Entwicklungsschub: In diesen Bereichen wird es künftig noch digitaler

Smart-Home-Lösungen sorgen dafür, dass wir unser Zuhause von fast jedem Punkt der Erde überwachen und steuern können, Sprachsteuerungen helfen bei der Bedienung von Geräten, und bezahlt werden kann mit fast jedem Smartphone. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht zu neuen Lösungen geforscht und neue Produkte auf dem Markt erscheinen. Durch die Digitalisierung ist die Welt zu einem Dorf geworden. Ob Gesundheit und Medizin, Arbeitswelt und Freizeit, Wirtschaft und Politik – die Digitalisierung schreitet durch immer neue Technologien mit Riesenschritten weltweit voran. 

Wie sehr die Digitalisierung unsere Welt weiterhin verändern wird, lässt sich bereits absehen. Möglich und sogar wahrscheinlich ist, dass es einige Dinge in einem Jahrzehnt – wie etwa Bargeld, Schlüssel, aber auch Passwörter oder Fernbedienungen – künftig nicht mehr in der Form geben wird, wie wir sie kennen. Bis dahin – und das ist nicht unwahrscheinlich – wird das Zuhause komplett über Sprachbefehle und Gesten gesteuert – über Apps, die Küchengeräte miteinander kommunizieren lassen, den Gesundheitszustand von Bewohnern überwachen können und Aufgaben selbstständig erledigen. 

Auch bei der Kommunikation hat die digitale Revolution neue Maßstäbe gesetzt. Neue Technologien sorgen dafür, dass Kommunikationswege nicht nur massiv beschleunigt werden: Die Digitalisierung hat außerdem dafür gesorgt, dass sich Menschen auf der ganzen Welt mit immer ausgefeilterer Technologie problemlos miteinander austauschen können – zum Beispiel über neue und weiterentwickelte Apps. 

Digitalisierung ist allgegenwärtig

Aktuelle Entwicklungsschübe betreffen nahezu alle Bereiche, denn eine veränderte Kundenerwartung, der technologische Fortschritt und eine verbesserte technologische Infrastruktur regen Unternehmen mehr und mehr dazu an, digitale Wege zu gehen oder weiter auszubauen. Das Internet etwa, in den 90er Jahren noch eine reine Informationsplattform, ermöglichte und erweiterte in unfassbarer Geschwindigkeit immer weitere digitale Geschäftsmodelle. 

Vernetzte Dinge des Alltags

Das „Internet der Dinge“ – so der Sammelbegriff für neue Technologien in Zusammenhang mit globaler Infrastruktur – wird immer facettenreicher. Dieses Konzept, mit dem genaugenommen Alltagsgegenstände über das Internet miteinander vernetzt werden, sodass die Möglichkeit besteht, einen Datenaustausch zu organisieren,  stammt aus dem IT-Bereich. 

Schaut man sich an, woran die Experten mit Blick auf morgen arbeiten, wird deutlich, wie groß und komplex das Thema ist. Ein paar Beispiele: 

Bereich Internet der Dinge

Ein solches „Ding“ des Alltags ist zum Beispiel der Ergonomische Bürostuhl. Der Stuhl kann noch so hochwertig sein – falsch eingestellt wirkt er kontraproduktiv. Wird der Stuhl zum Teilnehmer im Internet der Dinge, so lassen sich unterschiedlichen  von Sensoren im Stuhl erfassen, vom Hersteller im Rahmen eines kostenarmen Services über das Netzwerk auswerten und damit verbesserte Einstellungen am Stuhl – wiederum natürlich über das Netz vornehmen. Es ist also klar: Selbst ein so gut eingeführtes Produkt wie der ergonomische Bürostuhl ist noch längst nicht ausgereizt. 

Bereich Medizin

Die Digitalisierung hat die Medizin schon lange erreicht. Telemonitoring und Telemedizin sind Themen, mit denen sich Wissenschaftler und Ärzte bereits intensiv auseinandersetzen, und die in Deutschland bereits erprobt werden. Zur Telemedizin gehört zum Beispiel eine Video-Sprechstunde, in der sich Arzt und Patient austauschen können. Patienten können Fachärzten Daten senden, aufgrund derer der Mediziner eine Therapie einleitet. Dabei werden verschiedene Fachbereiche wie Dermatologie, Onkologie, aber auch Psychiatrie und Rehabilitation abgedeckt. 

