6 gute Gründe für einen regelmäßigen digitalen Detox

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Was macht man heutzutage, wenn man einen Film gucken will? Man startet in der Regel Netflix, Prime und Co. Mit Freunden wird meistens per WhatsApp oder anderen Messengern kommuniziert oder gleich ein Anbieter für Videotelefonie genutzt. In einer oder auch mehreren freien Minuten, sei es im Wartezimmer, an der Haltestelle oder in der Mittagspause wird oft reflexartig das Handy gezückt und Nachrichten gelesen, gespielt, Videoclips geschaut. 

Kommt euch das bekannt vor? Uns auch – denn die allermeisten modernen Menschen haben einen Hang dazu entwickelt, allen möglichen Problemen, Aufgabenstellungen und Lebenslangen erst einmal die digitale Lösung entgegenzuhalten. Das ist alles unheimlich praktisch und einfach, doch gerade deshalb solltet ihr ab und an, zumindest ein Stückchen weniger digital sein. 

1. Etwas Gehirn-Jogging 

Hand aufs Herz: Wann habt ihr euch im Supermarkt das letzte Mal die Mühe gemacht, die Preise einiger Produkte im Kopf zu addieren, um zu wissen, ob ihr genug Bargeld dabeihabt? Die allermeisten Menschen öffnen wohl dazu die Taschenrechner-App. 

Allerdings ist das exakt das Gleiche, was beispielsweise auch mit einer Fremdsprache passiert, wenn sie nur noch sporadisch im Urlaub benötigt wird: Diese Fähigkeiten verkümmern. Klar sind die ganzen digitalen Helfer schnell und simpel in der Verwendung, aber durch sie verlernen wir selbst grundlegende Dinge wie das kleine Einmaleins, Kommarechnung und dergleichen – ein Teilbereich dessen, was schon seit einigen Jahren als „Digitale Demenz“ heißdiskutiert wird. 

Und spätestens, wenn das Handy mal nicht genutzt werden kann (Stichwort: leerer Akku), stehen wir vor einem gewaltigen Problem – das sich mit etwas digital Detox einfach umgehen ließe. 

2. Verbesserung der Konzentration

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Praktisch alles, was digital ist, ist dafür ausgelegt „snackable“ zu sein – also schnell und leichtbekömmlich konsumierbar. Das fängt bei YouTube-Werbung an, die ihre Kernaussagen auf die fünf Sekunden vor dem Wegklick-Symbol komprimiert und endet bei kurzen digitalen Nachrichtenartikeln längst noch nicht. Hinzu kommt, dass unsere digitalen Helfer die Neigung haben, alle paar Minuten wegen Nachrichten, Updates, Uploads und Markierungen zu stören.

Die Folge: Wir verlernen immer stärker, uns für längere Zeit auf ein Thema zu konzentrieren. Wenn wir dadurch einem interessanten Film nicht mehr richtig folgen können, ist das nur ein persönliches Problem. Wenn es jedoch dazu führt, dass wir komplexere Zusammenhänge nicht mehr durchblicken, ergeben sich unabsehbare Langzeitfolgen. 

3. Erhöhte Sicherheit

Verlieren wir unsere Smartphones, verlieren wir unter anderem auch Informationen zu Zahlungsdienstleistern, Social Media, Logins und viele weitere persönliche Daten, die wir nicht in fremde Hände geben möchten.

Hinzu kommt:

  • Praktisch jeder, der im Netz agiert, sammelt über Cookies und Profilangaben intime Detaildaten. 
  • Jeder einzelne Schritt, den ihr digital tätigt, ist zurückverfolgbar. 
  • Hacker werden nicht nur immer technischer, sondern auch psychologischer. Längst ist mit dem sogenannten Social Engineering eine besonders perfide Methode der Manipulation hinzugekommen. Psychologische Manipulationstechniken werden dabei dazu verwendet, an persönliche Daten und/oder Geld zu gelangen.
  • Digitale Consumer-Produkte sind auf maximalen Komfort ausgerichtet, was in der Regel zu Lasten der Sicherheit geht. 

Von den ganzen Skandalen, wie etwa der, als vor einigen Monaten herauskam, dass bei sämtlichen Digital-Assistenten menschliche Mitarbeiter mithörten, ganz zu schweigen. Mehr Analog macht euch weniger angreifbar. 

