Geld statt Zeit und Mühe: Wie lohnend ist der Einsatz von Echtgeld in Computerspielen.

In der Computerspielbranche zeichnet sich ein Trend ab, der kontrovers diskutiert wird. Pay-to-Win heißt das Geschäftsmodell, das Spieleentwicklern ansehnliche Umsätze in die Kassen spült. Wer regelmäßig spielt, kommt früher oder später an kostenpflichtigen Inhalten für Computerspiele kaum vorbei. Aber lohnt sich der Einsatz von Echtgeld am Computer?

Pay-to-Win: So funktioniert der Echtgeldeinsatz im Spiel

Pay-to-Win ist ein Geschäftsmodell, das eng mit einem anderen Konzept verknüpft ist: Free-to-Play. Letzteres ist ein eher junger Trend in der Gaming-Branche. Er steht dafür, dass viele Computer- und Handyspiele kostenfrei angeboten werden, zumindest in einer Basisversion. Und an dieser Stelle setzt auch schon das Prinzip Pay-to-Win ein. Neben dem Basisspiel haben die Spieleentwickler meist eine große Auswahl an zusätzlichen Spielinhalten im Repertoire, die gegen einen Aufpreis erworben werden können. Kosmetische Aspekte gehören ebenso dazu wie Vorteile, die dem Spieler Zeit sparen und Spielinhalte freischalten, ohne diese selbst aktiv zu erspielen. Pay-to-Win funktioniert über In-App-Käufe, über In-Game-Währungen, die gegen Echtgeld aufgestockt und im Spiel ausgegeben werden können und über Abos, die dem Spieler gegen eine regelmäßige Zahlung den Zugang zu zusätzlichen Inhalten gewähren.

Obwohl das Geschäftsmodell des Pay-to-Win stark in der Kritik steht, wird es von Spielern genutzt. Eine 2019 von der DAK durchgeführte Studie unter dem Titel „Geld für Games“ ergab, dass vor allem Kinder und Jugendliche die kostenpflichtigen Inhalte nutzen. Im Rahmen der Studie wurden 1.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu ihrem Konsumverhalten in Computerspielen befragt. Mehr als 50 Prozent der Befragten gab an, innerhalb der letzten sechs Monate Geld für Computerspiele ausgegeben zu haben. Die durchschnittlichen Ausgaben lagen bei 110 Euro in einem halben Jahr. Aber auch Spitzenwerte von bis zu 1.000 Euro tauchten in der Befragung auf. Die Hürden für den Einsatz von Echtgeld sind niedrig, denn Ingame-Einkäufe können schnell und unkompliziert per Mausklick erfolgen. Den Löwenanteil des Echtgeldes investieren regelmäßige Spieler der Studie zufolge in kosmetische Features, die den individuellen Spielspaß erhöhen und in die spieleigene Währung, die im Spiel gegen kostenpflichtige Features eingetauscht werden kann.

Pay-to-Win ist nicht gleich Pay-to-Win

Das Geschäftsmodell des Pay-to-Win wird von Spielern, Branchenexperten und Pädagogen kritisch diskutiert. Dabei wird der Begriff nicht eindeutig verwendet. Streng genommen liegt nur ein Pay-to-Win vor, wenn der Einsatz von Echtgeld dazu führt, dass ein Spieler sich einen konkreten Vorteil gegenüber anderen Spielern erkauft.

Die wohl konkreteste und transparenteste Form des Echtgeldeinsatzes im Spiel begegnet uns im Online Casino. Die digitalen Angebote der Spielbanken haben zwar auch oft einen Demo- oder Freispielmodus, grundsätzlich entscheidet man sich aber bewusst für das Spielen in Online Casinos mit Echtgeld. Ein großer Vorteil: Der Übergang von kostenfreien Spielinhalten zur kostenpflichtigen Variante ist klar definiert. Der Einsatz von Echtgeld ist vor jedem Spiel eine bewusste Entscheidung und der Spieler legt selbst fest, welchen Betrag er investieren möchte. Außerdem machen seriöse Anbieter auch die Gewinnchancen und die Auszahlungsquoten für einzelne Spielvarianten transparent.