Mit Telemonitoring wiederum können Daten von chronisch kranken Patienten überwacht werden. Die dazu notwendigen Geräte überprüfen die Vitaldaten, erinnern die Erkrankten an die Medikamenteneinnahme oder alarmieren den Arzt in einem Notfall. 

App-basierte Behandlung kann sinnvoll sein

Aktuellen Studien zufolge kann auch ein App-integrierendes Behandlungskonzept bei chronischen Krankheiten sinnvoll sein. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen Apps künftig auf Rezept und auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verschrieben werden können. 

Die Digitalisierung sorgt gerade bei den Krankenversicherungen für zahlreiche Veränderungen. Die Kassen sollen künftig die Entwicklung von digitalen und patientengerechten Neuerungen fördern können. Dass die Digitalisierung in diesem Bereich in Zukunft ein Muss ist, wissen sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen spätestens seit Corona: Noch nie haben so viele Menschen Telemedizin genutzt und Schätzungen zufolge soll die Zahl der Patienten, die sich online mit dem Arzt verbinden, künftig stark ansteigen. 

Bereich Industrie

„Industrie 4.0“ bedeutet vereinfacht gesagt die Vernetzung von Maschinen in einer Fabrik, also die Digitalisierung der Produktion in den verschiedensten Bereichen wie im Maschinenbau, dem Transportwesen oder der Flug- und Fahrzeugkonstruktion. Vorrangig geht es dabei um Vernetzung und um Selbststeuerung. Im Mittelpunkt steht hier das Ziel einer Smart Factory, einer „intelligenten Fabrik“ also. 

Dies ist nicht weniger als die Entwicklung neue Formen von Produktionsumgebungen samt Logistiksystemen und Fertigungsanlagen, die sich künftig völlig selbstständig und außerhalb menschlichen Einwirkens organisieren sollen. Dazu gehören Systeme wie 3D-Druck, künstliche Intelligenz oder auch intelligente Vernetzung. Diese Entwicklung wird mit Hochdruck immer weiter vorangetrieben.

Nach einer Studie, die vom Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben wurde, haben  im April 2020 bereits 59 Prozent der Unternehmen in der Industrie in Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern derartige Technologien angewendet. Im Erhebungszeitraum gaben außerdem 22 Prozent der Unternehmen an, künftig Technologien aus dem Bereich von Industrie 4.0 anwenden zu wollen. 

Bereich Smart Home

Die Entwicklung ist hier bereits mit großen Schritten vorangegangen. Noch sind es eher „smarte“ Geräte, die als Alltagshelfer dienen. Das kann der Fernseher sein, ein Gerät für die Küche, aber auch Rasenmäher und Bewässerungsanlagen. Diese Neuerungen werden vermutlich bald Standard sein. Im nächsten Schritt soll es um eine vollständige Integration all dieser Komponenten gehen. Eine Technologie erfüllt zum Beispiel gleichzeitig den Zweck, das Wohnen komfortabler zu machen, dabei Strom zu sparen, die Umwelt zu schonen und das Entertainment-System zu steuern. So oder so ähnlich könnte das Smart Home der Zukunft aussehen. 

Vielleicht wird in einem weiteren Schritt auch das Haus mit dem Auto gekoppelt, das Auto mit dem Smartphone, das Smartphone mit dem Arbeitsplatz und so weiter. An vielen dieser Szenarien wird bereits gearbeitet. Dabei lassen sich die Entwickler von dem Gedanken leiten, dass die Lebensbereiche in der Gesellschaft von morgen sich zunehmend überlappen und es somit auch keine klare Abgrenzung mehr gibt, wo das Smart Home anfängt und wo es aufhört.