4. Vergessene Freiheiten

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Eigentlich sollen digitale Geräte – nicht nur das Internet – dem Menschen mehr Freiheit. Bei den meisten jedoch ist das Gegenteil der Fall. Aus mehreren Gründen:

  1. Wir sind andauernd erreichbar. Und nicht nur auf einem, sondern bei vielen Leuten gleich auf einer Handvoll Kanälen zwischen Anruf, E-Mail, Kurz- und Sprachnachricht. Zudem zeigen die Geräte andauernd an, dass wir etwas noch nicht gelesen haben. Das macht erwiesenermaßen krank.
  2. Viele Apps, vor allem aus dem sozialmedialen Bereich, sind so konzipiert, dass es beim Durchscrollen kein Ende gibt. Immer wieder wird neuer Content nachgeladen, um uns so lange wie möglich festzuhalten. 
  3. In ähnlicher Weise bekommen wir auch anderswo immer wieder Neues gezeigt. Beim Streamen müssen wir am Ende einer Serienfolge aktiv wegklicken, damit die nächste nicht automatisch beginnt. Da zeigt YouTube zu jedem Video gleich eine ganze Liste passender Clips, im Default-Modus ebenfalls auf Autoplay.

Nur mit regelmäßigem Detox und einer geübten Selbstdisziplin können wir verhindern, dass wir förmlich von zu vielen digitalen Inhalten gefesselt werden. 

5. Den Moment leben

Der aktuellen Jugendgeneration, der sogenannten Generation-Z, attestieren viele Wissenschaftler eine besorgniserregende Unzufriedenheit. Ähnliches lässt sich auch bei ihren Vorgängen, den Millennials, beobachten – weitaus weniger allerdings bei deren Vorgängern, der Generation X.

Der Grund? Je jünger wir sind, desto digital-affiner sind wir und auf desto mehr sozialen Netzwerken sind wir unterwegs. Der Rest klingt einleuchtend:

  1. Freunde, Influencer und alle anderen Menschen, denen wir folgen präsentieren uns vor allem Highlights aus ihrem Leben. Hier der Spieleabend, da die Urlaubsreise, dort das leckere Abendessen. 
  2. Durch den Aufbau der Social Networks bekommen wir zu jeder Zeit eine beliebige Menge solcher Highlights angezeigt.
  3. Dadurch beginnen wir selbst irgendwann zu glauben, dass alle anderen ein enorm ereignisreiches, spannendes, spaßiges Leben haben – bloß wir selbst sitzen im alltäglichen Trott fest.

Manche von euch wissen zwar, dass auch die Leute aus euren Freundeslisten kaum mehr Highlights im Leben haben als ihr selbst. Die sozialen Netze sind jedoch gut darin, derartige Erkenntnisse mit einer Flut an gegenteiligen Feeds zu verdecken. 

Vielleicht werdet ihr zu Beginn des digital Detox das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Das legt sich jedoch. Und dann wird, wenn nicht mehr ständige Vergleiche aufgezeigt werden, auch euer eigenes Leben wieder spannender – erst recht, weil ihr mit weniger Digitalisierung täglich viel Lebenszeit zurückgewinnt. Apropos:

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6. Mehr Freizeit

Büro 4.0, Handwerk 4.0, Industrie 4.0 – es gibt derzeit kaum noch einen Beruf, in dem die Digitalisierung nicht mit Riesenschritten vorangeht. Für die Unternehmer mag das alles seine wirtschaftlichen Vorteile haben, mit Sicherheit auch euch als Angestellten den Job erleichtern, aber was ist die Kehrseite der Medaille? Die sieht für viele von uns so aus, dass sie einen Großteil ihres Arbeitstages auf Bildschirme schauen. Ihr denkt, dass euer Gehirn durchaus erkennen würde, ob ihr aus beruflichen oder privaten Gründen im Netz unterwegs seid? Nein, leider falsch. 

Das mag anfangs funktionieren. Irgendwann verschwimmt für unser Denkzentrum jedoch alles zu einem digitalen Einerlei – egal ob auf dem Bildschirm gerade ein Video-Meeting läuft oder Saul Goodman den gewieften Anwalt gibt. Die Folge: Die Work-Life-Balance verschlechtert sich immer mehr. 

Vor allem wenn euer Berufsalltag schon heute sehr digital ist, solltet ihr besonders stark versuchen, nach Feierabend auf die „analoge Bremse“ zu treten – dann macht die Arbeit auch mehr Spaß!

Zusammengefasst

Digitale Technik macht vieles leichter und besser. Doch wie bei allem im Leben gilt „die Dosis macht das Gift“. Dadurch, dass ihr bewusster und seltener die ganzen Hard- und Software-Helferlein nutzt, tut ihr euch selbst nur Gutes. Weder verpasst ihr etwas, noch geratet ihr ins Hintertreffen. Ihr entreißt einfach nur den ganzen Chips und Algorithmen die Kontrolle über euch – und die hat bei vielen von uns längst überhandgenommen.