von Kreide gelingt es, Kunststoffverpackungen in ihrer Ökobilanz günstiger zu gestalten. Denn das Calciumcarbonat ersetzt hier teilweise die Erdölprodukte, die auf einem endlich verfügbaren Rohstoff basieren. Bis zu 40 Prozent Kreide können dabei etwa Milchtüten oder Joghurtbechern zugesetzt werden. Vollständig lässt sich auf Plastik dabei nicht verzichten, da die Oberflächen der Verpackungen ansonsten zu porös für feuchte Produkte ausfallen würde. Der Kreideanteil garantiert 15 Prozent Ressourcenersparnis gegenüber Plastik und ermöglicht 20 Prozent leichtere Verpackungen, die wiederum die Transportenergie reduzieren.

Laminattuben – mit Sandwichtechnik gegen Oxidation

Zahnpasta, kosmetische Produkte und Lebensmittel sind gegen die Einwirkung von Licht und Sauerstoff geschützt, wenn sie in eine sogenannte Laminattube abgefüllt werden. Dabei unterscheidet man zwei Materialkombinationen. Bei der ABL-Tube (Aluminium Barrier Laminate) bildet eine Aluminiumfolie den Kern der Tube, die von Kunststoffschichten auf Außen- und Innenseite umgeben wird.

Bei der PBL-Tube (Plastic Barrier Laminate) bestehen die Laminat-Schichten aus unterschiedlichen Kunststoffen. Bezogen auf ein mögliches Recycling ist gerade Aluminium relativ effizient: 75 Prozent des Metalls können aus einer bestehenden Verpackung wiedergewonnen werden – dabei benötigt der Recyclingprozess nur 5 Prozent der Energie, die für die Primärherstellung des Metalls aufgewendet werden. Unter Verwendung des richtigen Kunststoffes ist dann auch eine Laminattube künftig recyclingfähig. Dazu gehört beispielsweise sortenreines Polypropylen, welches sich bereits heute zu einem hohen Grad wiederverwerten lässt.

Bio-Kunststoffe – immer gut für die Umwelt?

Der Begriff Bio-Kunststoff bezeichnet unscharf zwei völlig verschiedene Kategorien: Bio-basierte Kunststoffe entstehen unter Verwendung von Biomasse aus Mais oder Zuckerrohr, während biologisch abbaubare Kunststoffe sich unter idealen Bedingungen restlos zersetzen sollen. Die zwei Varianten unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen und ihrer Ökobilanz:

1. Bio-basierte Kunststoffe

Hier liegt der Vorteil darin, dass erdölbasierte Rohstoffe in der Herstellung teilweise durch pflanzliche Rohstoffe ersetzt werden. Damit besitzen diese Verpackungen durchaus eine günstigere CO2-Bilanz als

konventionelle Varianten. Allerdings betonen die Fachleute des Umweltbundesamts, dass sich die Nachhaltigkeit dennoch nicht verbessert. Den geringeren CO2-Emissionen von bio-basierten Kunststoffen überwiegen nämlich der höhere Flächenbedarf und die Versauerung des Bodens beim Anbau der benötigten Pflanzen.

2. Biologisch abbaubare Kunststoffe

Obgleich biologisch abbaubare Kunststoffe sich unter optimalen Bedingungen restlos zersetzen, dürfen Verpackungen aus diesem Material nicht in der Biotonne entsorgt werden. Diese Abfälle dienen als Rohstoff für die Düngemittelproduktion, wobei die betreffenden Kunststoffe stören würden. Stattdessen sollten Verbraucher die betreffenden Verpackungen im gelben Sack entsorgen. Die Vorteile in puncto Nachhaltigkeit sieht das Umweltbundesamt aktuell eher kritisch. Hier wird betont, dass die wiederholte Nutzung von Kunststoff durch Recycling eine bessere Ökobilanz hat als eine Verpackung, die nach einmaliger Verwendung wieder unter hohen Temperaturen abgebaut wird.

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Fazit: Die Recyclingquoten nehmen zu

Verpackungsmüll stellt angesichts des Klimawandels ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Umso wichtiger stellt sich dabei die Recyclingfähigkeit einzelner Materialen dar. Generell gilt: Mehrweg ist besser als Einweg – insbesondere, wenn das Produkt aus der Region stammt. Die positive Ausnahme unter den Einwegverpackungen bildet der Getränkekarton. Durch den Recycling-Anteil und das geringe Gewicht schlägt er Mehrweg-Gläser bei bestimmten Produkten in der Ökobilanz.