Bereich Autonomes Fahren 

Auch die Mobilität wird sich weiterentwickeln. Mehr und mehr rückt das Thema autonomes Fahren in den Vordergrund. Die Zukunft verheißt selbstfahrende Autos und Fahrzeuge, die elektronisch angetrieben nicht nur für einen geringeren Schadstoff-Ausstoß sorgen, sondern auch deutlich leiser durch das Land rollen. Auch in Amerika werden seit einiger Zeit Roboter-Autos als Taxis eingesetzt, lediglich mit einem Sicherheitsfahrer ausgestattet. Im Silikon-Valley setzt der Daimler-Konzern einen Mitfahrservice ein, bei dem mehrere Fahrzeuge unter Aufsicht eines Sicherheitsfahrers zwischen verschiedenen Stadtteilen autonom hin- und herpendeln. Bis auf Sicherheitsfahrer verzichtet werden kann, der Halter sich von seinem Fahrzeug zu Hause absetzen lässt, damit es sich dann selbstständig einen Parkplatz sucht, wird es vermutlich noch einige Zeit dauern. 

Allerdings: Das Prognos-Forschungsinstitut schätzt, dass ab etwa 2030 Pkw mit Citypilot im Straßenbild auftauchen. Diese können sowohl in Städten als auch auf Autobahnen selbstständig unterwegs sein, benötigen jedoch aus Sicherheitsgründen einen Fahrer. Auch in Deutschland wird mit intensiv an den dazu notwendigen Softwarelösungen gearbeitet. Der Automobilkonzern BMW zum Beispiel beschäftigt allein für die Erarbeitung spezialisierter Algorithmen für hochautomatisiertes Fahren rund 1700 Mitarbeiter. 

Bereich Logistik

Die aktuellen Entwicklungen in der Logistikbranche in Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung bauen unter anderen auf autonome Lösungen und künstliche Intelligenz. Entwickelt werden unter anderem Roboter, die be und entladen können oder auch selbstfahrende Fahrzeuge wie Gabelstapler und Lieferfahrzeuge. Durch das Internet der Dinge kann jeder Gegenstand über das Netz mit jedem anderen verknüpft werden, kann Daten über seinen Zustand weitergeben und damit bei einem anderen Gerät eine Reaktion auslösen. 

Das eröffnet auch in der Logistik neue Möglichkeiten: In vernetzten Einkaufszentren zum Beispiel, daran wird mittlerweile gearbeitet, können künftig alle Produkte Informationen über ihren aktuellen Zustand und Lagerort geben. Weitere intelligente Lösungen, woran gearbeitet wird, betreffen unter anderem auch die Organisation und Transparenz von Lieferketten. Auch an Dingen wie einem einkaufenden Kühlschrank, der automatisch Waren bestellen kann, wird geforscht. 

Bereich Zahlungsverkehr

Gerade zu Corona-Zeiten hat der bargeldlose und kontaktlose Zahlungsverkehr deutlich zugenommen. Zum Beispiel durch bereits vorhandene Neuerungen wie etwa das Smartphone als Träger des mobilen Payment und andere Technologien, wie etwa Voice-Payment über Sprachassistenten. In anderen Ländern wie etwa in den USA laufen derzeit bereits Pilotprojekte, die den Einkauf als einen integrativen Prozess verstehen. Hier wird der Kunde mittels neuer Technologie bereits vor dem Einkauf vom Geschäft identifiziert. Er kann es ohne an der Kasse stehen zu müssen mit dem Einkauf verlassen. Die Bezahlung erfolgt über das Netz. 

Auch bei einer Fastfood-Kette in den Vereinigten Staaten zahlen Kunden bereits mit einem Fingerabdruck, ein Procedere, das ein Supermarkt in Nordrhein-Westfalen bereits übernommen hat. Bei diesem Vorgang werden die Bankinformationen eines Kunden mit dem Fingerabdruck verbunden und können an der Kasse abgerufen werden. Über das sogenannte In-Car-Payment ist ebenfalls ein Bezahlvorgang über Touchscreen an der Tankstelle möglich. Und: Mittlerweile akzeptieren auch diverse Geschäfte, Cafés und Restaurants in Deutschland Kryptowährungen. Wer damit bezahlen möchte, benötigt eine sogenannte Bitcoin-Wallet, eine Art digitales Portemonnaie.