In klassischen Computerspielen verschwimmt dagegen häufig die Grenze zwischen Free-to-Play und Pay-to-Win. Auch wenn viele Spiele inzwischen in ihrer Basisversion kostenfrei angeboten werden, besteht doch eine sehr große Varianz im Hinblick darauf, wann Spieler mit den kostenlosen Inhalten an ihre Grenzen stoßen. Unter Gamern entscheidet meist die Art der kostenpflichtigen Inhalte darüber, ob Pay-to-Win akzeptiert wird. Müssen Features käuflich erworben werden, die einen echten Vorteil im Spiel bieten und die nicht in gleichem Umfang durch den Einsatz von Spielzeit und Geschick freigeschaltet werden können, erntet das Geschäftsmodell meist harsche Kritik.

Ein aktuelles Beispiel sind die kontrovers diskutierten Lootboxen, digitale Schatzkisten, die vor allem in verschiedenen MMORPGs angeboten werden. Sie können kosmetische Gegenstände enthalten, wie zum Beispiel Emotes, Kleidung und Rüstung ohne besondere Eigenschaften, Reittiere und Begleiter, optische Veränderungen des Charakters und seiner Ausrüstung, sogenannte Skins, oder Einrichtungsgegenstände. In den Lootboxen finden sich aber auch echte Vorteile im Spiel, wie zum Beispiel Ingame-Geld, Erfahrungspunkte oder eine Verbesserung des Erfahrungsgewinns, zusätzliche Charakterplätze, mehr Platz im Inventar, größere Traglast oder Geschwindigkeit des Reittieres, schnellere oder vergünstigte Reiseoptionen oder verbesserte Rüstungen und Waffen und nicht zuletzt eine höhere Priorität bei Warteschlangen oder Teambildungen im Spiel.

Pay-to-Win liegt eigentlich nur dann vor, wenn mit dem Einsatz von Echtgeld Vorteile im Spiel erkauft werden. Und auch hier muss unterschieden werden, ob diese Vorteile in demselben Umfang auch durch den Einsatz von Zeit und Geschick im Spiel erworben werden können. Besteht hier eine Chancengleichheit für alle Spieler und ist es möglich, auch ohne Zuzahlungen alle Vorteile zu erreichen, die mit Echtgeld gekauft werden können, liegt es allein im Ermessen des Spielers, ob er die kostenpflichtigen Inhalte nutzen möchte.

In die Kritik geraten sind vor allem Pay-to-Win-Modelle, bei denen einzelne Spielinhalte nur durch den Einsatz von Echtgeld erworben werden können, weil sie die Chancengleichheit der Spieler an eine kommerzielle Komponente binden. Häufig ist der Kauf von Spielinhalten aber nicht zwingend erforderlich, sondern vielmehr eine geschickt platzierte Anregung zu verstärktem Konsum.

Ist Zeitersparnis im Computerspiel ein Argument?

Wenn es um die Frage geht, warum Spieler die Angebote des Pay-to-Win nutzen, ist Zeitersparnis eines der am häufigsten angeführten Argumente. Durch den Einsatz von Echtgeld können Spielinhalte sofort freigeschaltet werden, die sonst nach und nach freigespielt werden müssten. Das Argument der Zeitersparnis wird vor allem im Zusammenhang mit Spielern angeführt, die aufgrund ihrer Alltagsgestaltung über wenig Freizeit verfügen und deshalb nicht die Möglichkeit haben, mit Spielern mitzuhalten, die viele Stunden in ein Spiel investieren können. Ist der in Vollzeit arbeitende Familienvater, der nur am Abend und am Wochenende Zeit am Computer verbringen kann, also im Nachteil gegenüber einem Jugendlichen, der über weitaus mehr freie Zeit verfügt und diese auch gerne am Computer verbringt?

