Gong 96,3 Album der Woche
Lana Del Rey – „Born To Die“
(Vertigo/Universal)

Ziemlich unterkühlt und mit einer abgeklärten Mischung aus lasziver Coolness und Langeweile blickt einen Lana Del Rey derzeit von jedem zweiten Musik- und Szenemagazin an. Nie lächelt sie auf offiziellen Bildern, den Mund stehts geschlossen. Auch auf ihrem Platten-Cover steht sie so da: Adrett gekleidet, wie ein gefallener Engel in 50er-Jahre-Bluse. Ganz zu schweigen von ihrer Stimme, die fast noch dunkler scheint als die Smokey Eyes.
Wären da nicht immer diese kleinen Details die scheinbar absichtlich platziert den vordergründigen Gesamteindruck stören sollen:
Der feuerrote BH passt einfach nicht zu der Bluse und einer Föhnfrisur, die selbst Jackie Kennedy alle Ehre gemacht hätte. Die blassen Wangen und dunklen Augen stehen in krassem optischen Wiederspruch zu dem schreiend bunten Hippie-Blumenkranz im Haar und auch die offensichtlich aufgespritzten Lippen passen nicht zu dem Image der stillen Schönheit…
Rätsel gibt sie einem auf, die erst 26-jährige Sängerin Lana Del Rey, geboren als „Elizabeth Grant“ im US-Staat New York und mittlerweile in Schottland beheimatet. Dort hat die selbsternannte „Gangsta Nancy Sinatra“ nach einem wenig beachteten Erstling im Jahr 2010 nun ihr „erstes richtiges“ Debut aufgenommen. Alle Songs zwar selbstgeschrieben aber produziert nur von den Besten des Genres: Eg White (Adele/Duffy) Chris Braide (Cheryl Cole/Paloma Faith) oder Guy Chambers (Robbie Williams/Katie Melua) legten hier Hand an. Die Debut-Single „Video Games“ brachte die Sängerin dann auch quasi über Nacht ins Rampenlicht. Völlig entgegen aktueller Pop-Trends singt sie da mit beschwörender Stimme zu den Klängen von Harfen und Streichern, wie in einem düsteren „Film Noir“.
Auch die restlichen 11 Songs auf dem bezeichnenderweise „Born To Die“ betitelten Album sind alles andere als die Ausgeburt von Fröhlichkeit und schwanken doch nie zu sehr ins Melancholische. Die Künstlerin Lana Del Rey lebt genau von dieser ständigen Gratwanderung:
Stets mit viel Hall und gedoppelter Zweitstimme inszeniert sie sich wie ein in sich gespaltener Vamp, der bereits in jeden Abgrund dieser Welt geblickt hat und es doch vermag, das vermeintlich Grausige in schaurige Schönheit zu verwandeln: „Summertime Sadness“ ist zum Beispiel so ein Song der von der Faszination der Gegensätze lebt. Eine Frau nimmt Abschied von ihrem Liebsten und macht sich extra hübsch dafür. Unendliche Tristesse - an einem strahlenden Sommertag. Tragische Ereignisse – jedoch besungen und verpackt in einem wunderschönen Popsong.
Wir werden noch viel zu hören bekommen, von dieser Lana Del Rey, die sich derzeit musikalisch und als Gesamtprodukt komplett gegen den Strom inszeniert. Wo zB Lady Gaga und Konsorten immer ausgeflippter wirken, bunt und grell, mit immer neuen Kostümen und musikalischen Zukunfts-Experimenten. Dort rudert Lana Del Rey zurück – präsentiert sich fast schon bieder im 50er-Jahre-Look und reduziert sich auf ihre Stimme und die Musik.
Torsten König, Musikredaktion Gong 96,3
(Vertigo/Universal)

Ziemlich unterkühlt und mit einer abgeklärten Mischung aus lasziver Coolness und Langeweile blickt einen Lana Del Rey derzeit von jedem zweiten Musik- und Szenemagazin an. Nie lächelt sie auf offiziellen Bildern, den Mund stehts geschlossen. Auch auf ihrem Platten-Cover steht sie so da: Adrett gekleidet, wie ein gefallener Engel in 50er-Jahre-Bluse. Ganz zu schweigen von ihrer Stimme, die fast noch dunkler scheint als die Smokey Eyes.
Wären da nicht immer diese kleinen Details die scheinbar absichtlich platziert den vordergründigen Gesamteindruck stören sollen:
Der feuerrote BH passt einfach nicht zu der Bluse und einer Föhnfrisur, die selbst Jackie Kennedy alle Ehre gemacht hätte. Die blassen Wangen und dunklen Augen stehen in krassem optischen Wiederspruch zu dem schreiend bunten Hippie-Blumenkranz im Haar und auch die offensichtlich aufgespritzten Lippen passen nicht zu dem Image der stillen Schönheit…
Rätsel gibt sie einem auf, die erst 26-jährige Sängerin Lana Del Rey, geboren als „Elizabeth Grant“ im US-Staat New York und mittlerweile in Schottland beheimatet. Dort hat die selbsternannte „Gangsta Nancy Sinatra“ nach einem wenig beachteten Erstling im Jahr 2010 nun ihr „erstes richtiges“ Debut aufgenommen. Alle Songs zwar selbstgeschrieben aber produziert nur von den Besten des Genres: Eg White (Adele/Duffy) Chris Braide (Cheryl Cole/Paloma Faith) oder Guy Chambers (Robbie Williams/Katie Melua) legten hier Hand an. Die Debut-Single „Video Games“ brachte die Sängerin dann auch quasi über Nacht ins Rampenlicht. Völlig entgegen aktueller Pop-Trends singt sie da mit beschwörender Stimme zu den Klängen von Harfen und Streichern, wie in einem düsteren „Film Noir“.
Auch die restlichen 11 Songs auf dem bezeichnenderweise „Born To Die“ betitelten Album sind alles andere als die Ausgeburt von Fröhlichkeit und schwanken doch nie zu sehr ins Melancholische. Die Künstlerin Lana Del Rey lebt genau von dieser ständigen Gratwanderung:
Stets mit viel Hall und gedoppelter Zweitstimme inszeniert sie sich wie ein in sich gespaltener Vamp, der bereits in jeden Abgrund dieser Welt geblickt hat und es doch vermag, das vermeintlich Grausige in schaurige Schönheit zu verwandeln: „Summertime Sadness“ ist zum Beispiel so ein Song der von der Faszination der Gegensätze lebt. Eine Frau nimmt Abschied von ihrem Liebsten und macht sich extra hübsch dafür. Unendliche Tristesse - an einem strahlenden Sommertag. Tragische Ereignisse – jedoch besungen und verpackt in einem wunderschönen Popsong.
Wir werden noch viel zu hören bekommen, von dieser Lana Del Rey, die sich derzeit musikalisch und als Gesamtprodukt komplett gegen den Strom inszeniert. Wo zB Lady Gaga und Konsorten immer ausgeflippter wirken, bunt und grell, mit immer neuen Kostümen und musikalischen Zukunfts-Experimenten. Dort rudert Lana Del Rey zurück – präsentiert sich fast schon bieder im 50er-Jahre-Look und reduziert sich auf ihre Stimme und die Musik.
Torsten König, Musikredaktion Gong 96,3