In einem User-Artikel des Internetportals Gamers Global wird dieses Argument aufgegriffen und der Frage gegenübergestellt: Welches Ziel verfolgt die Nutzung eines Computerspiels? Wenn es darum geht, möglichst schnell und effizient ein Endziel zu erreichen, kann die Zeitersparnis durchaus ein Argument sein, um sich mit dem Einsatz von Echtgeld schneller an den gewünschten Punkt zu bringen. In seinem Ursprung ist das Computerspielen aber eine Freizeitgestaltung, bei der es darum geht, aktiv Zeit mit den Spielinhalten zu verbringen. Vor diesem Hintergrund mag das Argument, Geld zu investieren, um nicht aktiv spielen zu müssen, durchaus kontrovers diskutiert und möglicherweise sogar als paradox bewertet werden.

Pay-to-Win und der Solidaritätsgedanke

Um Pay-to-Win von einer anderen Seite betrachten zu können, sollte man das eng damit verknüpfte Konzept des Free-to-Play in den Fokus nehmen. Mit diesem noch recht jungen Geschäftsmodell wird das Basisspiel einer breiten Spielergemeinde kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für die Spieleentwickler entstehen allerdings erhebliche Kosten für die Entwicklung eines Spiels, die administrativen Aufgaben im laufenden Spielbetrieb und die stetige Weiterentwicklung von Inhalten und Spielmechaniken. Diese Kosten können durch die Einnahmen über so genannte Bezahlkunden, die Nutzer von Pay-to-Win-Inhalten, aufgefangen werden.

Vor diesem Hintergrund begleitet das viel umstrittene Pay-to-Win auch eine solidarische Komponente, die es überhaupt erst möglich macht, eine Basisspielvariante kostenfrei zur Verfügung zu stellen für jene Spieler, für die eine Vollpreisversion des Spiels nicht erschwinglich wäre. Dieser durchaus legitime Solidaritätsgedanke gelangt allerdings an seine Grenzen, wenn Spieleentwickler auch in Vollpreisversionen beliebter Spiele eine zusätzliche Pay-to-Win-Komponente implementieren. Mit dieser Geschäftspolitik waren kürzlich die Entwickler von „Star Wars Battlefront“ und „FIFA20“ in die Kritik geraten.

Ob sich der Geldeinsatz lohnt, ist eine Frage der Priorität

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob sich der Einsatz von Echtgeld in Computerspielen lohnt, lässt sich kaum geben. Hier stehen vor allem die Prioritäten im Vordergrund, die ein Spieler für sich im Hinblick auf ein Computerspiel definiert.

An erster Stelle steht meist die Frage, welcher Zweck mit einem Spiel verfolgt wird. Handelt es sich um ein langfristiges und intensiv betriebenes Hobby, steht meist der Wunsch im Vordergrund, intensive Spielzeit zu investieren und die Spielinhalte selbst zu erleben. Auch der Gegenwert des Geldes spielt eine große Rolle. Ergibt sich daraus ein Vorteil, der das Spielerlebnis spürbar verbessert oder kann damit ein Inhalt freigeschaltet werden, der andernfalls nicht verfügbar wäre, sind vor allem regelmäßige Spieler häufig bereit, zumindest hin und wieder Geld in die Hand zu nehmen.

Und nicht zuletzt kommen auch soziale Aspekte zum Tragen. Sind Spieler über ein Spiel zum Beispiel mit einer Gruppe von Mitspielern vernetzt, kann der Wunsch vorherrschen, langfristig mit anderen Spielern mithalten zu können oder bestimmte gemeinsame Spielinhalte nutzen zu können. Auch hier kann der Zukauf von kostenpflichtigen Inhalten für einen Spieler durchaus sinnvoll sein.